Out im Job: Folge 1

"Ein Coming-out im Fußball ist definitiv ein Karriererisiko", sagt Nico Schulte. Als Jugendlicher hatte er noch den Traum, Profifußballer zu werden. Mit 17 spielte er als Torhüter in der U19-Bundesliga. 

Er führte ein Doppelleben, denn Nico ist schwul

Niemand sollte davon erfahren. Nico hatte Fake-Freundinnen, die ihn vom Training abholten. Auf dem Platz wollte er besonders männlich wirken, schrie seine Mitspieler an oder ging besonders hart in Zweikämpfe. 

Bis sein Kartenhaus mit einer kleinen Unvorsichtigkeit zusammenstürzte – und alles aufflog

Heute trainiert der 23-Jährige 13- bis 14-Jährige in der Verbandsliga beim Bonner SC. Mit seiner Homosexualität geht er offener um. Blöde Sprüche vom Spielfeldrand gibt es zwar so gut wie jede Woche. Bei seinen Spielern stößt er aber mit seiner lockeren Art auf Akzeptanz.  

Im Video oben siehst du, wie Nico sein Coming-out im Fußball erlebt hat.


Streaming

Youtuber MontanaBlack stürmt alle Bestsellerlisten: Ich habe sein umstrittenes Buch gelesen
Es zeigt, was passiert, wenn Youtuber mit Klicks von Kids reich – und dann feige werden

Marcel Eris könnte mit seiner Geschichte ein Vorbild sein. Er hat alles, was ein moderner Held braucht: Eine harte Vergangenheit, aus der er sich herausgekämpft hat und einen kometenhaften Aufstieg – bei dem er zum erfolgreichsten Livestreamer Deutschlands wurde.

Über drei Millionen Follower auf Youtube (1,9 Mio.) und auf der Streaming-Plattform Twitch (1,5 Mio) folgen MontanaBlack.

Nun hat er ein Buch über sein Leben geschrieben. Schon vor der Veröffentlichung war es auf Platz eins der Amazon Bestseller Liste, in vielen Buchläden ist es vergriffen. Eine Autogrammstunde in Lübeck besuchten über 3000 Fans.

Ich wollte das Phänomen MontanaBlack verstehen – und habe seine Biografie gelesen.

Im letzten Jahr wurden mir seine Videos immer öfter auf YouTube vorgeschlagen – bis ich draufklickte. Mit meinen 23 Jahren passe ich nicht wirklich in seine Zielgruppe. Er ist 31 – seine Fans sind hauptsächlich Jugendliche, zwischen 12 und 18.

Trotzdem war mir MontanaBlack auf den ersten Blick symphatisch.

"Monte", wie ihn die Kids nennen, wirkt, als versuche er durch den YouTube-Job seine Kindheit zu verlängern. Er ist ungezwungen, spricht Jugendsprache. "Digger" in jedem zweiten Satz. Wen er gut findet, der ist ein "Ehrenbruder". Was er gut findet ist "aktiv", was er nicht gut findet ist "passiv". Das "Monte"-Vokabular ist ein Erkennungszeichen unter seinen Fans.

"Monte" geriet schon oft hart in die Kritik. Auf Twitter und in Streams äußert er sich frauenfeindlich und aggressiv. Er nannte eine Twitter-Userin "Dämliches Weib" (Twitter) und beleidigte sie danach weiter ("Zu Hause bist du die, die ihre Beine breit macht"). Einen Fan, der vor seiner Tür auftauchte (MontanaBlack hat seine Postleitzahl im Gesicht tätowiert) nannte er einen "Hurensohn". (YouTube)

Für MontanaBlack sind das Witze. Seine Anhängerschaft stand ihm immer loyal und treu zur Seite und verteidigt ihn in Kommentaren oder Forum-Beiträgen blind.

MontanaBlack ist nicht nur Gamer.

Die Videos, die mich trotz alldem zeitweise zum "Monte"-Zuschauer gemacht haben, sind Teil seiner Serie "Vom Junkie zum Youtuber" von 2014 (Youtube). MontanaBlack ist damals bereits bekannt. In der Serie spricht er offen über seinen Drogenmissbrauch und den Kampf gegen die Sucht. Parallel dazu flackert ein Ego-Shooter-Gameplay über den Bildschirm – trotzdem hat mich die Geschichte gefesselt.

Ich will wissen: Wer ist Marcel Eris? Ein Gamer, der sein Herz auf der Zunge trägt, oder ein berechnender Typ, der durch Klicks von Kindern reich geworden ist – und sich jetzt vor der Verantwortung drücken möchte?

Also habe ich sein Buch gelesen: "Vom Junkie zum Youtuber".

Ich kaufte mir das 267 Seiten lange Werk in einem großen Hamburger Buchladen. "Das ist doch der Typ aus Buxtehude, oder?", fragte mich die Kassiererin. "Wir haben überlegt hier eine Autogrammstunde zu machen. Aber das lassen wir lieber. Es wären bestimmt um die 7.000 Leute gekommen."

Der erste Teil des Buchs ist spannend: Es geht um Eris als Menschen.