Bild: Screenshot: Mert Eksi
Nach einem neuen Hass-Video reicht es seinem Geschäftspartner.

"Ich toleriere Schwule einfach nicht, ich akzeptiere das nicht", und "Das ist unmenschlich." - wegen solcher homophoben Aussagen in einem Video auf YouTube hat der Videoblogger und Musiker Mert Eksi seinen Geschäftspartner Divimove verloren.

Die Firma kümmert sich um die Vermarktung von Online-Promis wie Eksi und hat nun auf Facebook verkündet, "mit sofortiger Wirkung" nicht mehr mit Eksi zusammenzuarbeiten. Über Eksi schreibt Divimove in der Stellungnahme:

"Leider ist er in der Vergangenheit mit zunehmend provokanten Inhalten aufgefallen, zu denen wir mit ihm das Gespräch gesucht haben und zu denen wir uns schon früher hätten öffentlich äußern müssen."​​

Liebe Freunde, liebe Partner, liebe Community, Divimove steht für Offenheit, Toleranz, Meinungsfreiheit, Akzeptanz und...

Posted by Divimove on Tuesday, February 28, 2017

Das Video vom Montag mit dem Titel "Statement", in dem obige Aussagen gefallen sind, hat nun offenbar dazu geführt, dass Divimove handelte. Mittlerweile ist das umstrittene Video nicht mehr auf Eksis YouTube-Kanal verfügbar, der rund 700.000 Abonnenten hat.

In einem zweiten Video mit dem Titel "Statement 2" hat Eksi aber bereits nachgelegt. Darin beschwert Eksi sich über die Sperrung des ersten Videos durch YouTube: "Ich weiß echt nicht, warum." Außerdem moniert Eksi, dass sich ausgerechnet jetzt viele Nutzer, beispielsweise auf Twitter, kritisch zu ihm äußern und ihm Homophobie vorwerfen. "Die Leute tun so, als hätte ich irgendetwas Neues gesagt."

Kritik kommt auch von YouTube-Kollegen, etwa iBlali. Er betreibt einen der größeren YouTube-Kanäle Deutschlands mit mehr als zwei Millionen Abonnenten.

Gleichzeitig freut sich Eksi in seinem zweiten Video darüber, dass er wegen seiner Äußerungen aktuell so viel Aufmerksamkeit bekommt. Er deutet an, dass es Absprachen mit anderen YouTubern gebe, die er im Austausch für einen Link auf deren Angebot beleidigen dürfe.

Erst vor Kurzem hat auch der weltweit erfolgreiche YouTuber PewDiePie aus Schweden wegen geschmackloser Aktionen seinen Werbepartner verloren: Nach antisemitischen Witzen auf seinem Kanal trennte sich Geschäftspartner Disney von ihm.

Dieser Text ist zuerst bei SPIEGEL ONLINE erschienen.


Gerechtigkeit

Warum man uns vor Rassisten im EU-Parlament nicht schützen muss
Und die Zensur Quatsch ist

Der Rauswurf hat Martin Schulz bekannt gemacht: Als ein griechischer Abgeordneter im EU-Parlament gegen Türken hetzte, zwang ihn der damalige Parlamentspräsident, die Sitzung zu verlassen (bento). Sowohl der Rauswurf als auch die Rede des Griechen konnten im Livestream verfolgt werden, die Videos sind bis heute abrufbar (Website des EU-Parlaments).

In Zukunft werden wir solche Fälle leider nur noch zensiert verfolgen können.

Denn die Geschäftsordnung des EU-Parlaments sieht neuerdings vor, dass der Präsident "im Fall verleumderischer, rassistischer oder fremdenfeindlicher Äußerungen" den Livestream der Sitzung unterbrechen oder die entsprechenden Aufnahmen anschließend aus dem Videoarchiv löschen kann.

Das mag auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen, es klingt nach Sorge um die Bürger, nach Schutz. Doch es ist der falsche Weg.