Bild: Priscilla Du Preez/Unsplash
Er ist nicht der Erste.

Am Ende haben seine Gegner gewonnen: Seit Anfang Mai ist Jens Ullrich nicht mehr Jugendwart für die evangelische Kirche in Sachsen. Wie die "Freie Presse" berichtete, beendete der 54-Jährige sein Arbeitsverhältnis, um mit seinem Partner an einen anderen Ort ziehen zu können. Zuvor hatten ihm christliche Gemeinden im Erzgebirge jahrelang das Leben schwergemacht. 

Anfeindungen nach Verpartnerung mit einem Mann

Die Probleme für den Kirchenmitarbeiter begannen, als er sich im Herbst 2015 mit einem Mann verpartnerte. Daraufhin verbot ihm die St.-Nicolai-Gemeinde in Auen den Umgang mit Jugendlichen, weitere Gemeinden in der Region folgten. Zudem musste sich Ullrich in der sächsischen Provinz immer wieder rassistische Anfeindungen anhören, weil sein Partner aus Venezuela stammt. (Queer)

Auch Predigten wurden dem Jugendwart untersagt, damit erhielt Ullrich in mehreren Gemeinden praktisch ein Arbeitsverbot. Die evangelische Landeskirche reagierte auf die Diskriminierung lange Zeit nur halbherzig. 

Sachsens Landesbischof gilt selbst als homophob

Ein Grund dafür dürfte sein, dass Sachsen in der evangelischen Kirche bundesweit als konservative Hochburg gilt. Landesbischof Rentzing äußerte sich selbst immer wieder homophob. Schwulen und Lesben warf er in der Vergangenheit auch vor "gegen den Willen Gottes" zu verstoßen. Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren gibt es bis heute nur im Einzelfall.

Für nicht-heterosexuelle Christen heißt das oft, dass sie sich entscheiden müssen, ihre sexuelle Identität zu verstecken – oder den Freistaat zu verlassen. Schon vor Ullrich verließen mehrere homosexuelle Kirchenmitarbeiter Sachsen, um der Diskriminierung zu entkommen, wie die christliche Wochenzeitung "Der Sonntag" betont:

  • Das schwule Pfarrer-Ehepaar Ciprian Mátéfy und Stephan Rost ging nach Schleswig-Holstein.
  • Die lesbische Pfarrerin Katrin Jell zog mit ihrer Partnerin nach Mecklenburg-Vorpommern.
  • Die lesbische Vikarin Jennifer Scherf wechselte nach Sachsen-Anhalt.

Junge Christen wollen diskutieren

In Sachsen wollen vor allem junge, liberalere Christen jetzt weiterdiskutieren. Bei Ullrichs Verabschiedung als Jugendwart verteilte die evangelische Jugend Einladungen für eine Diskussionsrunde zum Thema in Dresden. Für Ullrich selbst kommen diese Zeichen aber zu spät.


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