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Jahrelang war sie dagegen, aber jetzt ist Wahlkampf

Nein. Ehe ist nur zwischen Mann und Frau erlaubt. Das galt viele Jahre lang für die CDU und zumindest offiziell auch für die Parteichefin Angela Merkel. Am Montagabend hat die Bundeskanzlerin ihre Haltung geändert: Merkel schließt die "Ehe für alle" nun nicht mehr aus.

Im CDU-Vorstand (Abendblatt) und in einem Interview mit der "Brigitte" (dpa) plädierte sie für eine "Gewissensentscheidung". Das bedeutet, dass sich die Abgeordneten im Bundestag bei einer Abstimmung nicht wie sonst üblich an die Linie ihrer Fraktion halten müssen.

Vor allem die Spitzen der Union, also von CDU und CSU, haben das Recht auf Ehe für alle bisher abgelehnt. CSU-Chef Horst Seehofer hat seine Ablehnung gerade erst wieder bekräftigt.

Was ist passiert?

Die SPD wollte mit der "Ehe für alle" in den Wahlkampf ziehen. 

Aus Rücksicht auf die Union, mit der die SPD zusammen regiert, wurden Abstimmungen über die "Ehe für alle" zuletzt immer wieder hinausgezögert.

Theoretisch hätte die SPD mit den Stimmen der Opposition im Bundestag das Recht auf Ehe bereits allen Bürgern zugestehen können.

Nun will die SPD für das Recht auf Ehe stehen. Die Grünen sowieso. Und jetzt plötzlich fällt Angela Merkel ein: Ach komm, die Abstimmung darüber geben wir frei.

Nicht jetzt, sondern erst nach der Bundestagswahl, sollen die Abgeordneten so abstimmen dürfen, wie es ihnen passt. Die "Ehe für alle" hätte dann eine sichere Mehrheit im Bundestag – auch gegen konservative Teile von CSU und CDU.

Merkel will nicht plötzlich die "Ehe für alle". Aber wer die "Ehe für alle" will, soll trotzdem CDU wählen können.

Ein Bekenntnis zum gleichen Recht auf Ehe ist das nicht. Nach zwölf Jahren an der Macht, nach zwölf Jahren "Nein", ist es ein "Mir doch egal, Hauptsache, ich gewinne". Das ist traurige Wahlkampf-Taktik.

Das Recht auf Ehe ist natürlich alles andere als traurig. Eine offene Abstimmung wäre ein Triumph. Und schließlich gibt es Parteien, die sich wirklich für Lesben und Schwule interessieren. Nicht erst seit Montagabend.


Gerechtigkeit

Jeremy Corbyn tritt beim Glastonbury wie ein Rockstar auf – wir brauchen mehr davon!

Nach Craig David und kurz vor Katy Perry und The National stellte sich Labour-Chef Jeremy Corbyn am Samstag auf die Hauptbühne des Glastonbury-Festivals und hielt eine Rede. Ein kurzer Impuls, nicht mal zehn Minuten lang, so wie es auf dem Line-up gestanden hatte. Corbyn war kein Überraschungsgast, sondern von Anfang an eingeplant.

Der britische Politiker sprach von Gerechtigkeit, beschwor eine "andere Welt" und sandte eine Message an US-Präsident Donald Trump: "Baue Brücken, keine Mauern!" Vor ihm im Publikum jubelten Zehntausende Menschen, sie schwenkten Fahnen und Plakate. "JC Hope" stand darauf, und "In Jeremy we trust". Einige trugen Corybn-Fanshirts.