Bild: dpa
Fünf Fragen, fünf Antworten

Vor drei Jahren rettete Sarah Mardini 18 Menschen das Leben. Sie wurde mit dem Bambi in der Kategorie "stille Helden" geehrt. Nun sitzt sie dafür in Haft. Zusammen mit ihrem deutschen Kollegen Sean Binder wurde sie in der vergangenen Woche auf Lesbos festgenommen. Der Vorwurf: Mitgliedschaft einer kriminellen Vereinigung.

Was ist passiert?

Mardini und Binder setzen sich gemeinsam in der Nichtregierungsorganisation "Emergency Response Center International" (ERCI) ein, um Flüchtlinge vor der griechischen Insel Lesbos zu helfen. Nach einem Einsatz sind sie nun aber verhaftet worden. 

Sarah Mardini (links) und ihre Schwester Yusra präsentieren am 17. November 2016 in Berlin den Bambi in der Kategorie "Stille Helden". 

(Bild: dpa)

Was wird ihnen vorgeworfen?

Die griechische Polizei nennt das ERCI eine "kriminelle Vereinigung, die mindestens seit 2015 schon aktiv ist" (SPIEGEL ONLINE). Die Vorwürfe sind vielfältig. Die Gruppe habe "organisierten Schmuggelnetzwerken direkte Hilfe geleistet", heißt es etwa. Ziel sei es, Profit durch Geld- und Sachspenden zu machen. Dabei sollen sie beispielsweise die Funkgeräte der griechischen Küstenwache und der EU-Grenzagentur "Frontex" abgehört haben, um vertrauliche Informationen über Migraten aus der Türkei zu erhalten.

Was ist an den Vorwürfen dran?

Das ist zur Zeit noch unklar. Ein Verfahren laufe gegen insgesamt 30 Mittäter, so die Polizei. Lokale Quellen zeichnen ein anderes Bild vom ERCI. Die Gruppe sei einer der ersten Hilfsorganisationen auf Lesbos gewesen. Sie hätten Frontex bei Einsätzen unterstützt und Hilfsleistungen in Moria angeboten, dem größten Flüchtlingslager auf der Insel.

Wie geht es jetzt weiter?

Vorerst werden Mardini und Binder nicht aus der Haft entlassen. Bis zu einem Gerichtstermin kann es Monate dauern. Wegen der Schwere der Anklagepunkte wird es auf jeden Fall zu einem Prozess kommen. Sollten sie schuldig gesprochen werden, müssten sie für Jahre ins Gefängnis. Ihr Anwalt hat einen Antrag gestellt, um die beiden zumindest für die Dauer des Verfahrens auf freien Fuß zu setzen. Die Entscheidung wird allerdings nicht vor Ende nächster Woche erwartet.

Welche Reaktionen gibt es?

Viele Menschen reagierten verständnislos auf die Inhaftierung der beiden Aktivisten. Unter dem Hashtag #freesarahandsean rufen nun viele Nutzer auf Twitter und Facebook dazu auf, den Fall in die breitere Öffentlichkeit zu tragen und die griechische Polizei zur Freilassung zu bewegen.


Future

Gewerkschaften fordern 635 Euro Mindestlohn für Azubis
Zwei Fragen, zwei Antworten zum Ausbildungsstart

Heute fängt für viele Azubis in Deutschland das neue Ausbildungsjahr an. Doch die meisten verdienen während der Lehrzeit zu wenig, findet der Deutsche Gewerkschafts Bund (DGB) und fordert daher grundlegende Neuerungen für Auszubildene.