Bild: Boris Schmitz

Boris Schmitz ist fassunglos. "Das ist kein Kompliment, das fühlt sich an wie Diebstahl", sagt er. "Mich macht das alles so wütend."

Boris ist 24, er studiert Kunst und Deutsch auf Lehramt in Köln. Nebenbei arbeitet er als Illustrator. Er zeichnet, lädt seine Bilder bei Instagram und Tumblr hoch, mittlerweile hat er insgesamt 30.000 Follower. 

Bisher hat Boris über die Plattformen seine Kunst geteilt und besprochen, ab und zu kam er darüber auch mit Leuten ins Gespräch, die ihm was abkaufen wollten. Und mit Firmen, die mit ihm zusammenarbeiten wollten.

Doch die wohl größte darunter habe ihn nicht angeschrieben – sondern seine Kunst geklaut und sie für die eigenen Zwecke genutzt, sagt er. Der Modekonzern Zara bedruckte eine Handtasche der aktuellen Herbst- und Winterkollektion mit Bildern, die denen von Boris extrem ähnlich sehen.

Zara sagte bento, man habe eine Untersuchung eingeleitet, die das prüft. Außerdem sei der Verkauf der Produkte als Präventivmaßnahme eingestellt worden.

Aber wie viele Menschen haben sich ein Exemplar von der Tasche mit Boris' Motiven gekauft?

Als er mitbekam, dass seine Kunst womöglich bei Zara steht, sei er beinahe in eine Schockstarre gefallen, sagt er. Eine Followerin, die bei Zara in Prag arbeitet, schickte ihm ein Foto der Tasche, die im Laden gerade ins Regal geräumt wurde. Und Boris konnte kaum glauben, was er da sah.

Seine Idee. Sein Stil. Seine Gesichter. Auf einer Tasche, über dessen Verbreitung er keine Kontrolle hatte:
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Das kann doch nicht wahr sein, dachte Boris. Er setzte sich an seinen Computer und recherchierte. Wo wird die Tasche vertrieben? Gibt es noch mehr Fotos? Wen kann er kontaktieren, um den Verkauf seiner eigenen Kunst zu stoppen?

Er fand die Tasche online, auf der Webseite des Onlineshops. Er sprach mit seinen Followern aus anderen Ländern, fragte sie, ob sie die Tasche schon gesehen hätten. Und er ging in eine Kölner Zara-Filiale, um sich die Tasche anzusehen. Er hielt sie in den Händen und stellte sie direkt wieder ins Regal, kaufen ausgeschlossen. "Denen gebe ich keinen Cent", sagte er sich. 

Mich macht das alles so wütend.
Boris Schmitz

Stattdessen schickte er dem Unternehmen eine E-Mail und bat um Stellungnahme. Er bekam keine – aber ein paar Stunden später war die Tasche im Onlineshop nicht mehr auffindbar. Offline

In der Zwischenzeit meldeten sich immer mehr Menschen bei Boris, die seine Illustrationen entdeckt hatten. "Es ist ungerecht", sagt er. Er schaltete einen Anwalt ein, ließ das Unternehmen wegen Urheberrechtsverletzung abmahnen.

Es ist nichts Neues, dass Zara sich in solchen Fällen querstellt: Bereits in der Vergangenheit stand das Modehaus in der Kritik, Designs für die eigenen Kollektionen bei Illustratoren zu klauen. Immer wieder kamen die Vorwürfe dabei von den Künstlern selbst – und oft waren es eher Unbekannte mit wenigen Followern (Deutschlandfunk). 

Wer klaut von wem, wo hört Inspiration auf und fängt Diebstahl an?

Das ist immer wieder Thema in der Modebranche, auch bei bekannten Designern. Ein Streetart-Künstler verklagte 2015 die Designer Jeremy Scott und Franco Moschino, der Vorwurf: Sie hätten eines seiner Graffitis ohne Lizenz auf ein Kleid gedruckt (SPIEGEL ONLINE). 

In ihren sozialen Netzwerken beschreiben die betroffenen Künstler in diesen Fällen oft einen langwierigen Kampf gegen Global Player, die mit Rückmeldungen auf sich warten lassen und kaum entgegenkommen.

Es ist ungerecht.
Boris Schmitz

Doch Boris' Geschichte ist noch nicht zu Ende. Zara hat inzwischen auf die Abmahnung reagiert – und indirekt zugegeben, die Illustrationen geklaut zu haben.

Das Unternehmen konterte auf die von Boris und seinem Anwalt geforderten 12.500 Euro Schadensersatz allerdings mit einem Angebot, das Boris lächerlich vorkommt: "Sie wollen mir 5000 Euro geben. Das haben sie uns mündlich mitgeteilt", sagt Boris.

Wie geht es jetzt weiter? Auf bento-Anfrage sagte Zara, man würde versuchen, "die Situation so schnell wie möglich zu klären und zu lösen". Das Unternehmen respektiere die Kreativität von Künstlern in höchstem Maße und nehme ihre Ansprüche ernst. Boris' Fall werde derzeit geprüft.

Boris geht nicht davon aus, dass seine Arbeit respektiert worden sei. "Ich habe unter jedes Bild meine Unterschrift gesetzt." 

Die Bilder seien schwierig zu finden. "Ich stelle es mir so vor, dass die Verantwortlichen ewig über meine Webseite scrollten, ehe sie sich für die Motive entschieden." Es seien solche mit weniger als 50 Likes. "Die sind ganz unten auf der Seite versteckt", sagt Boris. "Da hat jemand richtig lange gesucht, bevor er zuschlug."

Er werde weiter kämpfen, vielleicht bis hin zur Klage. So idealistisch das klinge, sagt er: "Ich will, dass wir Künstler gerecht behandelt werden."


Retro

In welcher MTV-Sendung wärst du der Star?

Als YouTube-Stars, Instagram-Influencer und Snapchat-Storys noch weit entfernt waren, verbrachten wir unsere Freizeit noch mit sinnvollen Dingen – wie stundenlangem Fernsehen. In den 2000er hieß es nach der Schule: Ab auf die Couch und Glotze an! 

Zu unseren Lieblingssendern gehörte natürlich MTV. Neben Musikvideos und Werbung für polyphone Klingeltöne liefen dort Serien, über die auf dem Pausenhof gesprochen wurde. Die Helden hießen JWoww, The Situation oder Snooki und wir haben gespannt jedes Drama verfolgt. Reality-Formate wie "Jersey Shore" und "My Super Sweet 16" oder die Dating-Show "Next" feierten wir einfach hart.