Bild: T-Ser
War es eine rassistische Kontrolle?

Sechs junge Männer sitzen im Park, fünf von ihnen sind schwarz. Die Sonne scheint, sie arbeiten, haben Laptops und Notizbücher dabei. Etwas Illegales haben sie nicht gemacht.

Dann kommt die Polizei, steuert zielgerichtet auf die Männer zu, will die Ausweise sehen. Die Polizistin und der Polizist gehen auch nicht weg, als die Ausweiskontrolle beendet ist. Später holen sie Verstärkung, die Polizisten kontrollieren erneut die Ausweise – und verweisen die Männer des Parks.

So jedenfalls stellt es der Wiener Rapper T-Ser dar, er ist einer der sechs Männer. Er und seine Freunde werfen der Polizei Rassismus und Racial Profiling vor. Sie sind sicher: Sie seien kontrolliert und schikaniert worden, weil sie schwarz sind. Die Polizistinnen und Polizisten hätten sie also aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder nationalen Herkunft verdächtigt. 

Was wissen wir?

Videos zeigen Teile des Vorfalls. Sie wurden von einem der Rapper aufgenommen, Teile davon sind auch auf Instagram zu sehen. Die Videos zeigen nicht den ganzen Vorfall, es ist also durchaus möglich, dass vorher und hinterher Dinge passiert sind, die das Verhalten der Polizisten oder der Rapper in einem anderen Kontext erscheinen lassen.

Zu sehen ist unter anderem, wie die Polizisten nach der Ausweiskontrolle neben den Rappern stehen bleiben. T-Ser und seine Freunde sind genervt. "Wir sind fertig", sagt der Polizist. "Sie brauchen nicht mehr mit uns reden." Als die beiden Polizisten den Park verlassen, ruft offenbar T-Ser ihnen hinterher:

Schämt euch!
T-Ser

So hört man es im Video.

Anschließend kommen die Polizistin und der Polizist mit Verstärkung zurück, die Männer müssen den Park verlassen. Ein Polizist hält T-Ser an der Jacke fest. Der fragt: "Bin ich jetzt verhaftet?" Und: "Können Sie mich bitte loslassen?" Dann lässt der Polizist ihn los.

Auf einem weiteren Video ist zu erkennen, wie zwei Polizisten einen von T-Sers Begleitern an den Arm greifen, offenbar an seine Tasche wollen. Der Mann dreht sich weg und ruft: "Ich will mich normal ausweisen, was ist das?" Dann beruhigt sich die Situation wieder.

Hier ist ein Zusammenschnitt der Videos.

Was sagt die Wiener Polizei?

Sprecherin Irina Steirer rechtfertigte das Vorgehen der Polizei im Gespräch mit der "Austria Presse Agentur". Den Vorwurf der Polizeiwillkür könne sie "nicht bestätigen". In dem Park habe es Beschwerden über weggeworfene Spritzen und Drogendeals sowie Raubüberfälle gegeben, deswegen führe die Polizei Schwerpunktkontrollen durch. Da die meisten Straftaten in dem Bereich Jugendlichen zugerechnet würden, werde eben entsprechend kontrolliert. "Sonst halten sich in diesem Park vorwiegend Mütter mit kleinen Kindern am Spielplatz auf." (Kleine Zeitung/Oe24.at)

Steirer zufolge sollen die Männer die Polizistinnen und Polizisten als "Nazis" bezeichnet und "Fickt's euch" gerufen haben. Den Machern des Podcasts "Machiavelli – Rap & Politik" sagte die Sprecherin, Teile der Gruppe hätten die Kontrolle nicht ernst genommen. 

"Ein Teil der Gruppe war kooperativ und hat die Ausweise vorgezeigt. Zwei aus der Gruppe waren nicht kooperativ. Einer der Männer hat ständig mit den Händen vor einem der Beamten herumgefuchtelt. Die Polizei habe drei Anzeigen ausgesprochen: wegen aggressivem Verhalten, Lärmbeschwerde und Anstandsverletzung. Außerdem werde "intern geprüft, ob ein Fehlverhalten der Beamten vorliegt". (Kleine Zeitung)

Was sagt T-Ser?

"Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass es Racial Profiling war", sagt er im Gespräch mit bento. "Es war ein warmer Sonntag, wir hatten Laptops und Notizbücher auf den Tischen – und uns sogar mit den Eltern der spielenden Kinder unterhalten." 

Anders als die Polizei es darstellt, hätten er und seine Kollegen niemanden beleidigt und auch nicht gestikuliert. "Ich habe 'Schämt euch' gesagt, nicht 'Fickt euch'", beteuert T-Ser.

Als schwarzer Mensch fühle er sich im Umgang mit der Wiener Polizei schon lange unwohl. "Ich habe solche Kontrollen bereits an die 30 Mal erlebt. Meine weißen Freunde fast noch nie." Bisweilen hätten Polizisten in U-Bahn-Stationen gar auf ihn gezeigt, ihn aus der Menschenmenge herausgegriffen und dann kontrolliert.

Was sagt der Experte?

Wir haben mit Rafael Behr gesprochen. Er ist Professor für Polizeiwissenschaft mit den Schwerpunkten Kriminologie und Soziologie an der Akademie der Polizei Hamburg und sagt: "Racial Profiling ist sowohl in Deutschland als auch in Österreich verboten." Es verstoße zum Beispiel gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. Ob es sich im konkreten Fall um Racial Profiling handle, lasse sich schlecht beurteilen, sagt Behr. Die Videos zeigten nur einen Ausschnitt des Geschehens.

Generell habe sich die Polizei auf den Vorwurf des Racial Profiling eingestellt. "Es hat sich bis zum letzten Polizisten rumgesprochen, dass man Menschen nicht einfach kontrollieren kann, weil sie schwarz sind", sagt Behr. Diese Form der Kontrolle nennt er "direktes Racial Profiling", sie habe abgenommen.

Es gebe aber immer noch so etwas wie "dominantes Racial Profiling". "Der Grundimpuls ist dabei derselbe", so Behr. Eine Person werde hauptsächlich wegen ihrer ethnischen Herkunft kontrolliert. Allerdings beziehe die Polizei dabei auch andere Merkmale mit ein und begründe ihr Handeln dann anders.

Wie geht es jetzt weiter?

T-Ser gibt gerade jede Menge Fernsehinterviews. Die Videos hat er unter dem Hashtag #nichtmituns veröffentlicht. Mehr als 275.000 Menschen haben sie dort bereits gesehen. Der Rapper möchte nun klarmachen, wie rassistisch die Polizei oft vorgehe, wie oft Menschen wie er nur aufgrund der Hautfarbe kontrolliert würden.

Mehr Menschen müssen von ihren Erfahrungen berichten.
T-Ser

Auf Instagram und YouTube veröffentlichte er einen Protest-Track. Der Titel: "F.D.F.".

"Ich hab diesen Song vor über einem Jahr aufgenommen und trotzdem beschreiben die Lyrics ziemlich gut, was am Sonntag passiert ist."

Allein das zeigt doch, dass hinter dem Verhalten der Polizei ein Schema steckt.
T-Ser

Future

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