Angefangen hat alles mit einer 15-Jährigen Schwedin, die es nicht mehr hinnehmen wollte, dass niemand etwas wegen des Klimawandels unternimmt. Mit einem Schild, auf dem "Skolstrejk för Klimatet" stand, protestierte sie alleine vor dem Schwedischen Reichstag in Stockholm.

Etwas mehr als ein Jahr später gehen jede Woche Millionen Menschen mit dem gleichen Ziel auf die Straße. Mit "Fridays For Future" hat Greta Thunberg eine weltweite Bewegung erschaffen. Überall kämpfen junge Menschen für ihren Planeten und für ihre Zukunft. Sie fordern, dass sich heute etwas ändert und nicht morgen.

Am 20. September findet der bisher größte Klimastreik der Bewegung statt. Beim globalen Klimastreik wird die Teilnahme von jungen Menschen aus 150 Ländern erwartet.

bento hat mit neun "Fridays For Future" Aktivisten aus Kanada, Paraguay, Italien, Uganda, Pakistan, Russland, Nigeria und Japan darüber gesprochen, wovor sie sich fürchten, wie ihre Regierungen auf die Proteste reagieren und was ihnen Hoffnung macht. 

Australien: Fatima Kidwai, 19, organisiert Proteste in Melbourne. 

"Wenn ich vor ein paar Monaten mit Leuten über den Klimastreik gesprochen habe, haben viele erstmal gefragt, was das überhaupt sei. Inzwischen treffe ich niemanden mehr, der nicht weiß was das ist.

Beim ersten Streik im November waren es 8.000 Leute, beim zweiten im März dann schon 50.000. Diesen Freitag erwarten wir noch mehr. Viele Firmen in Melbourne haben extra wegen des Streiks geschlossen, damit ihre Mitarbeiter mit demonstrieren können. Die Universitäten haben Rundmails geschrieben, dass Studenten keine Bestrafung fürchten müssen, wenn sie nicht erscheinen.

Der Premierminister hat mal gesagt, in den Schulen solle es weniger Aktivismus geben und mehr gelernt werden. Auch wenn das keine positive Äußerung über uns war, haben wir uns trotzdem gefreut. Es zeigt, dass wir seine Aufmerksamkeit haben."

Vanessa Nakate, 22, aus Uganda, reist zum Jugend-Klimagipfel der UN nach New York

"In Uganda hat noch kein Politiker irgendetwas über die Proteste gesagt. Ich bin mir nicht mal sicher, ob sie davon wissen. Ich habe sechs Monate demonstriert und niemanden hat es wirklich interessiert. Dann wurde ich zum ersten Mal von Journalisten aus Uganda kontaktiert. Die Kommentare unter dem Artikel waren harsch. Die Leute haben gesagt, dass ich meine Zeit vergeude, dass ich verrückt und komisch sei. Das fühlte sich nicht sehr gut an. Aber ich interessiere mich nicht dafür, was die Leute über mich sagen, ich will den Planeten retten. Zum Glück unterstützt mich meine Familie inzwischen.

Viele sind nicht stark genug, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Also müssen wir, die stark genug sind, auf die Straße gehen und Veränderung fordern."

Gaia de Luca, 20, aus Italien hat die "Fridays For Future"-Bewegung in ihrer Heimatstadt Cosenza ins Leben gerufen

"Hier in Italien ist die Bewegung sehr groß. In meinem Heimatort Consenza interessiert die Menschen nicht wirklich, was wir tun. Jedenfalls jetzt noch nicht. Viele denken, wir machen nur Lärm oder schwänzen die Schule. Sie verstehen nicht, in was für einer Krise wir stecken. Natürlich würden wir lieber zur Schule oder zur Uni gehen, aber wir sind gezwungen zu streiken.

Im Moment arbeite ich nur für 'Fridays For Future', aber bald geht die Uni wieder los. Ich werde trotzdem genau so weitermachen. Es macht mir Angst, dass ich vielleicht in 20 Jahren nicht mehr raus gehen kann, kein frisches Wasser habe oder Bäume, die mich mit Sauerstoff versorgen. Dass so viele andere junge Menschen auf der Welt mit mir streiken, lässt mich glauben, dass wir wirklich etwas Wichtiges tun können."

Iqbal Badruddin, 27, aus Pakistan hat für "Fridays For Future" seinen Job aufgegeben.

"'Fridays For Future' hat in Pakistan an den Universitäten begonnen. Hätten wir die Schulkinder gebeten zu streiken, wäre die Bewegung schon tot. Die Eltern und die Regierung wären dagegen. Das Bildungsniveau in Pakistan ist so schon sehr niedrig. Da sollen die Kinder in der Schule bleiben. Viele Menschen können nicht lesen und schreiben, sie haben noch nie etwas vom Klimawandel gehört und wissen erst recht nicht, was man dagegen unternehmen kann. Unsere Hauptaufgabe ist es, die Leute aufzuklären.

Die neue Regierung in Pakistan setzt sich gegen den Klimawandel ein. Aber als Entwicklungsland ist es schwierig. Wir sind glücklich, dass sich die westlichen Länder für etwas einsetzten, das sie nicht so sehr betrifft wie uns. Es motiviert uns sehr. Pakistan ist eines der Länder, die am meisten vom Klimawandel betroffen sind. Nur wegen der internationalen Proteste und der Berichterstattung darüber tut sich hier etwas."

Nigeria: Ayeni Faith Damilola, 25, arbeitet bei einer Umweltschutzorganisation

"Ich freue mich auf den 20. September. Es wird der Tag sein, an dem die Menschen auf den Straßen mit der gleichen Botschaft vereint sind. Unsere Stärke ist diese Gemeinschaft und der Zusammenhalt. So werden noch mehr Menschen von der Klimakrise erfahren.

In Nigeria ist der Klimawandel kein großes Thema. Es wird in den Medien kaum darüber berichtet. Und das obwohl Nigeria ein Klima-Hotspot ist. Die Westafrikanischen Länder sind jetzt schon wärmer als der Rest der Welt. Der Tschadsee ist in den letzten 50 Jahren um mehr als 90 Prozent geschrumpft, wegen Überschwemmungen sterben hier regelmäßig Menschen. Den meisten ist nicht klar, dass das mit dem Klimawandel zusammenhängt. Und wenn, haben sie Angst zu protestieren.

Die Regierung hat auf die Proteste anders reagiert, als erwartet: Wir wurden nicht bedroht. Aber sie helfen uns auch nicht. Ich fordere, dass sie den Klimanotstand für Nigeria ausrufen. Denn hier leiden die Menschen schon unter dem Klimawandel. Sie hungern, sie müssen fliehen. Die Kinder sollten eine Zukunft haben, und wenn wir nicht jetzt handeln, haben wir keine."

Paraguay: Makarena Gimenez, 21, hofft auf eine größere Beteiligung Menschen jeden Alters beim globalen Klimastreik.

"Ich glaube, die jungen Leute in Paraguay sind sich des Klimawandels bewusst. Sie haben einen offenen Geist. Sie fragen sich, warum die Abholzung immer mehr wird, warum so viel Plastik benutzt wird. Sie hinterfragen alles. Bei den Älteren ist das nicht so. Vielen sind die Proteste egal. Die Menschen hier denken nicht an die Zukunft. 

Wir wollen, dass die Politiker sofort reagieren. In der Klimakrise existiert keine Zeit. Wir müssen jetzt handeln und davor hören wir nicht auf. Mein liebster Streik bisher war der für den Amazonas vor der brasilianischen Botschaft. Es waren nicht nur junge Leute, Menschen jeden Alters haben sich uns angeschlossen. Wir lagen zusammen auf dem Boden. Das hat sich toll angefühlt."

Russland: Makichyan Arshak, 27, demonstriert oft allein für das Klima

"Ich habe im Oktober vergangen Jahres das erste Mal von Greta Thunberg gehört. Dann habe ich mehr über die Klimakrise gelesen, was schwer ist in Russland, weil es hier fast keine Informationen dazu gibt. Mein erster 'Fridays For Future' Protest war am 15. März. In Russland braucht man eine Genehmigung für Demonstrationen. In Moskau werden sie aber fast immer abgelehnt oder nur im 'Sokolniki-Park', auf einem eingezäunten Gelände, erlaubt. Weit weg vom Zentrum, wo uns niemand sieht. Daraufhin habe ich beschlossen, jede Woche allein im Stadtzentrum zu protestieren. Einen Antrag auf Erlaubnis muss man erst ab zwei Demonstranten stellen.

„Ich glaube, die Regierung verbietet uns die Demonstrationen, weil sie Angst vor uns haben.“

Am Anfang musste ich noch viel lernen. Was schreibe ich auf meine Schilder? In den ersten Wochen habe ich etwas über das Pariser Klimaabkommen geschrieben. Bis ich gemerkt habe, dass keiner weiß, was das ist. Die Botschaften mussten simpler werden. 

Ich habe mich als Armenier in Russland nie richtig zu Hause gefühlt. Aber durch 'Fridays For Future' habe ich hier viele Freunde gefunden. Es fühlt sich an, als wären die anderen Protestierenden auf der ganzen Welt meine Familie."

Kanada: Allie Rougeot, 21, will keine Kinder bekommen, wenn Politiker nicht gegen den Klimawandel aktiv werden

"Menschen, die denken, dass 'Fridays For Future' nur eine Ausrede zum Schule schwänzen ist, würde ich gerne mal einladen, mich einen Tag zu begleiten. Es ist so viel Arbeit, das alles zu organisieren und zu koordinieren. Mir bleibt mit dem Studium kaum Zeit für etwas anderes.

Aber ich komme aus einem reichen Land, aus einer stabilen Familie. Es wäre inakzeptabel, wenn ich in meiner Position nichts tun würde. Der Klimawandel ist ja kein unlösbares Problem. Wir wissen, was wir verändern müssen, also sollten wir das auch. 

Wir haben hier vor zwei Tagen ein Versprechen gegeben: 'Keine Zukunft, keine Kinder'. Wenn die Politiker nichts Sinnvolles gegen den Klimawandel unternehmen, dann werden wir keine Kinder bekommen. Es wäre einfach verantwortungslos."

Japan: Takuro Kajiwara, 18, ist wütend auf die Politiker in seinem Land

"Ich glaube, die meisten Leute in Japan wissen nicht mal, was das Wort Klimakrise bedeutet. Die Medien berichten zwar darüber, aber es interessiert sie einfach nicht. Ich muss zugeben, dass es mir auch so ging. Im Unterricht habe ich dann mehr über den Klimawandel gelernt und verstanden, dass das eine echte Krise ist. Nicht nur für Japan sondern für die ganze Welt. Danach bin ich Teil von 'Fridays For Future' geworden. 

Ich bin richtig wütend auf die Erwachsenen. Wir übertreiben nicht: Wir kämpfen hier um unsere Zukunft. Was macht es dann noch für einen Unterschied, ob wir zu Schule gehen? Wir sind oft deprimiert. Wir stecken so viel Zeit und Kraft in diese Proteste und es scheint hier niemanden zu interessieren. Oft fragen wir uns, ob es sich überhaupt lohnt weiterzumachen, ob wir überhaupt etwas bewirken können. Aber das überall auf der Welt junge Leute auf die Straße gehen, macht uns Mut.

Der globale Klimastreik wird der größte in Japan bisher. Wir erwarten 1000 Teilnehmer und neben Tokyo sind 14 andere Städte dabei. In Japan sind Demonstrationen nicht gerne gesehen. Sie gelten als aggessiv. "


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