Bild: Sebastian Willnow/dpa

Rund 65.000 Menschen sind nach Chemnitz gekommen, um gegen Rassismus und rechte Hetze ein Zeichen zu setzen – gemeinsam mit Künstlern wie den Toten Hosen, Kraftklub, K.I.Z sowie Casper und Marteria. Die Abreise der Zuschauerinnen und Zuschauer verlief nach Polizeiangaben friedlich und störungsfrei. Im Zusammenhang mit dem Konzert sei es zu keinen Straftaten gekommen.

Was waren die Reaktionen auf das Konzert?

Vor dem Konzert hatten verschiedene Politiker  – darunter auch Paul Ziemiak, der Vorsitzende der Jungen Union – Kritik für das Open Air, vor allem wegen der Band Feine Sahne Fischfilet und deren angeblichen linksextremen Tendenzen. Dabei traf die Kritik auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der auf Facebook das Konzert beworben hatte. (bento)

Für Empörung sorgte ein Tweet von AfD-Fraktionsvize Beatrix von Storch. Nach dem Konzert schrieb sie: "Ihr seid nicht mehr. Ihr seid Merkels Untertanen, ihr seid abscheulich – und ihr tanzt auf Gräbern."

Im Internet verfolgten Zehntausende das #wirsindmehr-Konzert im Livestream. Im Publikum vor Ort ertönten immer wieder Sprechchöre gegen Rassismus und gegen Nazis – und am Ende stand sogar Die-Ärzte-Bassist Rodrigo González zusammen mit den Toten Hosen auf der Bühne, gemeinsam spielten sie den Ärzte-Song "Schrei nach Liebe".

Wie geht es jetzt weiter?

Für Chemnitz und Sachsen steht jetzt wohl wieder der Alltag im Kampf gegen Rassismus und rechtsextreme Gewalt an. Landes-Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) will am Dienstag eine Streitschrift vorlegen, in der sie eine gesamtdeutsche Aufarbeitung der Zeit nach der Wiedervereinigung fordert. Als eine der Ursachen für die Wut und Unzufriedenheit vieler Ostdeutscher sieht sie die unbewältigten Ungerechtigkeiten und Lebensbrüchen nach der Wende.

Der aus Thüringen stammende Fraktionsgeschäftsführer der SPD im Bundestag, Carsten Schneider, warnte davor, bald wieder zur Tagesordnung überzugehen. "Die Situation in Ostdeutschland ist fragil. Die Demokratie dort ist nicht so gefestigt, die politische Mitte nicht so stark. Ich bin sehr besorgt", sagte er am Montagabend in der Phoenix-Fernsehsendung "Unter den Linden". 

Der sächsische Landtag will Hintergründe und Folgen der Vorfälle aufarbeiten, die seit dem gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen bundesweit für Erschrecken sorgen (bento). Dazu hat Ministerpräsident Michael Kretschmer für Mittwoch eine Regierungserklärung angekündigt. Im Zusammenhang mit den Protesten und Demonstrationen in Chemnitz gibt es bisher 51 Ermittlungsverfahren. Meist seien die Täter unbekannt, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden.

Der gemeinsame Demonstrationszug von AfD und Pegida am Samstag gibt unterdessen der Debatte über eine Beobachtung der Partei durch den Verfassungsschutz neue Nahrung. Davon unabhängig nehmen der niedersächsische und der Bremer Verfassungsschutz bereits jetzt den AfD-Nachwuchs ins Visier (bento).

Mit Material von dpa


Gerechtigkeit

Kraftklub ruft – 65.000 kommen: So emotional waren Künstler, Zuschauer und das Konzert in Chemnitz

Es waren mehr Menschen, als erwartet – viel mehr. Etwa 65.000 Zuschauerinnen und Zuschauer haben sich am Montag in Chemnitz versammelt, um unter dem Motto #WirSindMehr gegen rechte Hetze zu demonstrieren. Die Polizei hatte zunächst mit 20.000 gerechnet. (SPIEGEL ONLINE)

Zuvor war Chemnitz mehrfach Schauplatz von rechten Demonstrationen und Gewalt geworden. (bento)

Zu dem Protest gegen die rechte Szene hatte die Chemnitzer Band Kraftklub aufgerufen – mit prominenter Unterstützung von vielen anderen Musikern wie den Toten Hosen, Marteria und K.I.Z.