Bild: Getty Images / fiftyfifty / bento
Ein Umstyling der anderen Art.

Bluse, Perlenohrringe, gerader Blick: Die Dame an der Bar wirkt wie eine Geschäftsreisende. Dabei lebt sie seit zehn Jahren auf der Straße.  Vanessa, 36, hat sich für "Repicturing Homeless" fotografieren lassen. Das Projekt holt Wohnungslose vor die Kamera – und fotografiert sie in einem ganz anderen Kontext. 

Wir haben mit Hubert Ostendorf über das Projekt gesprochen: Er leitet die Redaktion des Straßenmagazins "fiftyfifty" und hat an "Repicturing Homeless" mitgearbeitet. 

Worum geht's? 

Abschätzige Blicke und Sprüche wie "Geh mal arbeiten" seien für Wohnungslose alltäglich, erzählt Hubert Ostendorf. Vielen Menschen fehle das Verständnis für die Obdachlosen und deren Probleme. Statt zu helfen, behandelten sie die Wohnungslosen wie Luft. 

#nofilter

Werbeplakate, Fitness-Accounts, die Instagram-Storys von Khloé Kardashian: Ist hier eigentlich noch irgendwas echt? Unsere Fotoserie #nofilter zeigt Menschen, ohne bezahlte Partnerschaften und mit realistischen Problemen. Hier gibt es Bilder und Illustrationen, die wichtige Fragen stellen.

Die "Repicturing Homeless"-Bilder brechen mit diesen Erwartungen: Was passiert, wenn die sonst von der Gesellschaft Ausgeschlossenen in Bürokleidung und in einer schicken Hotelbar abgelichtet werden?

Und wie fühlen sich die Models im ungewohnten Look – als Barkeeperin im Hotel, Manager am Schreibtisch oder als Modeschöpfer im Atelier? Neun Wohnungslose, die "fiftyfifty" auch auf der Straße verkaufen, haben sich dafür fotografieren lassen.

Die Bilder in der Slideshow:

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Wer hatte die Idee?

Die Idee zum Projekt kam von der Marketing- und Kommunikationsagentur Havas: Wohnungslose sollten für sogenannte Stockbilder im Arbeitsleben gezeigt und fotografiert werden. Stockfotos von Agenturen werden universell genutzt ("in stock" heißt übersetzt "auf Vorrat"), beispielsweise in den Medien und in der Werbung. Gemeinsam mit der Bildagentur Getty Images und dem Straßenmagazin "fiftyfifty" hat die Agentur diese Idee umgesetzt: Die gefragtesten Stock-Kategorien sollten mit neuen Fotos der Wohnungslosen ergänzt werden. 

Das sind die weiteren Nachher-Fotos der Teilnehmer: 

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Welchen Job die Wohnungslosen symbolisch auf den Fotos einnehmen, haben sie gemeinsam individuell festgelegt. So habe der Wohnungslose Karl-Heinz seine Unterkunft mit indianischen Bildern dekoriert. Das Projekt sollte seine kreative Ader widergespiegeln – deshalb sei er als Modedesigner zu sehen. 

Die entstandenen Fotos können zur Nutzung kostenpflichtig heruntergeladen werden, der Erlös geht an die Wohnungslosen

Was hat das zu bedeuten?

"Die Bilder sollen ein Lehrstück für die ganze Gesellschaft sein: Die Menschen sollen erkennen, dass Statussymbole wie eine schicke Uhr oder ein Anzug eine große Rolle in unserer Wahrnehmung spielen. Aber der Absturz in die Obdachlosigkeit geht schneller, als viele denken", sagt Ostendorf. Eines der Portraits hänge an der Düsseldorfer Johanniskirche, zehn Mal zehn Meter sei es groß. "Es tut den Wohnungslosen gut, dass einmal in ihrem Leben zu ihnen aufgeschaut wird", sagt Ostendorf. 

Stimmt denn die Weisheit "Kleider machen Leute"? Ja und nein, sagt Ostendorf:

"Neue Kleidung macht einen Moment lang einen Unterschied. Die Wohnungslosen müssen sich selbst und ihre Situation aber auch akzeptieren.

Erste Nachahmer hätten bereits angefragt: Eine Initiative aus Köln wolle ebenfalls Obdachlose vor Ort im Stil von "Repicturing Homeless" ablichten. Auch ausländische Interessenten aus Frankreich, China und den USA hätten sich gemeldet. Darüber freue er sich natürlich, sagt Ostendorf, noch wichtiger sei ihm aber, dass Menschen Wohnungslosen anders begegnen: "Die Gesellschaft muss akzeptieren, dass Wohnungslose dazugehören."


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