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Russische Kampfflugzeuge bombardieren Ziele in Syrien. Wem gelten die Angriffe? Was wir über Russlands Absichten wissen – und was nicht.
Was bisher passiert ist
  • Russische Kampfflugzeuge bombardieren seit Mittwoch Ziele in Syrien. Russland unterstützt damit den syrischen Machthaber Baschar al-Assad. Offizielle Begründung: Russland will den Islamischen Staat bekämpfen.
  • Den Kampfeinsatz im Ausland hat sich Putin zuvor vom russischen Parlament absegnen lassen.
  • Schon vorher hatte Putin angekündigt, Assad helfen zu wollen: "Wir sollten anerkennen, dass niemand anderes als die Truppen von Präsident Assad den IS wirklich bekämpfen", sagte er vor der Uno-Vollversammlung.
Wen genau bombardiert Russland?
Russische Kampfflugzeuge über Moskau(Bild: dpa/Yuri Kochetkov)

Die Bomben fielen offenbar auf Städte in der Umgebung von Homs im Westen Syriens. Diese Gebiete werden nicht vom Islamischen Staat beherrscht, sondern von syrischen Rebellen – das sind unter anderem die Gruppen, die als erstes gegen Syriens Diktator Assad revoltierten. Die vom IS kontrollierten Gebiete liegen weiter östlich.

(Bild: Spiegel Online)
Also bekämpft Putin gerade die einzigen Demokraten in Syrien?

Das ist nicht sicher. Die syrische Opposition ist in viele verschiedene Organisationen zersplittert, unter ihnen radikalislamische Gruppen wie "Ahrar al-Scham" und die Nusra-Front, die sich zu al-Qaida bekennt. Andererseits kämpfen in den bombardierten Gebieten auch Einheiten, die sich zur "Freien Syrischen Armee" (FSA) zählen. Das ist der lose Verband der Oppositionellen, die seit dem Arabischen Frühling gegen Assad kämpfen.

Den Vorwurf, auch die gemäßigte Opposition bombardiert zu haben, weist Russland zurück. Allerdings sagte Außenminister Lawrow, es gehe ausschließlich um den Kampf gegen den IS und "andere Terrorgruppen". Mit dieser Formulierung könnte er auch oppositionelle Gruppen meinen.

Was will Putin erreichen?
(Bild: dpa/ Ria Novosti Pool)

Russland ist ein enger Verbündeter der syrischen Regierung. Schon seit Beginn des Bürgerkriegs hält Putin eisern zum Diktator – obwohl der den Aufstand gegen sein Regime blutig niederschlagen lässt.



Russland verlöre durch den Sturz der syrischen Regierung im Nahen Osten bedeutend an Einfluss. Womöglich strebt Russland auch ein geteiltes Syrien an, um zumindest einen Teil des Einflussgebietes der derzeitigen syrischen Regierung zu bewahren.



Ein weiterer Grund für die Bombardements: Unter den Kämpfern des Islamischen Staats befinden sich tausende Russen. Zuletzt gab es Anzeichen, dass der Islamische Staat auch im Nordkaukasus Fuß fassen möchte. Dort geht Russland schon länger gegen islamistische Kämpfer vor.

Und was sagt die russische Bevölkerung?

Die ist nicht wirklich scharf auf noch einen Krieg. Laut einer Umfrage des russischen Lewada-Zentrums lehnen 69 Prozent der Russen das militärische Eingreifen ab. Nur 14 Prozent sind dafür. Eine große Mehrheit befürwortet allerdings Waffenlieferungen an Assad.

Und jetzt?
Die meisten Flüchtlinge, die derzeit nach Deutschland kommen, stammen aus Syrien. Am Hamburger Hauptbahnhof versorgen jeden Tag viele Freiwillige die Geflüchteten. Hier erzählen die Helfer ihre Geschichte.