Bild: Blizzard
Und sie haben die beste Figur des Spiels gewählt.

Overwatch gehört zu den meistgespielten und erfolgreichsten Online-Spielen unserer Zeit. Etwa 40 Millionen Menschen spielen das Ballerspiel, das, wenn man es genau nimmt, wenig bis keine Handlung besitzt. Damit Fans sich trotzdem mit den Helden identifizieren können, bringt Blizzard, die Firma hinter dem Game, regelmäßig aufwendig animierte Videos und Kurzgeschichten zur Vergangenheit der tapferen Recken raus. 

Und in genau einer solchen Kurzgeschichten eröffnete Blizzard nun, dass Soldier 76 – der weißeste Cis-Actionheld-Archetyp, den man sich vorstellen kann – schwul ist. 

In der Kurzgeschichte "Bastet", die eigentlich von der ägyptischen Scharfschützin Ana handelt, kommen sie und Soldier 76 ins Gespräch über die Vergangenheit und den gemeinsamen Freund Vincent. Mit ihm hatte der markige Actionheld Soldier 76, der eigentlich Jack heißt, offenbar erst ein Verhältnis – um dann aber die Beziehung dem Job als Weltenretter zu opfern. 

Der kurze und etwas holprig geschriebene Einschub liest sich so:  

"Er hat geheiratet. Sie sind sehr glücklich. Ich freue mich für ihn." Ana war nicht überzeugt. Früher hatte Jack oft von ihm gesprochen. Er hatte den Traum gehabt, dass der Krieg schnell beendet werden würde und er vielleicht zu einem normalen Leben zurückkehren könnte. Aber ein normales Leben war Leuten wie uns nie vergönnt. "Vincent hatte ein besseres Leben verdient als das, was ich ihm hätte geben können."

Soldier 76 und Ana schauen sich ein altes Bild von Jack und Vincent an.

(Bild: Blizzard)

Zu den Protagonisten von Overwatch gehören unter anderem ein deutscher Ritter mit raketenbetriebenem Hammer, ein sprechender Gorilla mit Doktorgrad und eine auf Engelsflügeln schwebende, schweizerische Sanitäterin. Man sollte glauben, dass bei so einer bunten Truppe ein schwuler, weißer Mann nicht für Aufsehen sorgt, einige Fans sehen das allerdings anders. "Die J.K. Rowling der Spielefirmen" nennen Fans Blizzard nun. (Gamerevolution)

Der Vorwurf: Nichts deutete bisher auf Soldier 76' Homosexualität hin. Sie nun einfach nur zu behaupten, mache es nicht realistisch oder glaubwürdig. Es sei einfach "queerbaiting", eine Marketingtaktik, um die LGBTQ-Community zu locken. So, wie Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling es in ihren Romanen mit Albus Dumbledore gemacht habe. Erst nach Abschluss der Reihe offenbarte Rowling die Info über den beliebten Charakter – ohne dass in den Büchern etwas wirklich darauf hingewiesen hätte. (SPIEGEL ONLINE)

Worum geht es in Overwatch?

Overwatch ist ein Team-Shooter den meist online fünf gegen fünf spielen. Ein Team versucht, für eine gewisse Zeit ein Gebiet zu verteidigen oder einen Konvoi zu schützen, während das andere Team alles daran setzt, das zu verhindern. Die 28 Spielfiguren haben dabei eine Art hyperkomplexes Stein-Schere-Papier-Prinzip, das viel Taktik erfordert. Einzelgänger haben in Overwatch meist keine Chance, man wird gezwungen, im Team zu agieren und aufeinander aufzupassen.

Den losen Rahmen bietet eine Geschichte von Roboterkriegen, einer kriminellen Organisation und einer Riege von "Overwatch" genannten Helden, die sich den Bösewichten in den Weg stellen. 

Wie jede Online-Gaming-Community hat auch Overwatch mit Sexismus, Rassismus und Homophobie zu kämpfen. Manche Spielerinnen und Spieler spülen jetzt einfach ihren Hass ins Netz und drohen, dem Spiel fernzubleiben: 

Ein Großteil der Fans feiert Blizzard allerdings für die Entscheidung, gerade weil die Fraktion der Engstirnigen sich nun darüber aufregt. Denn die Enthüllung bricht mit vielen Vorurteilen, die Menschen immer noch über homosexuelle Männer haben. Soldier 76 ist so etwas wie die Mischung aus Clint Eastwood und Bruce Willis, mit tiefer Reibeisenstimme, dicker Knarre und markigen Einzeilern wie "I love the smell of pulse munitions in the morning".

Hier sieht man Soldier 76 in Action: 

Bisher war Soldier 76 also die perfekte Wahl für alle unsicheren Spieler, denen es peinlich wäre, eine Frau zu spielen. Gerade diese werden nun von Blizzard vorgeführt:

Und ja, Soldier 76 bricht wirklich mit allen Vorurteilen. Müssen Schwule immer stilbewusst sein? 

Michael Chu, Chef-Autor bei Overwatch, freut sich auf Twitter über das viele positive Feedback und beantwortet auch die Frage, ob Jack nicht zumindest bi sein könnte:

Soldier 76 ist übrigens nicht der einzige homosexuelle Charakter in Overwatch. Schon 2016 outete Blizzard seine Heldin Tracer – eine zierliche Britin mit Teleportationsfähigkeit – und zeigte sie beim gemeinsamen Tannenbaumschmücken mit ihrer Freundin Emily. Zwei LGBT-Charaktere bei 28 spielbaren Charakteren bedeutet: 7,14% der Helden sind queer. In Deutschland liegt der Anteil der queeren Menschen laut Studien bei 7,4%. (jetzt)

Keine spielbaren LGBT-Charaktere zu haben wäre also vor allem eines: unrealistisch. 

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Trip

Der Bahn-Verspätungsschal wird auf Ebay versteigert – die Gebote sind schon vierstellig

Eine Münchnerin hat am Sonntag ein Bild auf Twitter gepostet, das einen Schal zeigt, den ihre Mutter gestrickt hat. Dieser zeigt an, wie viel Verspätung die Züge haben, mit denen sie jeden Tag zur Arbeit pendelt. Eine witzige Idee, die im Netz gefeiert wurde (bento). Jetzt wird dieser Schal auf Ebay versteigert – und die Gebote sind schon vierstellig.

Was ist das für ein "Verspätungs-Schal"?

Für diejenigen, die die Story verpasst haben: Vor ein paar Tagen postete Sara Weber ein Bild von einem Schal. Diesen hatte Saras Mutter gestrickt, die täglich aus dem Münchner Umland in die Stadt pendelt. Eine Fahrt dauert pro Strecke etwa 40 Minuten, laut Sara. Schon ein weiter Weg – umso ärgerlicher, wenn die Bahn dann auch noch Verspätung hat und die Fahrt dadurch noch länger wird.

Saras Mutter machte ein Experiment und strickte 2018 für jeden Arbeitstag zwei Reihen ihres Schals in wechselnden Farben: 

  • grau, wenn die Züge pünktlich oder maximal fünf Minuten verspätet kamen, 
  • rosa bei fünf bis 30 Minuten Verspätung, 
  • rot bei Verspätung auf beiden Fahrten oder auf einer Strecke mehr als 30 Minuten. 

So sieht das Ergebnis aus: