Bild: Tim Ireland/AP/dpa
2 Fragen, 2 Antworten

Wimbledon ist vorbei, das erste Mal seit Steffi Graf hat mit Angelique Kerber wieder eine Deutsche das Tennisturnier in London gewonnen. (SPIEGEL ONLINE

Anders als beim Fußball geht es auf solchen Turnieren aber sehr gesittet zu. Statt Fan-Schals und grölenden Biertrinkern sieht man im Fernsehen Damen mit ausladenden Hüten und britische Lords mit Champagnerkelchen. Tennis haftet bis heute an, eine Sportart der Reichen zu sein. Das Preisgeld für den Sieg im Finale untermauert das: Kerber darf sich über 2,5 Millionen Euro freuen. (Tennismagazin)

Die Kehrseite dieses Luxus-Sports berichten Angestellte des Turnierausrichters "All England Lawn Tennis Club (AELTC)". Sie geben an, sich während des wichtigsten Tennis-Turniers der Welt teilweise aus Mülleimern ernährt zu haben – weil ihr Gehalt nicht gereicht haben soll, um während der 15-Stunden-Schichten Mittag- oder Abendessen zu kaufen. Zudem hätten sie ihre Pausen auf dem Fußboden verbringen müssen, weil für sie keine Pausenräume bereitgestellt worden seien. (Guardian)

Was genau ist passiert? 

  • Die Schichten der Reinigungskräfte begannen während des Turniers um 8 Uhr morgens und endeten um 22 Uhr
  • Während dieser Zeit stand ihnen eine Stunde Pause zu, meist im Zeitraum zwischen 12 und 15 Uhr. 
  • Pro Tag wurde ihnen ein Essenszuschuss von 11,50 Pfund (rund 13 Euro) gezahlt. 
  • Angestellten in anderen Bereichen soll bis zu 30 Pfund (34 Euro) gezahlt worden sein. 
  • Viele Reinigungskräfte wurden über Subunternehmen angestellt. 

Der britischen Tageszeitung Guardian berichtet eine anonyme Angestellte: 

"Es ist nicht ungewöhnlich, dass wir Putzkräfte uns auf die Köche verlassen, am Ende des Abends etwas übrig Gebliebenes an uns weiterzugeben. Ich habe aber auch Leute gesehen, die sich zum Beispiel Sushi-Pakete aus dem Müll gefischt haben, wenn sie wirklich spät dran waren mit ihrer Schicht."

Wie reagieren die Verantwortlichen?

Der Veranstalter AELTC äußerte sich unkonkret zu den Vorwürfen: "Wir wertschätzen all unsere Angestellten, die uns bei der Ausrichtung der Meisterschaft unterstützen. Schichten und Pausenzeiten werden einmal im Jahr gemeinsam mit den Unterfirmen abgesprochen. Die Reinigungskräfte bekommen einen Zuschuss zum Essen und vertraglich zugesicherte Pausen."

Zuvor war bekannt geworden, dass Wimbledon-Angestellte im Cateringbereich deutlich unter der Armutsgrenze bezahlt wurden. Im teuren London liegt diese bei mindestens 10,20 Pfund (11,50 Euro) in der Stunde. Gezahlt wurden ihnen 8 Pfund – selbst in der Nachtschicht. (Guardian

Ein Sprecher des Subunternehmens LSS, welches viele der Wimbledon-Angestellten unter Vertrag hat, entgegnete den neuen Vorwürfen: "Menschen sind das Herz unseres Unternehmens."


Gerechtigkeit

"Er ist ein Täter, er gehört vor Gericht": So hart kritisiert der Lifeline-Kapitän Horst Seehofer
2 Fragen zu den Seenotrettern

Was ist passiert?

Der Kapitän des Rettungsschiffes "Lifeline", Claus-Peter Reisch, ist zurück in Deutschland – und er erhebt schwere Vorwürfe gegen die Europäische Union und die Regierungen ihrer Mitgliedsländer. Besonders harte Worte fand er für Bundesinnenminister Horst Seehofer.

"Es ist beschämend, dass die EU mehr dafür tut, Seenotrettung zu verhindern, als gegen das Sterben im Mittelmeer", erklärte der 57-Jährige in einem schriftlichen Statement vor seiner Landung am Flughafen München.

Mindestens 277 Menschen seien ertrunken, seit die Rettungsschiffe auf Malta festgesetzt sind. "Wir diskutieren jetzt also ernsthaft, ob es legitim ist, Menschenleben zu retten? Hätten wir die Leute einfach ertrinken lassen, würde ich jetzt wohl nicht vor Gericht stehen, das ist schäbig und eine Gefahr für die Demokratie."

Über Seehofer schrieb der "Lifeline"-Kapitän: "Er ist ein Täter, er gehört vor Gericht, er muss zurücktreten."