Bild: Imago/Westend61

Für viele schwule Männer ist Israel wie ein sicherer Hafen. Umgeben von Staaten, in denen homosexuelle und queere Menschen diskriminiert und verfolgt werden, gehört Israel zu den liberalsten und vielfältigsten Ländern weltweit. Jährlich tanzen Zehntausende bei der Tel Aviv Pride. 

Doch beim Thema Blutspenden wurden Schwule bislang auch in Israel diskriminiert. Spenden durfte nur, wer angab, mindestens ein Jahr lang keinen Sex gehabt zu haben. Doch mit dieser Regelung soll bald Schluss sein. In Zukunft dürfen in Israel auch schwule und bisexuelle Männer ihr Blut für andere spenden – und zwar ohne 12-monatige Sexpause.

Die Initiative macht Israel ​​​zu einem der fortschrittlichsten Länder auf diesem Gebiet.
Chen Ariely von der israelischen LGBT-Taskforce

"Die Ablehnung von Blutspenden und die ständige Aufforderung zum Lügen waren eine Beleidigung", sagt Chen Ariely von der israelischen LGBT Taskforce. Er und seine Gruppe haben gemeinsam mit Tausenden Unterstützern für die Neuregelung gekämpft. Jetzt sagt Ariely: "Die Initiative macht Israel zu einem der fortschrittlichsten Länder auf diesem Gebiet und wir freuen uns über diesen wichtigen Schritt in Richtung Gleichberechtigung."

So funktioniert das neue Konzept

Bislang begründeten die meisten Länder das Blutspendeverbot für homosexuelle Männer damit, dass diese zu einer Hochrisiko-Gruppe für die Übertragung von HIV gehörten. Das 12-monatige Sexverbot sollte deshalb dafür sorgen, dass eine Infektion möglichst sicher ausgeschlossen werden kann. Auch in Deutschland gilt seit letztem Jahr diese Regelung (Spiegel Online). Doch Vertreter der LGBT-Community halten das Konzept für diskriminierend – und völlig unrealistisch.

In Israel haben Aktivisten zusammen mit der Schwesterorganisation des Roten Kreuzes Magen David Adom deshalb ein neues Konzept entwickelt, das HIV-Übertragungen verhindern soll – ohne Menschen zum Lügen oder zur Abstinenz zu zwingen. Künftig wird bei Schwulen, die HIV-getestet und weiterhin sexuell aktiv sind, das gespendete Blut für vier Monate eingefroren. Bei der nächsten Spende erfolgt dann ein zweiter HIV-Test. Ist dieser ebenfalls negativ, wird das Blut freigegeben.

Wann dürfen Schwule in Deutschland Blut spenden?

Mit dem neuen Konzept gehört Israel beim Thema Blutspenden weltweit zu den Vorreitern. Mit den Tests sorgen die Blutspendezentren außerdem dafür, die Gesundheit von schwulen Männern zu verbessern. Auch die gemeinsame Entwicklung mit LGBT-Gruppen ist bislang noch eine Besonderheit. In Deutschland scheint ein solcher Schritt noch in weiter Ferne. 

Doch auch, wenn die Gleichberechtigung homosexueller Menschen bei der Blutspende in Deutschland noch weit entfernt scheint: In Zukunft gibt es auch in Deutschland ein Argument weniger, Schwule zu diskriminieren. Israel hat gezeigt, dass es offensichtlich geht.

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