Bild: T-Ser
Der Preis wurde vom rechtspopulistischen Vize-Bürgermeister verliehen.

Der Rapper T-Ser und fünf Begleiter saßen im Oktober in einem Wiener Park, als sie von Polizisten kontrolliert und schließlich aus dem Park verwiesen wurden – ohne Grund, wie sie selbst sagen. Es gibt Videos, die vermuten lassen, dass es sich um Racial Profiling handelt (bento). 

Jetzt hat der Wiener Vizebürgermeister, Dominik Nepp von der rechtpopulistischen FPÖ, die Polizisten mit einem Preis ausgezeichnet.

Was ist passiert?

Hunderte teilen gerade einen Facebook-Post von Faika El-Nagashi, einer Politikerin der österreichischen Grünen. Sie zeigt einen Artikel aus der Zeitung "Heute" vom Montag. In dem heißt es, dass die Polizisten, die den Rapper und seine Begleiter damals kontrolliert haben, mit einer Auszeichnung geehrt wurden. 

Werner Kaizar, Pressesprecher von Wiens Vizebürgermeister Nepp, bestätigte bento, dass die Polizisten von Nepp das "Goldene Wienerherz" bekamen. 

In dem Artikel heißt es, dass Nepp den Polizisten mit der Auszeichnung zeigen wolle, dass er "solidarisch an der Seite der Exekutive" stehe und ihnen Mut machen wolle.

Die Reaktionen auf diesen Post sind jedoch eindeutig: Neben mehreren Kotz-GIFs stehen auch Kommentare wie "Wahnsinn, das ist eine klare Aufforderung an die Exekutive zum Rassismus. Für die Kontrolle von Österreichern ist noch niemand extra geehrt worden, oder?" oder "Das ist ein absoluter Freibrief von Seiten der FPÖ an derart gesinnte Polizistinnen und Polizisten. Unfassbar".

Gibt es den Preis schon länger?

Die Auszeichnung "Goldenes Wienerherz" ist ein Preis, der durch den Vizebürgermeister verliehen wird. Er wurde von der FPÖ ins Leben gerufen, die damit "engagierte Wienerinnen und Wiener" ehren möchte. Kaizar betont, dass das "Goldene Wienerherz" keine politische Auszeichnung der FPÖ sei, sondern eine Auszeichnung durch den Vizebürgermeister an "über das Maß hinaus engagierte Bürgerinnen und Bürger". Es werden Menschen ausgezeichnet, die sich in verschiedenen Bereichen engagiert haben, ob beim Tierschutz, oder die Zivilcourage zeigten. Der Preis werde unregelmäßig vergeben, erklärte Kaizar. 

Jeder kann jemanden für den Preis nominieren, der Vizebürgermeister entscheide aber am Ende, wer ihn erhalte. 

Was war in dem Park passiert?

Viele berichteten von dem Vorfall, auch wir bei bento. Allerdings steht Aussage gegen Aussage: Videos, die von einem der Rapper aufgenommen wurden, zeigen nicht die gesamte Kontrolle – es ist also durchaus möglich, dass vorher und hinterher Dinge passiert sind, die das Verhalten der Polizisten oder der Rapper in einem anderen Kontext erscheinen lassen.

Hier ist ein Zusammenschnitt der Videos.

T-Ser postete die Videos unter dem Hashtag "#nichtmituns". Er und seine Freunde warfen der Polizei Rassismus und Racial Profiling vor. 

Nachdem die Geschichte bekannt wurde, erzählten immer mehr Menschen unter dem Hashtag #nichtmituns von ihren Erfahrungen mit Rassismus. Eine antirassistische Bewegung formierte sich.

T-Ser reagiert auf die Auszeichnung der Polizisten nur mit einem Song-Zitat:

All i wanna say is that they don’t really care about us!

Posted by T-Ser on Monday, December 3, 2018



Today

Künstlerkollektiv prangert im Netz mutmaßliche Neonazis an – und hätte es lieber lassen sollen

Was führt zu nervtötenden politischen Debatten? Es sind die Extreme. Wenn zwei ganz weit auseinanderstehen und sich nur noch anschreien. Mit ihrer neuen Aktion sucht das Aktivisten-Kollektiv Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) das Extrem. Sie wollen damit Rechtsradikalen schaden – aber könnten sie am Ende stärken.

Was ist passiert?

Das Zentrum für Politische Schönheit fordert dazu auf, Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demonstration von Nazis und Rechtsextremen in Chemnitz zu denunzieren. In einem Schaufenster in Chemnitz und auf der Seite soko-chemnitz.de werden Fotos von Menschen gezeigt, die an Rechtsradikalen Aufmärschen teilgenommen haben sollen – ein Online-Pranger mit angeblich "7000 Verdächtigen".

Nun sollen Menschen ihre Arbeitskollegen, Nachbarinnen, Bekannten und Freundinnen verpfeifen und dafür ein paar Euro kassieren. Arbeitgeber erhalten auf der Seite Hinweise zu Kündigungen, beispielsweise "wegen Rufschädigung". 

Die Aktivisten schreiben: "Während normale Menschen arbeiten, treiben tausende Arbeitnehmer oder Staatsdiener Ausländer durch Chemnitz, attackieren Presse und Polizeibeamte und grüßen Hitler."