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Es gibt Kritik.

Dante "Tex" Gill betrieb in den siebziger Jahren illegale Massagesalons – ein Codewort für Bordelle – und soll im Umfeld der National Football League (NFL) mit Anabolika gedealt haben. Er war ein Gangsterboss in Pittsburgh, im US-Bundesstaat Pennsylvania. 

Dante "Tex" Gill hießt eigentlich Jean Marie Gill – und wurde als Frau geboren. Man sagt, sie habe sich die Männerkleider angezogen, um sich in der männerdominierten Kriminellen-Welt durchzusetzen. Und weil es ihrer Transgender-Identität entsprochen habe. (filmstarts.de)

Gills Geschichte soll jetzt verfilmt werden. Regie führen wird Rupert Sanders, den Transmann Gill soll Scarlett Johansson spielen.

Moment. Was?

Das denken sich viele, die auf Social Media gerade gegen diese Rollenbesetzung protestieren. Viele von ihnen sind selbst Transgender und sind verärgert über die Tatsache, dass eine Cis-Frau einen Transmann spielen soll.

In unserer Facebook-Gruppe "Queer in Deutschland" sind mehr als 1200 junge Menschen, die sich für LGBTQ+-Themen interessieren. Wir haben sie gefragt, was sie von Scarlett Johansson in der Rolle von Dante halten.

Das sind ihre Antworten:

"Für Cis-Personen sind diese Rollen nur eine Chance, eine neue Erfahrung oder Herausforderung. Die eigentlichen Probleme von Transpersonen werden nicht sichtbar. Die Rolle könnte genau so gut ein Transschauspieler spielen."
"Oft benutzen Regisseur*innen berühmte Namen, um den Film erfolgreich zu machen. Ich persönliche denke, dass es genug Transmänner, die man eher auswählen könnte als Scarlett Johansson. (Auch, wenn ich sie liebe!)"
"Transpersonen sollen von Transpersonen gespielt werden, da Transschauspieler*innen kaum Rollen bekommen. Zudem, wie können Cis-Schauspieler*innen das richtig darstellen, wenn sie überhaupt nicht die Ausgrenzung, Dysphorie und Ängste kennen?
"Für mich sind Schauspieler*innen dazu da, ANDERE Leute zu spielen. Ob Scarlett oder ein Transmann einen Transmann spielt, ist mir tatsächlich so hoch wie breit. Was zählt, ist die schauspielerische Leistung."
"Es gibt einfach kaum gute Trans-Schauspieler, die meisten sind Cis. Es gab in der ganzen Geschichte nur eine, die es in Hollywood geschafft hat, und das war Caroline Cossey als Bondgirl...
...Bei Lily Elbe in Danish Girl gab es dasselbe Problem, aber Eddie Redmayne ist einfach ein begnadeter Schauspieler."
"Ich glaube nicht, daß es keine guten Trans-Schauspieler gibt. Um in größeren Produktionen mitspielen zu können, braucht es Bekanntheit, kein Können...
... Schauspieler sind, wie auch Musiker, eine Ware (das musste ich leider schmerzlich selbst feststellen). Marketing und Agenten sind wesentlich wichtiger als die eigentliche Handwerkskunst."
"Ich behaupte, daß ein Transmann die Rolle besser spielen könnte als jede Cis-Frau. Weil: Kenntnis von beiden Seiten der sozial auferlegten Rollen als Frau und Mann."
"Das größte Problem ist meiner Meinung nach, dass es den "[Geschlecht x] verkleidet sich als [Geschlecht y]"-Transmythos unterstützt."
"Ich hab mir da vor einiger Zeit selber Gedanken drüber gemacht und fände es an sich auch besser, wenn Transgender-Rollen auch an Transgender-Menschen gegeben werden...
... Ich wäre aber persönlich nicht bereit, mich wieder als weiblich darzustellen, um den Weg zu verdeutlichen. Es gibt bestimmt Menschen, die dazu bereit wären, aber die Frage ist, wie viele, und sind die dann auch gute Schauspieler?"
"Ich finde es gut, dass die Geschichte von Dante erzählt wird! Aber die Besetzung muss dann auch passen."
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Es ist nicht das erste Mal, dass Scarlett Johansson in einer Rollenbesetzung kritisiert wird. Für die Hauptrolle im Film "Ghost in the Shell" – bei dem ebenfalls Rupert Sanders Regie führt – wurde darüber diskutiert, ob eine japanischer Film, der in Japan angesiedelt ist, nicht auch eine Japanerin in der Hauptrolle haben sollte. "Whitewashing" nennt sich das Konzept, wenn sämtliche Rollen mit weißen Schauspielern besetzt werden. 

Auf Twitter teilten diese Meinung nicht alle: Viele argumentierten, dass Scarlett Johansson lediglich ihren Job mache, wenn sie eine Rolle spiele, selbst wenn es die eines Transmannes ist. 


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Melissa McCarthy eskaliert noch mal richtig – 5 Gründe, jetzt "How to Party with Mom" zu gucken

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Der Selbstfindungstrip

Wenn sich eine Alltagsfrau plötzlich in einer ungewöhnlich schrägen Situation wiederfindet, dann weiß man, das kann nur ein Melissa McCarthy-Film sein:

Hausfrau Deanna (Melissa McCarthy) hat ihr ganzes Leben der Familie gewidmet und erhält dafür die Quittung. Nachdem sie ihre Tochter Maddie (Molly Gordon) am College absetzt, verkündet ihr Mann Dan (Matt Walsh) im Auto direkt, dass er die Scheidung will und sie mit Maklerin Marcia (Julie Bowen) betrogen hat. Außerdem will er das Haus verkaufen und weil es unter seinem Namen läuft, bekommt Deanna nichts ab. Für Deanna, die ihr Studium im letzten Jahr abbrach, um sich um die kleine Maddie zu kümmern, bricht eine Welt zusammen und erst ist sie vollkommen ratlos. Wie geht ihr Leben weiter?