Bild: imago/Christian Ditsch

Gerade erst hat ein AfD-Abgeordneter den Vorsitz des wichtigsten Bundestags-Ausschusses bekommen (SZ) – nun schickt die Partei eine LGBT-feindliche Politikerin in eine der wichtigsten Queer-Organisationen Deutschlands: die Magnus-Hirschfeld-Stiftung. 

Doch die Stiftung nimmt die Herausforderung an.

Nicole Höchst sitzt für die AfD im Bundestag. Dort ist sie zuletzt durch einen Streit mit Familienministerin Katharina Barley aufgefallen. Es ging um Elterngeld für homosexuelle Ehepaare. Oder wie Höchst sagen würde: "Kleinstinteressengruppen" und "Nischenpolitik" für ein "sich nicht reproduzierendes Deutschland". (queer.de)

Auch in anderen Kontexten ist Höchst schon oft mit queer-feindlichen Äußerungen aufgefallen. 

Ein paar Beispiele: 
  • Sie hasst Aufklärung über LGBT im Schulunterricht und bezeichnet diese als einen "Angriff auf die Kinderseelen" (queer.de).
  • Bei einem AfD-Vortrag in Rosenheim sagte sie im vergangenen Sommer, in manchen Bundesländern würden "Schwulen-, Lesben- und Transenverbände diesen Unterricht zur Vielfalt übernehmen" (YouTube).
  • Bei derselben Veranstaltung erzählte sie, ihr Sohn habe mal zu ihr gesagt, er könne auch ein Mädchen sein. Darauf habe sie gesagt: "Guck dir einfach mal in die Hose." Damit sei alles geklärt gewesen.
  • Im Wahlkampf sagte sie vor einer Schülergruppe, dass sie die Ehe für alle ablehnt, weil "unter homosexuellen Männern mehr Pädophile" seien (Rhein-Zeitung). Ein Standard-Argument unter Homophoben, um gegen Schwule zu hetzen. Dabei ist es in keiner Weise wissenschaftlich belegbar.

Jetzt wird Höchst Mitglied im Kuratorium der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Diese kämpft gegen die Diskriminierung von Menschen, die nicht heterosexuell sind oder sich nicht als Mann oder Frau definieren. Und sie fördert Projekte, die diese Ziele unterstützen. Das Kuratorium, in dem Höchst nun sitzt, entscheidet über die Verwendung der Fördergelder

Warum ist Höchst dabei? 

Jeder Partei im Bundestag steht ein Sitz in dem 24-köpfigen Gremium zu. Also auch der AfD. Dass die Partei dafür ausgerechnet Höchst ausgewählt hat, ist eine Provokation. Und genau das erwarten Experten nun von ihr. 

René Mertens vom Projekt "Miteinander stärken. Rechtspopulismus entgegenwirken" des deutschen Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) sagte zu Buzzfeed:

Das kann eine Strategie sein. Wir kennen das aus anderen Bundesländern: Durch unsinnige Anfragen wird die Arbeit blockiert. Ziel ist es, Verwaltungen und Projekte zu lähmen.
René Mertens
Doch die Hirschfeld-Stiftung will sich davon nicht beeindrucken lassen.

Im Beirat ist die Aufregung laut Geschäftsführer Jörg Litwinschuh zwar groß, er selbst macht sich aber keine Sorgen: "Ich bin natürlich nicht glücklich über solche Äußerungen. Aber wir werden mit Zahlen, Daten und Fakten überzeugen. Wir werden uns dieser Herausforderung stellen, das ist ja auch unsere Aufgabe: Vorurteile abbauen", sagte er zu Buzzfeed.

Axel Hochrein, Bundesvorstandsmitglied des LSVD und selber auch Mitglied im Hirschfeld-Kuratorium, sagte: "Wir werden ihr klar zu verstehen geben, dass sie am falschen Platz ist und ihr die Expertise fehlt. Mit ihren pseudowissenschaftlichen Thesen ist sie unqualifiziert für dieses Amt. Wir werden schauen, dass wir den Stiftungszweck weiter unterstützen und uns weniger auf Provokationen konzentrieren."

Auch wenn Höchst vieles nicht wahrhaben will – selbst die Bundesregierung erkennt allmählich, dass es mehr als Mann/Frau/hetero gibt:


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