Bild: 4U Fitness
Was hinter der Werbung steckt – und zwei weitere Fragen

Am Züricher Hauptbahnhof wirbt ein Fitnessstudio mit einer ungewöhnlichen Kampagne: Auf dem Plakat ist eine Frau in Hijab zu sehen, die Faust von sich gestreckt. "Sei stärker!" steht auf dem Plakat, daneben "Trainiere ohne Hijab!"

Was steckt hinter dem Werbeplakat?

Im beworbenen Fitnessstudio "4U Fitness" gibt es durchgehend unterschiedliche Trainingszeiten für Frauen und Männer. Das Konzept an sich ist nicht neu, Fitnessstudios beispielsweise nur für Frauen gibt es schon länger. 

(Bild: 4U Fitness)

Davon abheben möchte sich das Züricher Fitnessstudio, weil die Räumlichkeiten von außen nicht einsehbar seien, sagten die Betreiber auf Nachfrage zu bento. Damit wollen sie vor allem Frauen ansprechen, die aus religiösen Gründen Hijab tragen oder sich anderweitig bedecken. Tageslicht gebe es in dem Fitnessstudio trotzdem.

Aber auch Frauen und Männer, die aus anderen Gründen getrennt trainieren wollen, sollen sich hier wohlfühlen: Frauen, die die Erfahrung gemacht haben, häufig angesprochen zu werden oder übergewichtige Menschen, die sich beobachtet fühlen oder schämen, sagen die Betreiber des Fitnessstudios. Es gebe eine Marktlücke, die man nutzen wolle.

Wie kam es zu der Werbekampagne?

Auf dem Plakat steht auch die Frage: "Du hast die ständigen Angriffe satt?" Hintergrund dafür seien Berichte muslimischer Kundinnen des Fitnessstudios, die verbal oder gar körperlich auf der Straße angegriffen wurden, sagen die Betreiber von "4U Fitness". Unter ihnen gebe es daher eine hohe Nachfrage nach Kampfsport-Kursen.

"Sie wollen nicht nur trainieren, um fit und gesund zu sein oder abzunehmen, sondern auch, um ihre Selbstsicherheit zu stärken und das Gefühl erhalten, sich im Notfall wehren zu können", sagt "4U Fitness" zu bento.

Wie sind die Reaktionen auf das Konzept des Fitnessstudios?

Laut den Betreibern von "4U Fitness" reagieren die Kundinnen und Kunden durchweg positiv auf die durchgehend unterschiedlichen Trainingszeiten für Frauen und Männer. Sie schätzten auch die "große Vielfalt" der Kundschaft hinsichtlich Alter, Religion, kulturellem Hintergrund oder sozialem Status.

Das Schweizer Portal "20 Minuten" hatte über die Werbekampagne berichtet. Darin kam ein Mann zu Wort, der sich über das Plakat empörte und es als "Zumutung" bezeichnete. In den Kommentarspalten gab es ähnlich negative Kommentare.

Dafür zeigen die Betreiber des Fitnessstudios wenig Verständnis: Niemand werde gezwungen, bei ihnen zu trainieren – es gebe genug andere Studios, die zur Verfügung stünden: 

"Wer beleidigend und diskriminierend wird, der sollte sich wohl eher Gedanken über das eigene Weltbild, die eigenen freiheitlichen Werte wie Religionsfreiheit, das Diskriminierungsverbot und die eigentliche Bedeutung einer pluralen, toleranten Gesellschaft machen, denn über unser Konzept, für das es ganz offensichtlich ja eine Nachfrage gibt."

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