Bild: dpa / Michael Löwa
Das bisherige Verbot wurde aufgehoben.
Die Vorgeschichte:

Seit fünf Jahren sind eingetragene Lebenspartnerschaften zwischen Homosexuellen in Österreich erlaubt. Seit 2013 dürfen Schwule und Lesben zwar auch die leiblichen Kinder ihres Partners adoptieren – die gemeinsame Adoption von Fremdkindern ist ihnen aber untersagt (Tiroler Tageszeitung).

Im Januar entschied der österreichische Verfassungsgerichtshof, dass sich das ändern muss: Das Adoptionsverbot sei verfassungswidrig. Das Gericht räumte dem Gesetzgeber eine Reparaturfrist bis zum 31. Dezember ein. Bis dahin sollte Zeit sein, um das bestehende Gesetz über die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare zu ändern (Der Standard).

Diese Änderung wird es aber nicht geben. Stattdessen wurde das Gesetz jetzt einfach aufgehoben:
  • Das Justizministerium beschloss, dass eine gesetzliche Änderung nicht nötig sei. Adoptionen seien ohnehin immer individuell zu prüfen und setzen eine pflegschaftsgerichtliche Genehmigung voraus, hieß es aus dem Ministerium (Die Presse).
  • Bei der Adoption Minderjähriger werde außerdem sowieso immer auch die Jugendwohlfahrt eingeschaltet, die die Adoption aus Sicht des Kindeswohls zu beurteilen hat (Der Standard).
  • Ab 2016 sind also alle Paare, die an einer Adoption interessiert sind, vor dem Gesetz gleichgestellt – unabhängig vom Geschlecht der Partner.
Hat dieser Beschluss nur Vorteile?

In dieser Frage sind sich die Experten, die mit dem Standard sprachen, uneinig:

  • Der Beschluss sei gut, sagt ein Sprecher der Homosexuellen Initiative Wien. "Jeder Versuch, neue Regeln zu definieren, hätte nur dazu geführt, auch neue Barrieren aufzubauen."
  • Dies wirke nur auf den ersten Blick großzügig, sagt die Anwältin Doris Einwallner. Es gebe noch offene Fragen: Etwa, ob adoptionswillige hetero- und homosexuelle Paare am Ende wirklich gleich behandelt würden.
  • Solange die Ehe zwischen Homosexuellen verboten und die gemeinsame Adoption erlaubt sei, bestehe eine "absurde Situation", sagt der Homosexuellenaktivist Helmut Graupner.
Sicher ist: Im Vergleich zu Deutschland ist Österreich deutlich fortschrittlicher.

Denn in Deutschland dürfen Schwule und Lesben weder heiraten, noch gemeinsam Kinder adoptieren. Homosexuelle können ein von ihrem eingetragenen Lebenspartner adoptiertes Kind nachträglich zwar ebenfalls adoptieren, die CDU lehnt eine weitere Gesetzesänderung jedoch ab – und ist auch weiterhin gegen die Ehe für alle (SPIEGEL ONLINE).