Juliane aus Berlin erzählt, wie sie ihre sexuelle Identität fand

Queere Momente:

Beim Finden von sexueller Identität gibt es für jeden prägende Momente. Um die soll es hier gehen - für alle, die sich selbst als "queer" bezeichnen würden. 

Als mir klar wurde, dass ich lesbisch bin ...

... war ich Anfang 20. Ich befand mich gerade in der Trennungsphase von meinem damaligen Freund und hatte endlich die Chance, mich frei auszuprobieren. 

Rückblickend denke ich, dass ich mich schon immer für Frauen interessiert habe, auch wenn ich es anfangs nicht verstanden habe. Im Gymnasium gab es ein paar Mädchen, die auf Partys immer betrunken geknutscht haben und ich dachte: „Mensch, solche Freundinnen hätte ich auch gern.“



Juliane

30, wurde in Hamm/Westfalen geboren und hat Sozialökonomie in Hamburg studiert. Letztes Jahr ist sie der Liebe wegen mit ihrem Hund Frida nach Rio de Janeiro/Brasilien gegangen, wo sie als Deutschlehrerin arbeitet. In ihrer Freizeit spielt Juliane Roller Derby.

Das Thema Homosexualität war in meiner Familie nie ein Problem. Mein Onkel ist schwul und es war zumindest für meine Eltern immer ganz normal.

Ich habe mir darüber aber keine Gedanken gemacht und war lange mit Männern zusammen. Nach meinem Umzug nach Berlin hatte ich dann endlich Zugang zur queeren Szene. Da ging ich auch sehr bald meine erste Lesbenparty.

Meine erste Lesbenparty...

 ... war eine Party, die monatlich  auf einer kleinen Insel im Teptower Park stattfindet. Der Weg von der U-Bahn dorthin zieht sich und ist sehr dunkel. Aber ich hatte gleich am Anfang des Weges eine Gruppe von Frauen gefunden, die offensichtlich auch zur Party wollte und konnte mich ihnen anschließen. Es war sofort ein Gefühl von Gemeinschaft da. Ich blieb zum zum Morgengrauen auf der Party und wir haben mit mehren Leuten noch morgens einige Stunden am Ufer gesessen und die Sonne genossen. 


Wie sich Eltern für ihre queeren Kinder einsetzen:
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Das war wunderbar und befreiend. Ich frage mich oft, wie mein Leben wohl verlaufen wäre, wenn ich wie einige meiner Bekannten schon im Teenageralter schwule oder lesbische Klassenkameraden oder Freunde gehabt hätte, wenn es eine LGTBIQ-Community in meinem Umfeld gegeben hätte.

Zum ersten Mal habe ich meiner Mutter davon erzählt ...

 ... als wir gerade telefonierten. Ich lag neben meiner neuen Freundin im Bett, als meine Mutter anrief. Es war eine ganz lustige Situation. Meine Mutter wohnt auch in Berlin und fragte, ob ich mit ihr zu einer Open-Air-Veranstaltung gehen wolle.

 Ich wusste eigentlich, dass es kein Problem sein würde, trotzdem war ich aufgeregt. Ich fragte sie, ob ich noch jemanden mitbringen dürfte. Sie: „Und, wie heisst ER?“ Ich: 




Er heisst Steffi*!

Sie glaubte mir zuerst nicht und lachte. Mutti dachte, ich mache Witze. Als ich dann aber mit meiner Freundin auftauchte, war es kein Problem und nie ein Thema.

Wenn ich heute darüber rede ...

 ... gehe ich ganz offen mit meiner Homosexualität um. Im Gegensatz zu vielen meiner Freunde habe ich bisher kaum negative Reaktionen darauf bekommen. Vielleicht auch, weil ich mein Coming-Out erst relativ spät hatte und mir mittlerweile einfach egal ist, was andere denken. 

Wenn es jemandem nicht passt, dann hat die Person das Problem, nicht ich. Es sollte einfach normal sein.

 

Deine queeren Momente

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Aber ich weiß auch, dass ich sehr viel Glück habe in einer offenen Stadt wie Berlin zu leben und so tolle Menschen in meinem Umfeld zu haben.

Als ich das erste Mal richtig in eine Frau verliebt war ...

... war es ein sehr komisches Gefühl. Ich war ja einerseits schon erwachsen und hatte bereits diverse Beziehungen gehabt, anderseits habe ich mich wie ein Teenie gefühlt, der zum allerersten Mal verliebt ist. Diese Unsicherheit, dass ich nicht so wirklich wusste „wie das alles so funktioniert“, hat mich ziemlich nervös gemacht. 

Es war mir unangenehm, quasi keinerlei Erfahrung zu haben.

Aber ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass es das Richtige für mich ist. Ich habe nie gezweifelt, dass es nur eine Phase sein könnte. Es hat sich von Anfang an gut, richtig und wie ein Ankommen angefühlt.

Wenn ich jemanden kennenlernen will...

 ... gehe ich auf Szene-Partys und nutze Apps wie Okcupid oder Tinder. Da ich mich wenig in Hetero-Kreisen bewege, mache ich mir eigentlich nicht wirklich Gedanken, ob die andere Person auch auf Frauen steht. 

Der schwierigste Moment war für mich ...

 

... als ich am Anfang meines Coming-Outs mal eine unangenehme Situation mit meinem damaligen Gynäkologen hatte. Ich hatte ihn gefragt, wie es denn mit sexuell übertragbaren Krankheiten zwischen zwei Frauen sei. Seine patzige Antwort „Was soll denn da passieren?!“ halte ich für ein Armutszeugnis für den Arzt.

 Zum Glück ist mir aber noch nie etwas richtig Schlimmes passiert. Seit letztem Jahr lebe ich in Rio de Janeiro in Brasilien. Ich bin der Liebe wegen dort hin gezogen. In Brasilien habe bisher noch nicht so viele negative Erfahrungen gemacht, was aber auch  daran liegt, dass ich bisher nicht viel verstanden habe, wenn wir blöd angepöbelt werden. 

Hier ist es schon so, dass es in der Öffentlichkeit gefährlich ist,  sich zu küssen oder Händchen zu halten. Deshalb geschieht dies eher in sicheren Räumen.


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Eine der schönsten Situationen war für mich...

... als ich an einem Nachmittag Besuch von meinem Vater hatte. Ich war gerade im Trennungsprozess von meinem damaligen Freund und er sagte zu mir: “ Mir ist einfach wichtig, dass du glücklich bist. Ob mit einem Mann oder einer Frau – Hauptsache, dir geht es gut dabei!“

Noch am gleichen Abend habe ich zum ersten Mal eine Frau geküsst.

*Name geändert

Bist du lesbisch oder heterosexuell? Mach den (nicht ganz ernst gemeinten) Test!

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Schleswig-Holstein: Im Innenministerium wurde zu oft auf Spotify und Pornoseiten gesurft
Also wurden ihre PCs überwacht.

Mitarbeiter in Schleswig-Holstein sollen Rechner im Kieler Innenministerium und in der Landespolizei exzessiv für private Zwecke genutzt haben. Das hat Patrick Breyer von der Piratenpartei öffentlich gemacht. 

In einem Schreiben bemängelte das Innenministerium demnach "sehr hohe Datenumfänge" und die "Nutzung von Seiten mit nicht jugendfreien Inhalten". Die Seiten würden nicht direkt ein "dienstliches Interesse" erkennen lassen – und eher das Ansehen der Polizei in der Öffentlichkeit schädigen.