Bild: Screenshot: RBC

Als "October Surprise" bezeichnet man in den USA eine Information, die im Vormonat einer großen Wahl ans Licht kommt und den Ausgang dieser dramatisch beeinflussen kann. Genau so eine Oktober-Überraschung hatte Julian Assange, Mitgründer des Whistleblower-Portals WikiLeaks, im Vorfeld des zehnten Geburtstags seiner Plattform versprochen. Angeblich habe er brandheißes Material über Hillary Clinton im Ärmel.

Unter #OctoberSurprise und #WikiLeaks10 diskutierten deshalb seit vielen Stunden vor allem Trump-Anhänger darüber, was da Dickes auf die verhasste Kandidatin zukommen könnte. Natürlich war es für viele von ihnen Ehrensache, bis zu der um 10 Uhr deutscher Zeit gestarteten Pressekonferenz in Berlin wach zu bleiben – also je nach Wohnort zwischen 1 und 4 Uhr morgens.

Wer sind Julian Assange und Wikileaks

Julian Assange, Jahrgang 1971, gehört zu den wenigen bekannten Gesichtern hinter der Enthüllungsplattform "WikiLeaks". Diese bietet die Möglichkeit, anonym brisante Dokumente zu veröffentlichen.

Zu den größten Scoops gehörte die Veröffentlichung von Tausenden, streng geheimen Dokumenten der US-Armee zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan.

Seit 2012 sitzt der Australier in der Ecuadorianischen Botschaft in London fest, nachdem er wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs aus Schweden floh. Seitdem kämpfen mehrere Länder um eine Auslieferung des umstrittenen Aktivisten.

In den USA wurde in konservativen Medien offen über eine Hinrichtung des Aktivisten fantasiert, auch Hillary Clinton soll hinter verschlossenen Türen über einen Drohnenangriff gewitzelt haben.

Als Belohnung bekamen die Trump-Anhänger: Nichts

Denn Julian Assange hat sie alle getrollt:

In den vergangenen Monaten war Assange, der von den Republikanern eigentlich verhasst und verteufelt wird, zu einem zweifelhaften Unterstützer der Trump-Kampagne geworden. Erst kürzlich hatte die Plattform E-Mails des Parteivorstands der US-Demokraten veröffentlicht, die angeblich von russischen Hackern erbeutet sein sollten. Assange selbst dementierte dies (bento).

Statt der versprochenen Enthüllungen gab es auf der heutigen Pressekonferenz aber nur ein paar Videos zur zehnjährigen Geschichte von WikiLeaks und einen Zusammenschnitt von Morddrohungen gegen Assange, die alle von Politikern und Kommentatoren im US-Fernsehen gefordert wurden. Am Ende sprach der Wikileaks-Gründer dann auch noch einmal selber in einem Stream zum Publikum und forderte dieses auf, sein neues Buch zu kaufen.

Und. Das. Wars.

Die Reaktionen der übernächtigten und enttäuschten Republikaner sind dementsprechend weniger positiv:

Klar, die ultimativen Verschwörer witterten hier bereits eine Verschwörung hinter der vermeintlichen Verschwörung....
Hier gibt es die komplette Pressekonferenz als Aufzeichnung:

Am Ende stand zumindest noch die Ankündigung, in den nächsten zehn Wochen jede Woche neues Material zu veröffentlichen. Betroffen seien davon "drei große Organisationen". Zudem beträfen die Enthüllungen auch die Präsidentschaftswahlen in den USA. Wann was kommt, und wer sich fürchten muss, wurde allerdings nicht verraten.

"Sie müssen verstehen, dass wenn wir etwas mit Bezug zu den Vereinigten Staaten veröffentlichen wollen, wir das nicht um drei Uhr nachts machen würden​."
Julian Assange

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