Bild: Reuters/Rick Wilking
Wird man mit einer dominanten Mutter schwul? Wie verläuft eine Geschlechtsangleichung? In "How to Be Gay" erklärt der Brite James Dawson die kleinen und großen Fragen zu Queer-Themen.

James Dawson, Mitte 30, lebt in Brighton. Dawson studierte klinische Psychologie und arbeitete sieben Jahre als Lehrer. Seit vielen Jahren ist er erfolgreicher Jugendbuchautor. Nach Erscheinen des Buches "How to Be Gay" hatte Dawson im Oktober sein Coming Out als Transgender, noch benutzt er männliche Pronomen.

Herr Dawson, warum dieses Buch?

Mein Leben als Teenager wäre viel besser gewesen, wenn ich so etwas gehabt hätte. Ich wollte das Buch zuerst gar nicht schreiben, weil ich mich nicht in der Position sehe, anderen Leuten Ratschläge zu geben. LGBT-Menschen sind ja nicht alle gleich! Aber dann kam mir die Idee, dass ich Leute aus der LGBT-Community für das Buch interviewen könnte, sodass wir alle unseren Rat weitergeben.

Sie haben selbst jahrelang an Schulen Aufklärungsunterricht gegeben. Welche Frage hören Sie am häufigsten?

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Coming Out? Und: Wie werden es meine Eltern aufnehmen?

Was antworten Sie?

Das kann ich nicht pauschal beantworten, weil jeder Mensch anders ist. Seit ich in den Neunzigern mein Coming Out hatte, hat sich zwar sehr viel verändert. Aber für 13-Jährige ist das immer noch ziemlich angsteinflößend.

Generell erkläre ich dann: Gib deinen Eltern und Freunden Zeit. Du kannst nicht erwarten, so eine Bombe platzen zu lassen und dann davon ausgehen, dass am nächsten Tag alles wie immer ist. Du hast vielleicht mehrere Jahre gebraucht, um dir über deine sexuelle Identität im Klaren zu sein. Gib deinen Eltern mehr als ein paar Stunden.

(Bild: Spike Gerrell/S. Fischer Verlag)

Sie schreiben, das Leben besteht für die LGBT-Community nicht nur aus "Kylie und Kanapees". Wie meinen Sie das?

Viele Teenager haben Angst, dass sie plötzlich auf der Straße stehen, weil ihre Eltern sie nach einem Coming Out nicht mehr akzeptieren und rausschmeißen. Man sollte diese Macht der Ablehnung nicht unterschätzen. Es gibt immer noch Homophobie, ein Stigma. Es gibt immer noch Leute, die nicht verstehen, was LGBT heißt, und sie wollen es auch nicht.

Was glauben Sie ist der Grund dafür?

Schlechte Bildung. In meiner Schule bestand Sexualkunde daraus, dass wir Bananen Kondome überzogen und solche Sachen. Das war vor allem nützlich, wenn man Sex mit einer Banane haben wollte. Schüler denken in diesem Alter viel über Sex und Beziehungen nach, haben oft aber nur eine Vorstellung von all dem. Als ich Lehrer in Großbritannien war, gab es einige Schulen, die wirkliche gute Aufklärungsarbeit geleistet haben. Aber die meisten tun das nicht. Das hat zum einen zur Folge, dass das Tabu nicht aufgebrochen wird. Zum anderen werden LGBT-Leute nicht aufgeklärt, was es bedeutet, ein gesundes und glückliches Sexleben zu führen.

Was antworten Sie Müttern und Vätern, die beim Elternabend die völlig abwegige Sorge äußern, ihr Kind könne durch LGBT-Themen im Aufklärungsunterricht Schaden nehmen?

Es wäre unverantwortlich, jungen Menschen diese Informationen nicht zu geben. Junge LGBT-Menschen sind viel anfälliger für Suizidgedanken, Gewalt gegen sich selbst, mentale Probleme, Gesundheitsprobleme. Deswegen: Ihre Angst vor Aufklärung führt dazu, dass verletzliche Menschen verletzlich bleiben. Wenn man ehrlich um junge Menschen besorgt ist, dann muss man sie aufklären. LGBT ist ja keine Entscheidung, die man einfach so trifft. Man ist es einfach.

(Bild: Spike Gerrell/S. Fischer Verlag)

Bescheuerte Vorurteile nehmen Sie ironisch auseinander, Sie erklären haarklein gleichgeschlechtlichen Sex und erläutern, was die verschiedenen Religionen zum Thema Sexualität sagen. Das finden viele mutig.

Ich finde es eine Schande, dass ich als mutig gelobt werde, weil ich ein Buch über Sexualität und Gender schreibe. Es sollte viel normaler sein. Das ist auch die wichtigste Botschaft des Buches: Du bist total normal. Du bist ein Teil dieser Welt. Aber sobald man über Sex oder Sexualität redet, bekommt man das Label "mutig" aufgedrückt. Sexualität ist ein Teil des Lebens, und wir müssen einen entspannten Weg finden, darüber zu sprechen.

Helfen da Vorbilder wie Caitlyn Jenner?

Wir brauchen so viele LGBT-Idole in der Öffentlichkeit wie möglich, mit so vielen verschiedenen Hintergründen wie möglich. Deswegen denke ich schon, dass es helfen wird - auch wenn natürlich klar ist, dass nicht jeder Trans-Mensch dieselbe Erfahrung machen wird wie sie.