Bild: Vadim Ghirda/AP/dpa
Zwei Fragen, zwei Antworten

Eine Volksabstimmung zum Verbot der Ehe für alle in Rumänien ist gescheitert. Ultrakonservative Gruppen wollten das bestehende Verbot auch in der Verfassung verankern, doch die Bevölkerung machte da nicht mit.

Was ist passiert?

Mehrere Gruppen hatten das Referendum angesetzt, um das Verbot von gleichgeschlechtlichen Ehen auch in die Verfassung zu schreiben. Demnach sollte ein Absatz verändert werden, in dem die Ehe derzeit geschlechterneutral als Bund zwischen zwei "Ehegatten" beschrieben wird. Die Ultrakonservativen wollten dies in die Beschreibung "Mann und Frau" ändern. 

Um dies zu bestätigen, sollten die Rumänen am Wochenende abstimmen. Doch die Volksabstimmung scheiterte, weil zu wenige Menschen abstimmten. Nur rund 20 Prozent der Bevölkerung gaben ihre Stimme ab – für ein gültiges Referendum hätte es mindestens 30 Prozent gebraucht.

Welche Reaktionen gab es?

Rumäniens wichtigste Interessenvertretung der Homosexuellen, Accept, begrüßte den Ausgang des Referendums, ebenso der Fraktionschef der Sozialdemokraten im EU-Parlament, Udo Bullmann. Rumäniens Regierungs- und Oppositionsparteien sowie die Initiatoren des Referendums schoben sich hingegen am Sonntagabend gegenseitig die Schuld für das Scheitern der Volksbefragung zu.

Accept erklärte, die Rumänen ließen sich nicht von einer politischen Agenda hinters Licht führen, "die zu Hass und Zwietracht aufruft". Man habe gezeigt, "dass die meisten von uns nicht glauben, dass man über Menschenrechte in einem Referendum abstimmen sollte".

Mit Material von dpa


Grün

Neuer Weltklimabericht: Erderwärmung schlimmer als angenommen – das müssen wir jetzt tun
Das muss jetzt passieren, um das Klima zu retten

Bei einem Treffen des UNO-Klimarates in Südkorea haben Klimaforscher einen neuen Lagebericht zur Erderwärmung vorgelegt. Darin fordern sie schnelle und weitreichende Veränderungen. (SPIEGEL ONLINE)

Was steht in dem Weltklimabericht?

Die Forscher haben sich mit der Frage auseinandergesetzt, wie sich das Klima verändern würde, wenn sich die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters beschränken ließe. "Schnelle und weitreichende" Veränderungen seien nötig bei der Energieerzeugung, der Landnutzung, dem Städtebau, im Verkehrs- und dem Bausektor sowie der Industrie, heißt es von den Forschern.

Wurde sonst nicht immer über eine Grenze von zwei Grad Celsius diskutiert?

Ja, aber die Industrienationen haben den Bericht zur 1,5-Grad-Grenze in Auftrag gegeben, um zu zeigen, wie wichtig der Klimaschutz ist. Der Bericht sollte darstellen, welchen Unterschied ein halbes Grad Celsius ausmacht und wie weniger gravierend die Folgen für die Erde wären.

Was sind die wichtigsten Punkte?

  • Die nächsten zehn Jahre sind die entscheidenden, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen
  • Seit Beginn des Inustriezeitalters hat sich die Erde bereits um ein bis 1,2 Grad erwärmt
  • Der Meeresspiegelanstieg würde um 0,1 Meter kleiner ausfallen – das klingt zwar wenig, dadurch wären aber weltweit zehn Millionen Menschen weniger von Überschwemmungen bedroht
  • Bei einem Temparaturanstieg von 1,5 Grad würden die Eisschollen rund um die Pole einmal im Jahhundert komplett schmelzen – bei zwei Grad einmal im Jahrzehnt
  • 70 bis 90 Prozent der Korallenriffe würden sterben, bei zwei Grad mehr als 99 Prozent
  • Bis 2030 muss der CO2-Ausstoß um 45 Prozent zurückgehen, verglichen mit dem Jahr 2010
  • Bis 2050 muss der CO2-Ausstoß bei Null liegen
  • Sollte bis dahin noch fossiler Treibstoff verbrannt werden, müsste CO2 aktiv aus der Luft entfernt werden

Wie realistisch ist es, die Ziele umzusetzen?

Derzeit sieht es danach aus, dass weder das Ziel von 1,5 noch von zwei Grad Celsius erreicht wird. Sollte der CO2-Ausstoß so hoch bleiben wie derzeit, würde zwischen 2030 und 2052 die Marke von 1,5 Grad überschritten werden. Sollte insbesondere die Industriestaaten nichts an ihren Ausstößen ändern, erwarten die Experten einen Temparaturanstieg von 2,6 bis vier Grad bis zum Ende des Jahrhunderts. 

Was müsste passieren, um die Klimaziele doch noch zu erreichen?

  • Erneuerbare Energien müssten bis 2050 70 bis 85 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs decken
  • Die Nutzung von Kohle zur Stromerzeugung müsste bis 2050 eingestellt werden
  • Die CO2-Emissionen der Industrie müsste um 75 bis 90 Prozent sinken
  • Bis 2100 müssten 100 bis 1000 Milliarden Tonnen CO2 aus der Luft eingefangen werden