Bild: dpa / Olmo Cavo
Menschen in 29 Ländern wurden zu Nächstenliebe befragt.

Die Welt wächst zusammen – aber Deutschland will nicht mitwachsen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage vom Weltwirtschaftsforum (WEF). Das Forum lädt ab Montag die globale Finanzelite nach Davos, dort tagen dann Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik gemeinsam. Einmal im Jahr wollen die Lenkerinnen und Lenker so zu Denkerinnen und Denkern werden – und Lösungen für eine bessere Welt erarbeiten. 

Im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums haben die Initiatoren Menschen aus aller Welt nach ihrem Blick auf die Welt gefragt – und die Deutschen stechen negativ hervor.



Grundsätzlich schauen die Menschen weltweit positiv in die Zukunft. 

Was sind die Grunderkenntnisse der WEF-Studie?

  1. Die Länder der Erde sollen mehr zusammenarbeiten.
  2. Die Befragten stehen Zuwanderung offen gegenüber.
  3. Nationalen und populistischen Alleingängen erteilen sie eine Absage.

Schaut man aber in die Details, wird deutlich, dass nicht alle Länder diese Haltung teilen – gerade Staaten mit rechtspopulistischen Strömungen fallen negativ auf.

Wie wurde bei der WEF-Studie gearbeitet?

Für die repräsentative Umfrage wurden zischen dem 2. und 17 Januar 2019 insgesamt 10.069 Menschen aus 29 Ländern in jeweils etwa elfminütigen Online-Interviews befragt. Es wurden nur Menschen über 18 Jahren befragt, bei der Auswahl der Teilnehmenden wurde auf die Bevölkerungsgröße und den Altersdurchschnitt der jeweiligen Länder geachtet. (WEF-Studie, Seite 2)

Die drei entscheidenden Fragen:

1 "Hat Ihr Land generell eine Verantwortung, anderen zu helfen?" 

In keinem der 29 beteiligten Länder war der Anteil derer, die die Frage bejahten, so gering wie in Deutschland. Nur 54 Prozent bejahten die Frage. Ähnlich niedrig antworteten US-Amerikaner mit 57 Prozent.

Befragte in anderen Ländern hielten Nächstenliebe für deutlich wichtiger, gerade in Ländern, die selbst viele Millionen Geflüchtete aufnehmen. So bejahten unter anderem 87 Prozent der Befragten aus Bangladesch die Antwort und 94 Prozent in Pakistan.

2 "Sind neue Zuwanderer überwiegend gut für Ihr Land?"

Nur 48 Prozent der in Deutschland Befragten sagten Ja. Noch kritischer gegenüber Zuwanderung äußerten sich unter anderem Italien (30 Prozent), Polen (32), Russland (33) und Frankreich (39).

Die höchsten Zustimmungswerte gibt es in Ägypten und Indien (je 79 Prozent sagten Ja) und in Saudi-Arabien (79 Prozent). Vor allem bei letzterem stützt sich das Land jedoch auf billige Lohnarbeiter, um Zuwanderung auf Augenhöhe geht es da kaum.

3 "Wie wichtig ist es, dass alle Länder einem gemeinsamen Ziel entgegenarbeiten?"

In den meisten Ländern legen die Befragten viel Wert auf internationale Zusammenarbeit, in Deutschland sind es nur etwas über die Hälfte. Demnach halten nur 64 Prozent Zusammenarbeit für "extrem wichtig" oder "wichtig". Noch geringer fallen nur Frankreich (46 Prozent), Großbritannien aus (59) und Italien (61) aus.

Hohe Zustimmungswerte gibt es unter anderem in Kolumbien und Südafrika (je 88 Prozent) und Indien (89).

Was sagt das aus? 

Das WEF selbst gibt keine Einschätzung zu seinen Zahlen. Dennoch zeichnen sie ein klares Bild: Die Welt globalisiert sich – doch vor allem Länder, die nicht zu den Gewinnern dieser Globalisierung zählen, hoffen auf eine bessere Zukunft. 

Ausgerechnet Länder, die also Wert auf ihre "christliche Kultur" legen, versagen aktuell beim Miteinander.

Es gibt aber auch gute Nachrichten. 

Denn in einem Punkt waren alle Regionen mehrheitlich der selben Meinung: Ob sie dafür wären, Unternehmen, welche die Umwelt verschmutzen, mit höheren Steuern zu belegen

  • In keiner Region der Welt antworteten weniger als 65 Prozent der Befragten mit "Ja". 
  • In keiner Region der Welt antworteten mehr als 15 Prozent der Befragten mit einem klaren "Nein". 
  • Der Rest war sich, wie so oft, nicht sicher. 

Food

Wie aus einem syrischen Fernsehstar eine Berliner Spitzenköchin wurde
"Ich glaube, ich würde so sogar mit der AfD über Essen ins Gespräch kommen!"

Mit  27 war Malakeh Jazmati ein Fernsehstar. Eigene Kochshow, prominente Gäste. Das ist vorbei: Als sie vor drei Jahren mit dem Flugzeug nach Berlin flüchtet, muss sie von ganz von vorn anfangen.

Es ist der dritte Neuanfang in ihrem Leben. Mit viel Glück und ein bisschen Hilfe hat sie eine steile Karriere hingelegt.

Ihr kleines Berliner Restaurant hat dunkles Parkett, warmes Licht, acht Tische, zwei Kellner. Erst vor sechs Wochen hat sie es eröffnet: Trotzdem ist es schon berühmt.

Malakeh ist klein, trägt ein buntes Kopftuch und eine weiße Kochschürze. Sie taucht aus den Flügeltüren zur Küche auf: "Schaut mal, kennt ihr die Zeitung? Die haben über mich geschrieben", sagt Malakeh und huscht schon wieder Richtung Küche.

Vor allem in der arabischen Community kennt man sie. Sie ist ein Fernsehgesicht und steht für einen Teil der Kultur, den viele bei der Flucht zurückgelassen haben. Und für den Mut, zu den eigenen Überzeugungen zu stehen.

Malakeh hatte eine Kochshow beim kleinen, Assad-kritischen Sender "Orient News". Die wurde in Syrien, Jordanien und Ägypten geschaut – überall da, wo man arabisch spricht. Sie sprach und kochte mit Politikern und Künstlern – und kritisierte die Regierungspolitik. Ihrer privaten Facebook-Seite folgen noch immer 7.000 Menschen.

"In der arabischen Straße erkennen sie mich immer und tuscheln."

Malakeh meint die Sonnenallee in Berlin Neukölln, wo sich arabische Gemüseläden, Halal-Fleischer und Geschäfte für Shisha-Tabak aneinanderreihen.

Was tuscheln die denn?

"Oh, Malakeh hat abgenommen. Oder dass mein Restaurant so teuer ist. Aber es ist eben auch gut." Malakeh lacht.

Fragen sie auch nach Rezepten?

"Ja, manchmal."

Und gibst du die raus?