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"Für mich als Transmann hat die Bundeswehr auch Vorteile."

Die Bundeswehr hat derzeit etwa 173.000 Soldatinnen und Soldaten. Wie viele davon schwul, lesbisch, bisexuell, trans* oder queer sind, weiß niemand sicher. Aus gutem Grund: Niemand muss dem Arbeitgeber erklären, wie er oder sie liebt und lebt. Und gerade in der Bundeswehr ist das Thema sensibel: Jahrzehntelang wurden schwule und transsexuelle Soldaten als vermeintliches "Sicherheitsrisiko" in der Armee gemobbt.

Doch inzwischen bemüht sich auch die Bundeswehr um Vielfalt: Das Verteidigungsministerium wird von einer Frau geführt, Kasernen im ganzen Land haben Gleichstellungbeauftragte bekommen und auf Karriere-Messen wirbt die Bundeswehr mit ihrer Diversity-Strategie um neues Personal. 

Im aktuellen Wehrbericht heißt es nach seitenlangen Berichten über kaputte Schiffe und löchrige Wäsche, ausgerechnet beim Thema Vielfalt sei die Bundeswehr inzwischen "außerordentlich fortschrittlich"

Doch wie bunt ist die tarngrüne Welt der Bundeswehr wirklich? Und wie erleben queere Menschen den Alltag in der Truppe?

Einer derjenigen, die das aus eigener Erfahrung beantworten können, ist Arthur. Der 26-Jährige Soldat studiert an der Bundeswehr-Universität in München, um Offizier bei der Luftwaffe zu werden. Arthur ist Transmann. Das heißt: Arthur lebt heute als Mann, wurde nach seiner Geburt aber als Mädchen großgezogen. Obwohl es rein statistisch hunderte Soldatinnen und Soldaten wie ihn geben müsste, kennt Arthur bis heute nur nur wenige transsexuelle Kameradinnen und Kameraden in seinem Alter.

Wir haben mit Arthur über seine Erfahrungen bei der Bundeswehr gesprochen und ihn gefragt, wie Gehorsam und Vielfalt für ihn eigentlich zusammenpassen.

Arthur, du lebst seit drei Jahren offen transsexuell. War es für dich schwer, deine Identität als Transmann bekannt zu machen?

Das war nicht leicht. Ich war nach der Grundausbildung gerade in meiner Stammeinheit angekommen. 

„Meine größte Angst war, dass ich die Bundeswehr wieder verlassen muss.“

Ich habe dann irgendwann meinen ganzen Mut zusammengenommen und abends eine Kameradin in meinem Zimmer angesprochen, die in unserem Sanitätsbereich arbeitete. Wir saßen auf dem Bett, mein Herz hat wie verrückt gerast und es war irrsinnig schwer, diesen einfachen Satz auszusprechen: "Ich habe das Gefühl, ich bin im falschen Körper geboren." Sie war zum Glück sehr verständnisvoll, hat mich unterstützt und für mich herausgefunden, was mit transsexuellen Soldaten passiert. 

Wann hast du dich dann geoutet?

Als sie mir sagte, dass es dafür Vorschriften gibt und ich nicht rausfliege. Das war einfach ein unglaublich gutes Gefühl. Ich bin dann zum Arzt und hab es dann Stück für Stück meinen Vorgesetzten und den Kameradinnen und Kameraden in meiner Einheit erzählt.

Wie waren die Reaktionen?

Viel angenehmer als ich erwartet hätte. Die Kameradinnen und Kameraden haben mich sehr schnell als Arthur akzeptiert. Nur ein Vorgesetzter hatte offenbar Angst, dass er gegen Vorschriften verstößt und fragte mich, wie er mich denn anreden soll, wenn ich offiziell noch einen weiblichen Namen habe. Aber das war kein wirkliches Problem. Bei der Bundeswehr redet man sich ja meist mit Nachnamen an.

„Wäre ich als Mann zur Bundeswehr gekommen und hätte dann gemerkt, dass ich eigentlich eine Frau bin, wäre es vermutlich schwieriger gewesen.“

Ist es wirklich so einfach?

Ich glaube, für Transmänner ist das ein bisschen leichter. Wenn man Soldaten sagt, dass man einer von ihnen sein will, hat fast jeder Verständnis. Wäre ich als Mann zur Bundeswehr gekommen und hätte dann gemerkt, dass ich eigentlich eine Frau bin, wäre es vermutlich schwieriger gewesen.

Aber in meiner Grundausbildung, als ich noch nicht geoutet war, habe ich natürlich aber auch ganz viele Sprüche gehört über "das schwache Geschlecht" und Frauen, die bei Übungen ihren Rucksack abgeben müssen, weil sie zu schwach seien.

War dir da schon klar, dass du trans bist?

Nein noch gar nicht. Ich war in einer braven, kleinen Beziehung mit meinem Freund. Die meiste Zeit orientierte ich mich einfach an ihm und seinen Zukunftsplänen. Das körperliche Unwohlsein wurde für mich erst so richtig unerträglich, als wir uns trennten und ich mich durch die Distanz zum ersten Mal ganz offen fragen konnte, wer ich eigentlich bin. Da merkte ich, dass etwas nicht stimmt.

Erklärt: Begriffe rund um Transgender

Transmänner wie Arthur sind Menschen, die ursprünglich als Frau kategorisiert wurden, aber als Mann leben und akzeptiert werden möchten. Umgekehrt nennt man Menschen, die als Mann kategorisiert wurden, aber als Frau leben und akzeptiert werden möchten, Transfrauen. Um das Thema verständlich zu machen, verwenden wir die selbstgewählte Bezeichnung von Menschen. Das manchmal angehängte Gendersternchen (z.B. trans*) gibt an, dass sich Menschen weder als Mann noch als Frau einordnen möchten.

In der Ausbildung lebt man besonders eng mit den Kameradinnen und Kameraden zusammen. War das schwierig für dich?

Ich hätte nach meinem Outing auch ein eigenes Zimmer bekommen können, aber für mich war die Kameradschaft eigentlich eher ein Vorteil. Ich musste ja erst einmal herausfinden, wie ich weitermachen möchte und bin im Zimmer mit meinen Kameradinnen geblieben. Sie haben mir dann immer wieder geholfen, wenn ich mich gefragt habe, wo ich duschen kann und ab wann ich eigentlich auf die Männertoilette soll.

Denkst du, deine Kameradinnen waren so verständnisvoll, weil Frauen bei der Bundeswehr selbst eine Minderheit sind?

Das verbindet, klar. Als Frau muss man bei der Bundeswehr das doppelte und dreifache leisten, um Anerkennung zu finden. Man hilft sich vermutlich auch mal öfter, weil man weiß, wie es sich anfühlt, wenn man beim Sporttest an seine Grenzen kommt.

„Für mich als Transmann hat die Bundeswehr auch Vorteile.“

Wenn es um Vielfalt geht, denken viele nicht unbedingt an die Bundeswehr. Es gibt strikte Hierarchien und ein System, das auf Befehl und Gehorsam ausgerichtet ist. Warum willst du ausgerechnet in diesem Umfeld arbeiten?

Weil ich das einfach mag. Ich wusste schon vor meinem Outing, dass ich hier richtig bin. Vor meiner Laufbahn bei der Bundeswehr habe ich ein Studium abgebrochen und eine Weile damit gehadert, was ich machen will. Dass man hier so gepusht wird und Disziplin lernt, gefiel mir. Wenn man eine tolle Einheit und gute Vorgesetzte hat, fühlt sich das an wie eine kleine Familie. 

Für mich als Transmann hat die Bundeswehr auch Vorteile. Wenn jemand unangemessen mit mir umgeht, gibt es klare Regeln, was zu tun ist und an wen ich mich wenden kann. Wenn ich dagegen in der U-Bahn blöd angelabert werde, muss ich erst überlegen, wie ich darauf reagiere.

„Bei den Ärzten weiß ich oft besser, was zu tun ist. Ich muss dann erklären, wie man eine Hormonspritze setzt.“

Es gibt auch Berichte von transexuellen Soldatinnen und Soldaten, die sagen, dass ihre Anträge auf geschlechtsangleichende Operationen viel zu langsam bearbeitet werden und sie das sehr belastet. Wie siehst du das?

Das größte Problem ist in meinen Augen, dass man bei der Bundeswehr vor allem am Anfang so oft den Standort wechselt. Ich bin jetzt seit über zwei Jahren geoutet, aber meine Personenstandsänderung ist immer noch nicht durch. Ich muss jedes Mal von vorn erklären, wer ich bin und weshalb in den Akten noch mein weiblicher Vorname steht.

Bei den Ärzten weiß ich oft besser, was zu tun ist. Ich muss dann erklären, wie man eine Hormonspritze setzt: Ganz langsam und möglichst vorsichtig, weil es sich um eine ölhaltige Flüssigkeit handelt, die langsam abgebaut werden soll. Da fehlt einfach ganz viel Erfahrung in der Bundeswehr. Inzwischen ist es besser geworden, es gibt jetzt entsprechende Verordnungen und Vorschriften. Aber als ich mich geoutet habe, wusste die Heilfürsorge, also quasi unsere Krankenkasse, noch überhaupt nicht, wie man die entsprechenden Operationen beantragt und was zu tun ist.

Arbeitskreis Homosexueller Angehöriger der Bundeswehr

Seit seinem Coming-Out engagiert sich Arthur mit anderen Soldatinnen und Soldaten im Arbeitskreis Homosexueller Angehöriger der Bundeswehr. Der Verein versteht sich als Interessensvertretung von LGBT in der Bundeswehr und bietet beispielsweise eine kostenlose Hotline für Beratungen und Fragen zum Thema  an (hier findest du mehr Informationen darüber).


Du bist inzwischen an einer Bundeswehr-Uni, um Offizier zu werden. Was hat sich dadurch für dich verändert?

Durch das Studium kann ich jetzt auch mal unter der Woche Arzttermine machen und den Stoff dann selbstständig nachholen. Das hilft. Ansonsten ist der Alltag nicht viel anders, unser Campus ist auch in einer Kaserne. Aber unsere Präsidentin kam ganz am Anfang in einem Gespräch auf mich zu und sagte mir, dass ich mir keine Sorgen machen soll.

Und deine Kommilitonen?

Die meisten sind in meinem Alter, das tut mir gut. Aber ab und zu kommen auch Fragen wie: Wenn du auf Männer stehst, wäre es dann nicht leichter gewesen, eine Frau zu bleiben? Ein Kamerad meinte auch mal ganz offen, dass meine Transsexualität bestimmt nur eine Phase sei. Aber das muss man dann eben erklären.

„Für mich war es einfach nie eine Option, mich zu verstecken.“

Andere Menschen fänden das vermutlich sehr diskriminierend. Stört dich so etwas nicht?

Ich glaube, die meisten wissen einfach nicht so viel über das Thema. Wenn ich dafür sorge, dass sich die Menschen damit auseinandersetzen, hilft mir das viel mehr, als wenn ich es einfach abblocke. Meine Erfahrung ist: Je offener ich damit umgehe, desto positiver sind auch die Reaktionen.

Für mich war es einfach nie eine Option, mich zu verstecken. Ich werde oft auch gar nicht als Transmann erkannt, manche Kommilitonen sind dann total überrascht. Aber ich gehe grundsätzlich sehr offen damit um und habe auch gleich am Anfang gesagt, dass ich stockschwul bin. Damit war das geklärt.

Wie sind die Reaktionen, wenn du anderen LGBT erzählst, wo du arbeitest und studierst?

Da gibt es natürlich manchmal eine gewisse Distanz. Aber die meisten finden es spannend und stellen mir dann ganz viele Fragen zu meinem Alltag und den Erfahrungen. Für mich ist es wichtig, dass ich mich darüber austauschen kann und es in der LGBT-Community auch andere Menschen gibt, die bei der Bundeswehr sind.

Wie geht es in der Zukunft für dich weiter?

Ich habe mich ja als Offizier verpflichtet, deshalb werde ich bestimmt noch zwölf, dreizehn Jahre beim Bund sein. In dieser Zeit wird bestimmt viel passieren. Schon jetzt hat sich ja vieles verändert, durch die neue Geschlechtsoption “divers” wird sich sicherlich auch für Transmenschen noch einiges tun. Ich hoffe einfach, dass die Bundeswehr noch stärker ein Ort wird, an dem sich die Gesellschaft in ihrer Vielfalt wiederfindet.


Haha

Jimmy Fallon soll extra lange deutsche Wörter erraten – und scheitert

Die deutsche Sprache gehört zu den schönsten der Welt, klar. Trotzdem machen sich andere gerne über ihre Eigenarten lustig. Entweder wird Deutsch in Hollywood-Filmen auf "Halt", "Stop" und "Jawohl" reduziert – oder im Netz stapeln sich Memes über der/die/das und die ach so langen deutschen Substantive. 

Schauspieler Christoph Waltz war nun bei Late-Night-Talker Jimmy Fallon zu Gast – und hat ihn zum ultimativen Quiz über die längsten deutschen Wörter gebeten.

Waltz ist Österreicher, lebt abwechselnd in Los Angeles und Berlin. Er kennt also nicht nur deutsche Wortungetüme – sondern weiß auch, wie man sie am treffendsten im Englischen umschreiben kann. Also setzt er sich einfach auf den Moderatorenstuhl und drängt Jimmy Fallon in die Rolle des Gastes.

Dann liest er ihm in seiner typischen schnarrigen Hans-Landa-Stimme drei Worte vor, inklusive verschiedener Möglichkeiten, was sie heißen könnten. Es geht um "Sitzpinkler", "Waldeinsamkeit" und "Bezirksschornsteinfegermeister". 

Und dann unter anderem um die Frage, ob ein "Bezirksschornsteinfegermeister" jemand ist, "der von hinten gut aussieht, aber nicht von vorne".

Jimmy Fallon soll jeweils erraten, was die langen deutschen Worte bedeuten könnten – und scheitert grandios. Hier ist das Video: