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You had one job

Witze über den Namen von Annegret Kramp-Karrenbauer zu machen, ist nicht besonders originell. Spätestens seitdem Bernd Stelter in der vergangenen Woche in Köln dafür Gegenwind von einer empörten Zuschauerin bekam und darauf minutenlang nur hilflos rumstammelte (bento), wissen wir: Ja, ist gut jetzt. Lassen wir es einfach.

In dieser Woche bekam nun die CDU-Vorsitzende die Gelegenheit, selbst eine Karnvevalsrede zu halten. Und es vielleicht besser zu machen. Dieses Mal beim "Stockacher Narrengericht" am Donnerstag in Baden-Württemberg. Das Setting: Ein prominenter Gast, eine Mehrzweckhalle und etwa 1000 angeheiterte Süddeutsche (SWR-Mediathek). 

Annegret Kramp-Karrenbauer nutzte den Auftritt auf ihre Art – zum Beispiel, um sich über interesexuelle Menschen lustig zu machen.

Zuvor hatte sich die saarländische Politikerin selbst zahlreiche Witze anhören müssen. Auch über ihren Namen, übrigens, aber das nur am Rande. 

Beim "Stockacher Narrengericht" wird jedes Jahr ein prominenter Gast von den Narren angeklagt. Später darf er oder sie sich dann verteidigen und selbst austeilen.

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Kramp-Karrenbauer nutzte ihre Verteidigungsrede, um erst einmal ein paar Sprüche zu bringen, die gar nicht so schlecht waren. Zum Beispiel darüber, dass bei allem Spaß und Quatsch das Stockacher Narrengericht bis heute ausschließlich aus Männern besteht. 20 Männern, die angetrunken in Strumpfhosen sitzen, um genau zu sein.

Den Spruch nutzte Kramp-Karrenbauer allerdings nur, um gleich darauf über vermeintlich verweichlichte Männer zu spotten und zu erklären, weshalb Frauen heute selbstständig seien: "Natürlich ist die Frau selbst – weil sie es sein muss." 

Der Witz: Hehe, wir Frauen machen das mit der Gleichberechtigung nur, weil ihr Typen es ja nicht mehr alleine könnt. Das konnte man noch als Spruch einer emanzipierten Frau verstehen. Karneval halt.

Doch es ging noch weiter:

Guckt euch doch mal die Männer von heute an. Wer war denn von euch vor kurzem mal in Berlin? Da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen.
Annegret Kramp-Karrenbauer

Hätte die CDU-Vorsitzende in diesem Moment keine alberne Mütze und eine Hexen-Brosche am Kleid getragen, hätte es auch ein Zitat aus dem letzten Mario-Barth-Programm sein können. 

Denn die erste Hälfte des Spruches war im Prinzip der klassische Provinz-Witz: In der Großstadt, da spinnen sie alle. Und am meisten in Berlin, dem Sündenpfuhl. Da trinken sie schon Kaffee mit warmer Milch

Darüber muss man nicht lachen, man kann es aber natürlich. Viele Menschen mögen diesen Humor. Mario Barth ist damit immerhin Millionär geworden. 

Nur: Was zur Hölle hat das dritte Geschlecht mit Milchkaffee und modernen Großstadt-Männern zu tun?

Kramp-Karrenbauer "erklärte" es in ihren eigenen Worten:

Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür dazwischen ist diese Toilette.
Annegret Kramp-Karrenbauer

Wir erinnern uns: Es gibt Menschen, die lassen sich körperlich nicht eindeutig männlich oder weiblich zuordnen. Sie kommen so zur Welt, sie sind so. Und das ist völlig okay. Seit dem vergangenen Jahr gibt es für sie die Geschlechter-Angabe "divers", auch bekannt als "drittes Geschlecht" (wir berichteten). 

In Deutschland sollen 80.000 von 82,8 Millionen Menschen intersexuell sein. Das heißt: Ungefähr 82,7 Millionen Menschen in Deutschland sind nicht intersexuell. 

Es gibt in Deutschland 20 Millionen ADAC-Mitglieder, 150.000 Schalke-Mitglieder, 138.000 CSU-Mitglieder und angeblich sogar 160.000 Rassekaninchenzüchter. Sie alle haben sich irgendwann bewusst für dieses Hobby entschieden, auch wenn es vielen anderen Deutschen merkwürdig vorkommt. 

Man könnte über sie alle Witze machen. 

Doch die Frau, die einmal Bundeskanzlerin werden könnte, hat sich dazu entschieden, eine Karnevalspointe auf Kosten von Menschen zu machen, deren Leben immer noch häufig von erzwungenen Operationen im Kindesalter und Verständnislosigkeit geprägt ist.

Warum? Weil Kramp-Karrenbauer wusste, dass ihr Publikum darüber lacht:

Dass es neben heterosexuellen Männern und Frauen auch noch andere Identitäten gibt, bringt christlich-konservative Politiker seit Langem in Wallung. Annegret Kramp-Karrenbauer ist bis heute gegen die "Ehe für alle" und warnte in der Vergangenheit auch schon vor künftigen Verwandtenehen als Folge der Gleichstellung (SPIEGEL).

In der Diskussion um inter- und transsexuelle Menschen ist es ähnlich. Weil nach dem Einführung des "dritten Geschlechts" in einigen Schulen neue Toiletten geplant wurden, war bei vielen die Empörung groß. Allerdings sind im rot-rot-grünen Berlin bisher gar keine neuen Toiletten für inter- oder transsexuelle Schüler geplant (Morgenpost) – die angekündigten Neubauten sollen im CSU-regierten Bayern entstehen.

Welche Reaktionen gibt es bislang auf den Auftritt?

In den sozialen Netzwerken hat sich die Szene inzwischen rasch verbreitet. Viele Politiker anderer Parteien kritisieren Kramp-Karrenbauer für ihre Karnevals-Aussagen:

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Und was sagt Annegret Kramp-Karrenbauer?

Bislang gar nichts. Möglicherweise ruht sie sich noch vom Kater nach dem Auftritt aus. Denn die Strafe, die sie vom Narrengericht erhielt, hatte es in sich: drei Eimer Wein - mit jeweils 60 Litern Inhalt.

Was lernen wir daraus? Auch Menschen mit Doppelnamen können fragwürdige und diskriminierende "Witze" machen. Und die Frau, die unsere nächste Bundeskanzlerin werden könnte, hat offenbar ein Problem mit Minderheiten – vor allem, wenn es keine heterosexuellen Männer oder Frauen sind.


Trip

Hitlers Arsch voller Nadeln: Museen offenbaren, was für verrückte Sachen sie im Schrank haben

Museen sind oft wie der "Mix der Woche" bei Spotify: Manchmal ist man begeistert und entdeckt Grandioses, machmal ist man tierisch gelangweilt – und regelmäßig fragt man sich, was zur Hölle einem da gerade präsentiert wird

Zur letzten Kategorie gehören die Ausstellungsstücke, die Museen gerade unter dem Titel "Strange Things Challenge" auf Instagram teilen. 

Verrückte, bizarre, sonderbare oder ganz und gar unerklärliche Exponate, die sich im Laufe der Jahre so bei ihnen angesammelt haben.

Gestartet hat die Instagram-Challenge das "Historische Museum der Pfalz" in Speyer. Sie funktioniert so, dass ein Museum fünf Tage hintereinander jeweils ein verrücktes Exponat vorstellt und dann ein anderes Museum nominieren darf. Die Challenge begann schon im Januar, läuft aber bis heute entspannt weiter – denn, klar: Den Museen läuft nix weg. Durch die Ausgeruhtheit ist die "Strange Things Challenge" zudem eine der wenigen Bewegungen im Netz, bei der man tatsächlich etwas lernen kann. 

Wir zeigen eine Auswahl der "Strange Things"-Exponate, mit steigendem Bizarro-Level: 

1 Hitlers Nadelpopo, Badisches Landesmuseum (Karlsruhe)

"Ein besonders subtiles Mittel der Kriegspropaganda gegen das Dritte Reich und seinen 'Führer'."

Ob man den heute auch mit US-Präsidenten kaufen kann?