Bild: KjG Rottenburg-Stuttgart
Gibt es jetzt Ärger?

Katholisch und LGBT – das sind zwei Dinge, die für viele kaum zusammenpassen. Doch auch in der Kirche engagieren sich Menschen, die etwa schwul oder lesbisch sind und anders denken als die konservative Kirchenleitung. Beim Christopher Street Day in Stuttgart am Wochenende nahm in diesem Jahr zum ersten Mal eine Gruppe der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) teil. Auf ihren Plakaten zeigte sie Zitate von Papst Franziskus und Sprüche wie "Jesus hatte auch zwei Väter".

Am Ende erhielten die jungen Katholiken sogar einen Preis. Die Auszeichnung wird nach Angaben des CSD jedes Jahr an drei Gruppen verliehen, "die bei ihrer Teilnahme an der Demonstration für Vielfalt, Akzeptanz und Gleichberechtigung besonders herausragende Leistungen zeigen". 

Doch wie kommen solche Auszeichnungen in der Kirche an? Und wie wurden die Christen bei der Pride-Parade empfangen? Das haben wir Miriam Lay gefragt. Sie ist Leiterin der KjG in der Region Rottenburg-Stuttgart.

Frau Lay, Sie waren vor wenigen Tagen mit einer KjG-Gruppe auf dem CSD in Stuttgart und wurden ausgezeichnet. Welche Rückmeldungen haben Sie bekommen?

Das Feedback war ganz unterschiedlich. Viele haben sich mit uns gefreut und uns unterstützt. Sowohl in der KjG als auch von außen. Da es eine demokratische Entscheidung war, auf dem CSD präsent zu sein, waren unsere Mitglieder voll begeistert.

Aber es gab auch kritisches Feedback, vor allem auf Facebook. In der Queer-Community kamen kontroverse Diskussionen auf, in denen die katholische Kirche kritisiert wurde. Auch von anderen Kirchenmitgliedern kamen sehr unterschiedliche Rückmeldungen. 

Einige sprachen uns das Katholisch-Sein ab, weil wir mit unserer Teilnahme am CSD der traditionellen Haltung der Kirche widersprochen haben.
Die KjG-Mitglieder beim CSD(Bild: KjG Rottenburg-Stuttgart)

Was ist eigentlich schwieriger: Auf dem CSD um Verständnis für die Kirche werben oder in der Kirche für den CSD?

Wir sind alle gläubige Christen und gerne in der Kirche. Deshalb war es für uns nicht so schwer, das auch auf dem CSD nach außen zu tragen. Umgekehrt ist es oft schwieriger.

Man muss gegen Wände klopfen, die sehr stabil sind.

Aber wir wollen ja in einen Dialog treten, deshalb freut es mich auch, wenn wir kritisch, aber offen miteinander diskutieren. Unser tiefer Glaube ist das Vertrauen in Gottes Liebe, die keine Grenzen kennt. Deshalb will die KjG, dass die Kirche sich allen Menschen gegenüber öffnet und alle gleich behandelt. Dazu gehört, ihre Lebensrealität nicht nur wahrzunehmen, sondern ernstzunehmen. Wenn zwei Menschen sich lieben, gibt es keinen Unterschied, ob sie hetero- oder homosexuell sind.

Was bedeutet der CSD für Sie?

Mir gefällt, dass es ein großes Fest ist, bei dem alle sich wohl gesonnen sind und man viel Rückhalt erfährt. Alle können sich beim CSD so zeigen, wie sie sind. Trotzdem ist es auch eine klar politische Sache, bei der Haltung gezeigt wird. 

Auch in der katholischen Kirche gibt es Menschen, die lesbisch, schwul, bi- oder transsexuell sind. In der Vergangenheit haben diese Menschen Leid erfahren. Deshalb wollten wir zeigen, dass für alle Platz bei uns ist. 

Auf einem der Plakate stand "Jesus hatte auch zwei Väter" – gab es dafür Ärger?

Von offizieller Seite nicht. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, unsere Haltung ironisch zum Ausdruck zu bringen. Das hat sicherlich nicht allen gefallen. 


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