Bild: SuitSupply
Für das Label ist die Kampagne wahrscheinlich trotzdem ein Erfolg.

Sexistische Werbung? Geht gar nicht! (bento
Rassistische Werbung? Auch ein No-Go. (bento)

Wenn in einer Kampagne Vorurteile oder Geschlechterklischees ausgeschlachtet werden, lassen die kritischen Reaktionen meist nicht lange auf sich warten. Das ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen institutionalisierten Sexismus und Rassismus. 

Auch auf die neue Kampagne des niederländischen Modelabels "SuitSupply" gibt es zurzeit zahlreiche Reaktionen. 

Das liegt aber nicht daran, dass diese Werbung sexistisch oder rassistisch ist. Sondern daran, dass der Herrenausstatter seine Sommerkollektion mit Fotos von küssenden Männern am Pool bewirbt.

Vor zwei Jahren sorgte schon einmal eine "SuitSupply"-Kampagne für Aufsehen: Damals wurde der Marke allerdings Sexismus vorgeworfen (The Drum). Für die Kampagne "Toy Boy" rutschten Mini-Männer auf nackten Brüsten herum oder baumelten an einem riesigen Bikini-Höschen.

Das Unternehmen hat daraus offensichtlich seine Schlüsse gezogen. Und für die Kampagne "Find your perfect fit" nun homosexuelle Liebe und die Anziehung zwischen zwei Männern in den Mittelpunkt gestellt. 

Auf Plakaten auf der Straße und in Geschäften und vor allem auch in den sozialen Netzwerken wirbt die Marke mit den neuen Fotos.

(Bild: SuitSupply)
(Bild: SuitSupply)

Doch dort findet die Kampagne auch Gegner: In den Kommentarspalten finden sich hunderte Beschwerden. Auf Instagram verlor das Unternehmen eigenen Angaben zufolge innerhalb weniger Tage über 12.000 Follower. (Business Insider

Und unter den Fotos auf Facebook und Instagram schreiben einige User, dass sie ab sofort nicht mehr bei "SuitSupply" einkaufen wollen. 

"Was hat das noch mit Klamotten zu tun? Die Leute sind außer Kontrolle. Ich bin raus... Ich werde mein Zeug woanders kaufen."(Bild: Screenshot Facebook)
"Ich bin raus. Meine Lieblingsfirma ist gerade auf den letzten Platz gerutscht. Peace."

Für den Gründer von SuitSupply, Fokke de Jong, kommen diese Kommentare nicht überraschend. Schon vor dem Start der Kampagne sei ihm bewusst gewesen, dass die Bilder Potential für negative Reaktionen hätten, sagte er gegenüber Business Insider. Das Unternehmen hätten aber auch viele positive Reaktionen erreicht. Für ihn sei die Werbung deshalb dennoch ein Erfolg, so de Jong weiter.

Und tatsächlich überwiegen auf Facebook und Instagram inzwischen die positiven Kommentare:

"Tolle Werbung. Sehen wir mal, wie viele Leute sich davon angegriffen fühlen. Die wollt ihr eh nicht als Kunden haben."(Bild: Screenshot Facebook)

Ob die positiven oder negativen Kommentare überwiegen, ist für SuitSupply aber ohnehin erstmal nicht so wichtig: Die vielen Reaktionen auf die Kampagne machen sie bekannt und schon jetzt zu einem großen Erfolg. Die Follower, die das Label auf Instagram verloren hat, dürften mittlerweile durch neue Fans ersetzt worden sein. 

Und wirkliche Konfrontation vermeidet das Label dann auch – indem es darauf verzichtet, mit den Bildern in solchen Ländern zu werben, in denen Homophobie weiter verbreitet ist. So gab de Jong an, dass die Kampagne in Russland und den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht gezeigt wird. (BoredPanda)

Doch auch wenn SuitSupply mit seiner Kampagne einfach nur einen geschickten Werbecoup landen wollte: Die Bilder sorgen dafür, dass in den Kommentarspalten diskutiert wird und Nutzer Position beziehen. Und das ist auf jeden Fall besser als die sexistische Werbekampagne von 2016. 

Wie nicht-sexistische Werbung geht, kannst du hier sehen:


Gerechtigkeit

Auf der Straße belästigt zu werden, muss endlich illegal sein!
Warum wir ein Gesetz gegen "Catcalling" brauchen.

Stell dir folgende Situation vor: Du bist eine Frau und sitzt in der U-Bahn. Ich bin ein Mann. Ich folge dir. Du steigst aus. Ich steige aus. Du steigst in eine andere Bahn. Ich steige ebenfalls ein. Ich frage nach deiner Telefonnummer. Ich frage nochmal. Ich frage ein drittes Mal. Du fühlst dich unwohl.

Das Verhalten des Mannes in diesem Szenario wäre in den meisten Ländern nicht strafbar. Doch in Frankreich könnte sich das bald ändern. 

Das oben genannte Beispiel stammt von Frankreichs Ministerin für Gleichberechtigung, Marlene Schiappa, und illustriert einen Umgang mit Frauen, den sie nicht mehr akzeptieren will. Schiappa hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, über den das Parlament innerhalb der kommenden Monate entscheiden soll. Stimmt es dafür, wäre Belästigung im öffentlichen Raum strafbar. Täter müssten dann mit hohen Geldstrafen rechnen. (Zeit Online)

Das ist genau richtig! Und diese Debatte muss endlich auch bei uns stattfinden.