Drei Fragen zu dem Streit

Eine lockere Bluse mit Blümchenstickerei sieht schön aus. Und bei Zara, H&M oder Mango ist sie gar nicht mal so teuer. So eine luftige Bluse erinnert an Sommer, Freigeist, Coachella... dabei sollte sie an die Indigene Mexikos erinnern. Denn von denen sollen die Designideen oft stammen, weshalb sie den großen Modeketten jetzt Ideenklau vorwerfen.

Was ist passiert?

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet aus Aguacatenango, einem kleinen Dorf nahe der Grenze Mexikos und Guatemalas. Die Frauen in diesem Dorf verdienen sich ihr Geld durch nähen und sticken von Blusen und Tuniken mit traditionellen Mustern. In der nahegelegenen Stadt San Cristóbal de las Casas werden ihre beliebten "chalecos de Aguacatenango" für umgerechnet fünf Euro verkauft.

Bei Zara wird in diesem Sommer wieder eine Bluse angeboten, die ganz offensichtlich das gleiche Muster trägt – für etwa 30 Euro. "Die Blumenmotive, Margeritenblüten vor allem, die Verzierungen, die es auch an der Fassade der Dorfkapelle gibt – all das kann kein Zufall sein." (SZ)

Können die Indigenen Mexikos etwas gegen den Ideenklau der Modeketten tun?

Sie versuchen es – und sie haben Hilfe dabei. Zum einen ist die in Mexiko bekannte Sängerin Susana Harp aus Oaxaca in den Senat gewählt worden. Sie verspricht, etwas dagegen tun zu wollen, dass sich große, internationale Unternehmen einfach so aus dem mexikanischen Kulturgut bedienen, ohne dafür zu bezahlen.

Auch das Nationale Institut für Anthropologie und Geschichte will eine eigene Plattform aufbauen, um Plagiate zu sammeln und aufzuzeigen. (SZ)

Allerdings ist die rechtliche Lage schwierig, denn die mexikanischen Indigenen haben sich ihre Muster natürlich nicht urheberrechtlich geschützt. Harp hofft, durch öffentlichen Druck und Sensibilisierung für das Thema etwas beegen zu können.

Machen H&M, Zara und Mango das häufiger?

Die großen Modeketten werden häufiger mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert, auch von den großen Designmarken. Allerdings wird bei den Großen nicht ganz so offensichtlich geklaut (die Großen können sich aber ja auch die großen Anwälte leisten). 

Es gibt Mode-Experten, die sagen, dass die großen Modeketten, die Mode für Jedermann zu erschwinglichen Preisen anbieten, damit dafür sorgen, dass bestimmte Trends lebendig bleiben. Das beruhigt die Designer aber natürlich nicht wirklich. (Welt)

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Ist das eine Tür – oder ein Strand? Diese Frage spaltet gerade das Internet

Wir haben "The Dress" überlebt – den großen Streit über die Frage, ob dieses Kleid nun blau-schwarz oder gold-weiß ist (Wikipedia). Wir haben auch "Laurel und Yanny" überstanden – die Audiodatei, die Menschen in zwei Gruppen spaltete, die entweder das eine oder das andere hörten (bento).

Doch kaum, dass sich die Menschheit wieder einigermaßen zusammengerauft hat, erscheint nun der nächste Streitfall.