So begeistern sie junge Menschen für Politik.

Mut machen, verändern, motivieren durch bissige Kommentare, Ironie und Schabernack. Das versucht der Afrikaner Samm Farai Monroe aka Comrade Fatso: In Zimbabwe macht er politische Satire und versteht selbst nicht so genau, warum er deswegen noch nicht verhaftet wurde. Auf der re:publica erzählt er , wie er damit junge Menschen für die Politik begeistern will.

Wie alles anfing

Samm Monroe und Tongai Makawa gründeten 2011 die satirische Nachrichtenshow Zambezi News. Zusammen mit ihren Kollegen persiflieren sie darin vor allem die offizielle Nachrichtensendung des staatlichen Propagandasenders, die Zimbabwe Broadcasting Corporation.

In den kurzen Videos kritisieren sie Rassismus, machen sie sich über korrupte Politiker lustig und über die eurozentristische Sicht auf Afrika. Zu Anfang haben Samm und sein Team die Filme noch auf Tausenden DVDs verteilt, denn vor allem in ländlichen Gebieten hatten noch nicht alle Bewohner Internetzugang. Mittlerweile gebe es in Simbabwe "mehr Smartphones als Menschen", Zembezi News erreicht seine Nutzer nun via WhatsApp und YouTube.

Samm Farai Monroe

Als Comrade Fatso gehört Künstler und Comedian Samm Monroe zu den bekanntesten und erfolgreichsten Kreativen Zimbabwes. Er ist Direktor des Magamba Networks, das sich mit Multimediaproduktionen und Festivals für politischen und Wandel in dem Land engagiert.

Wie sie verändern wollen

"Mit unserer Arbeit wollen wir junge Menschen inspirieren, die sich sonst nicht für Politik interessieren", so beschreibt Samm das Ziel ihrer Show. Satire prangere auf witzige Art Missstände an – und sei daher das beste Mittel, Menschen zum Nachdenken über Politik anzuregen. Alles andere würde in repressiven und korrupten Staaten wie Simbabwe die Menschen nur zusätzlich deprimieren. Ihre Show solle junge Menschen motivieren und ihnen zeigen, dass sie Teil eines politischen Wandels sein können, den das Land so dringend brauche.

In Simbabwe herrscht ein Recht auf freie Meinungsäußerung, aber keine Freiheit nach der Meinungsäußerung.
Samm Monroe
Womit sie kämpfen

Wie hat er es geschafft, noch nicht im Gefängnis zu sitzen? Samm lacht, das wisse nur Gott, sagt er. Er und seine Kollegen würden immer wieder mit Repressionen, Bedrohungen und Zensur durch die Regierung kämpfen: "In Simbabwe herrscht ein Recht auf freie Meinungsäußerung, aber keine Freiheit nach der Meinungsäußerung", sei ein Sprichwort in dem Land. Namen nennen sie deshalb in ihrer Show nie – durch ihre Anspielungen sei aber jedem klar, wer gemeint ist: etwa der derzeitige Präsident Robert Mugabe, der immer wieder wegen Korruptionsvorwürfen zum Rücktritt aufgefordert wird.

Wie das Internet hilft

Für Samm ist es "unheimlich wichtig, politischen Onlineaktivismus auch in die Offlinewelt zu tragen". Seine Satire soll deshalb nur Inspirationsquelle sein – für den "realen" politischen Aktivismus auf der Straße. Daher organisieren Samm und seine Kollegen unter dem Namen Magamba Network auch Poetryslams, Hip-Hop-Events oder Festivals.

Samm bezeichnet den Zugang zum Internet als "Revolution für Afrika". Dadurch würden sich auf dem ganzen Kontinent junge unabhängige Produzenten entablieren, die ihre Videos online teilen und so die staatliche Zensur umgehen. Politische Satire sei ein Teil dieser Bewegung: Sie mache Hoffnung auf Veränderung in einem Land, das zu den ärmsten der Welt zählt.

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