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ie Suche der Katze mit Hut beginnt im Park. Sie steht mit ihren Freunden vor ihrer Wohnung, in der sie nicht mehr leben dürfen. Deshalb suchen sie nach einer neuen.

Die Katze mit Hut gehört Mona (31) und Uli (29). 

Die drei sind seit Monaten auf der Wohnungssuche in Köln – und haben aus Verzweiflung ein dreiminütiges Musikvideo aufgenommen. Darin tänzeln die drei als Puppenversion durch die Stadt, sie singen davon, dass sie gerne werkeln, die Arbeit im Garten lieben, dass sie mehr sind als Mitbewohner; Freunde nämlich. 

Sie ziehen um die Häuser, tanzen im Regen, der auch Konfetti sein könnte, und erzählen, wie gerne sie eine neue Wohnung hätten, die ihnen wieder das Gefühl gibt, „Zuhaus´ zu sein“. 

„Mittlerweile haben wir schlaflose Nächte“

Knapp zwei Jahre kennen sich Uli und Mona schon. So lange, wie sie auch gemeinsam in ihrer Wohnung im Stadtteil Ehrenfeld leben.

Sie mögen ihre 78-Quadratmeter-WG mit kleinem Garten, in der sie eigentlich immer zu Dritt gewohnt haben, bis ihr Mitbewohner vor kurzem auszog. Jetzt müssen auch Mona und Uli raus – ihr Vermieter hat ihnen wegen Eigenbedarf gekündigt. Sie müssen sich auf die Suche nach einer neuen Wohnung machen. 

Eine Dreier- oder Vierer-WG sollte es sein, wenn es geht in Ehrenfeld oder Nippes, zwei der hipperen Kölner Stadtteile, oder auch drumherum. Das ist wichtig, weil Mona als mobile Friseurmeisterin mit dem Fahrrad unterwegs ist und dort die meisten ihrer Kunden hat.

Und in welcher Stadt solltest du leben? Unser Quiz hilft dir weiter:

Sie suchen, was viele suchen: etwa 80 Quadratmeter, eine Wohnküche, WG-geeignete drei bis vier Zimmer, bei zwei weiteren Mitbewohnern etwa 1.600 Euro, gerne mit Balkon, gerne so, dass sie noch viel selbst in der Wohnung gestalten können. Das sind ihre Vorstellungen.

Uli, der Musiker ist, ahnte schon, dass es schwierig werden könnte, diese Wohnung zu finden. Gut 50 unbeantwortete Wohnungsbewerbungen, diverse Aushänge und verteilte Visitenkarten später, weiß er es. „Die Wohnung sitzt uns im Nacken, wir haben mittlerweile schlaflose Nächte“, sagt er. Beide sind nur noch frustriert: von der Suche, der Situation. Davon, dass meistens nicht mal eine Antwort zurückkommt.

Wohnen in der Großstadt wird immer teurer.

Bezahlbaren Wohnraum in einer deutschen Großstadt zu finden, das ist in den letzten Jahren nicht nur für Mona, Uli und Uschi schwierig geworden. Im ganzen Land steigen die Mieten seit Jahren, allein 2016 um durchschnittlich 1,8 Prozent. 


In Großstädten wird es noch teurer. Laut Mietspiegel-Index des Hamburger Forschungsinstituts F+B aus diesem Jahr zahlen Mieter in München über 70 Prozent mehr als die durchschnittliche Bundesmiete von 6,54 Euro pro Quadratmeter. In Stuttgart sind es 49 Prozent, in Hamburg und Köln jeweils über 20.

Für WGs zeigt sich das gleiche Bild: 353 Euro kostet ein WG-Zimmer in einer der 94 deutschen Hochschulstädte (Städte mit mehr als 5.000 Studierenden) durchschnittlich, zeigen Zahlen des Moses-Mendelssohn-Instituts aus dem Juni. Das sind über 100 Euro mehr als die  BAföG-Wohnkostenpauschale. 

Kommt man neu in eine Stadt, wird es noch teurer, wie Dr. Stefan Brauckmann, Direktor des Mendelssohn-Institutes, sagt: „Studierende, die in der bisher fremden Hochschulstadt noch nicht vernetzt sind und auf dem freien Markt suchen, zahlen häufig wesentlich mehr.“ 

Die Folge: Die Suche nimmt immer verrücktere Ausmaße an. Bewerbungsmappen mit Selbstauskunft und Lebenslauf für den Makler bringen viele schon zur Besichtigung mit, WG-Bewohner geben sich als Paare aus, Lebensläufe werden gefälscht.

„Das Video soll unsere Persönlichkeit zeigen“

Auch Mona und Uli merken, dass sie mit „herkömmlichen Methoden“ nicht mehr weiterkommen. Eines langen Abends in der WG-Küche kam ihnen die Idee: ein WG-Bewerbungsvideo. Eines, wie die „Katze mit Hut“ der Augsburger Puppenkiste. 

Was das Video ausdrücken soll, da waren sich die beiden schnell einig: 

Mona und ich verdienen nicht das große Geld ...

... der Clip soll daher vor allem unsere Persönlichkeit zeigen. Ausdrücken, wer wir sind. Damit können wir punkten; gerade im unpersönlichen Internetzeitalter“, sagt Uli, der eine Leidenschaft fürs Filmen hat. 

Beide machten sich ans Werk: bauten Puppen, Mona nähte ihnen Kleider, Uli schrieb mehrere Songs und wählte den besten fürs Video aus. Sie feilten an der Geschichte der drei Marionetten und setzen sie gemeinsam mit Freunden um. 

Viel Mühe haben die beiden investiert, wochenlang ihre Freizeit geopfert, in der Hoffnung, bald eine neue Wohnung zu finden, in der sie sich wohlfühlen. „Uns ist wichtig, dass wir gemeinsam lachen und eine gute Zeit haben können“, sind sich beide einig. Ein besonderes Profil für zukünftige Mitbewohner haben die beiden nicht, das müsse einfach menschlich passen, sagen sie. Bevor die WG-Castings starten können, muss erst einmal die neue Wohnung gefunden werden. Bis jetzt war leider noch nichts dabei.

 


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