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"Portugal schreibt heute wirklich Geschichte!"

Es ist ein riesiger Schritt zu mehr Gleichberechtigung für queere Menschen in Portugal: Am Freitag hat das Parlament ein Gesetz verabschiedet, das es jeder Person über 16 erlaubt, sich das im Pass eingetragene Geschlecht auszusuchen. 

Auch Operationen an intersexuellen Kindern dürfen nicht mehr wie bisher durchgeführt werden. 

Die Abgeordneten standen auf und klatschten, als das Parlament am Freitag das Gesetz beschloss. Dabei hatten die Parlamentarier nur knapp dafür gestimmt – mit 109 Pro- und 106 Gegenstimmen. (DN, auf portugiesisch)

LGBT-Aktivisten waren erleichtert. Sie hatten jahrelang für ein solches Gesetz gekämpft. Die Abgeordneten hätten "Respekt und gesunden Menschenverstand" bewiesen, sagte Katrin Hugendubel von der LGBT-Organisation ILGA-Europe. 

Portugal schreibt heute wirklich Geschichte!
Katrin Hugendubel, ILGA-Europe

Was genau ändert das Gesetz?

Bislang mussten sich Transmenschen zuerst von einem Arzt als "geschlechteridentitätsgestört" diagnostizieren lassen, bevor der Prozess der rechtlichen oder physischen Geschlechtsänderung überhaupt beginnen konnte. Sie galten also faktisch als psychisch krank.

Das neue Gesetz vertraut stattdessen darauf, dass jeder Mensch selbst am besten wisse, welchem Geschlecht sich die Person zugehörig fühlt.

Auch für Intersex-Menschen gibt es eine wichtige Änderung: Kinder, die mit Geschlechtsmerkmalen beider Geschlechter auf die Welt kommen, dürfen nicht mehr einer – wie es im Gesetz heißt – "unnötigen Operation" unterzogen werden. 

Bisland konnten Ärzte solche Eingriffe mit der Erklärung durchführen, ein eindeutiges Geschlecht sei für das Leben des Kindes einfacher. Doch die Operationen haben häufig schwere Konsequenzen – von psychischen Krankheiten bis hin zu gesundheitlichen Problemen.

Das neue Gesetz soll dies verhindern. Doch es wird von Aktivisten auch kritisiert: Zwar sei es ein wichtiger Schritt, doch Eltern könnten das Gesetz noch immer umgehen, indem sie gegenüber einem Arzt versicherten, sie seien sich absolut sicher, welches Geschlecht ihr Kind habe. (Reuters)

Wo gibt es solche Gesetze schon?

Die sogenannte "selbst-ID", also die eigene Festlegung des Geschlechts gibt es bereits in:

  • Malta,
  • Norwegen,
  • Dänemark,
  • Belgien
  • und Irland.

Die Operationen an Intersex-Kindern waren bisher weltweit nur in Malta verboten. Portugal ist nun also das zweite Land, das diese Eingriffe verbietet.

Und was ist mit Deutschland?

Aktivisten fordern auch hier seit vielen Jahren entsprechende Gesetze, um die Rechte von Trans- und Intersex-Personen zu stärken.

Im Herbst hat das Bundesverfassungsgericht zumindest schon mal die Existenz eines dritten Geschlechts anerkannt:

Wann genau aus dieser Entscheidung ein Gesetz wird, ist noch nicht klar. Ein Entwurf dafür wird aber gerade erarbeitet. Auch ein Operationsverbot bei intersexuellen Kindern wurde bereits in Verhandlungen zur Großen Koalition diskutiert. (Buzzfeed)


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