Bild: dpa/Britta Pedersen

Harte Gitarrenriffs schallen von der Hauptbühne, die Menge springt wild umher. Eine Gruppe vor der Bühne beschmeißt sich mit Schlamm, ein Betrunkener hüpft mit einem lauten "Huiiiiii!" vom Bungee-Kran. Willkommen beim herrlich verrückten Festival "Haltestelle Woodstock" in Polen!

"Haltestelle Woodstock" gehört mit durchschnittlich 450.000 Besuchern im Jahr zu den größten kostenlosen Festivals Europas. Es findet immer im August im Örtchen Kostrzyn nad Odrąkurz, direkt hinter der Grenze zu Deutschland statt. 

Doch nun macht die polnische Regierungspartei PiS Stimmung gegen das Festival. 

Innenminister Mariusz Blaszczak sieht eine erhöhte Terrorgefahr in diesem Jahr – weil das Festival so nahe an der deutschen Grenze stattfinde, sei es nicht ausgeschlossen, dass Islamisten nach Polen einreisen. Er erinnerte an Anis Amri, den Attentäter, der vergangenes Weihnachten in Berlin mit einem Lkw in eine Menschenmenge fuhr (Rzeczpospolita auf Polnisch).

Auf Twitter legte PiS nach. "Wollt ihr wirklich ein Festival auf polnischem Boden, bei dem muslimische Migranten teilnehmen?", fragt die Partei in einem Tweet: 

Dem Tweet beigefügt ist ein Screenshot mit einem Zitatausschnitt vom Veranstalter des Festivals, Jerzy Owsiak. Er soll in einem Interview gesagt haben, dass er sich darauf freue, wenn Gäste aus einem Flüchtlingsheim in Frankfurt/Oder zu "Haltestelle Woodstock" kommen würden.

Frankfurt/Oder ist nur 30 Kilometer entfernt, mit dem Auto braucht man etwa 40 Minuten. Auch Berlin ist nicht weit – gerade deshalb ist das Festival bei vielen Deutschen beliebt.

So sieht es auf "Haltestelle Woodstock" aus:
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Ein großer Anreiz zu kommen: Es ist umsonst. Das Festival wird nur von Spenden und Sponsoren finanziert (rbb). Und trotzdem bietet es ein gutes Line-Up: 

Neben vielen polnischen Bands treten auch einige internationale Headliner wie Mando Diao oder Amon Amarth auf.

Zwischen den Konzerten zieht ein bunter Zug durch die Menge – es sind die Hare Krishnas, die immer wiederkehrend ihr Mantra singen und sehr prominent auf dem Festival vertreten sind. 

Das Festival glänzt auch mit Freizügigkeit, hier wird gesoffen und sich halbnackt im Schlamm gerauft. "Free Hug"-Schilder entdeckt man an jeder Ecke. Kein Wunder, dass sich auch die katholische Kirche über das Festival aufregte (Berliner Kurier).

Festivalchef Jerzy vermutet daher auch, dass es der Regierung nicht um die Sicherheitslage – sondern um die Freizügigkeit beim Festival geht.

Denn die rechte Regierungspartei PiS versucht, Polen Schritt für Schritt in ein nationalkonservatives Land zu verwandeln: 

  • Ein neues Versammlungsgesetz erschwert Demonstrationen, gegen Justiz und Medien geht die Regierung hart vor. 
  • Die Europäische Union hat gegen Polen bereits ein Verfahren zum Schutz des Rechtsstaats eröffnet – zum ersten Mal in der Geschichte. Die EU befürchtet, dass in ihrem Mitgliedsstaat Menschenrechte verletzt werden (bento).

Bereits 2016 stufte PiS das "Woodstock"-Festival als "Veranstaltung mit erhöhtem Risiko" ein. 

Die Festivalleitung hatte daher bereits im vergangenen Jahr die Sicherheitsbestimmungen verschärft. Und auch dieses Jahr seien 1500 Polizisten im Einsatz und es gelten noch strengere Auflagen, so Festivalchef Owsiak in einem offenen Brief

Er regte sich über die angeblichen Sicherheitsbedenken ziemlich auf: Der Innenminister solle das zum 23. Mal stattfindende Festival nicht politisieren, empört sich Owsiak. Die Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden funktioniere seit Jahren wunderbar. (Lausitzer Rundschau)

Der Verdacht: Es geht nicht um Sicherheitsfragen – sondern nur darum, dass die Regierung Stimmung gegen Muslime machen will.

Und es zeigt sich: Bei Sicherheitsfragen ist die Stimmung gereizt. Vergangene Woche wurde "Rock am Ring" unterbrochen, wegen Sicherheitsbedenken. Später stellten sie sich als unbegründet heraus. 

Der Festivalveranstalter war trotzdem wütend. Und machte Muslime für seinen Verlust verantwortlich:


Gerechtigkeit

Aldi verkauft jetzt kugelsichere Westen und Waffenscheine. Stimmt das?

Bei Twitter und in rechten Facebook-Gruppen geht seit einigen Tagen ein Foto herum, das dort wohlwollend beklatscht wird. Es zeigt angeblich den aktuellen Prospekt der Discounterkette Aldi Nord. 

Im Angebot: Pfefferspray und Schlagstöcke, außerdem eine Schulung für den Kleinen Waffenschein und eine Schutzweste für 399 Euro. Schützt gegen "Stich und Ballistik" steht daneben.