Ich freue mich, wenn ich Freunden Geld schulde. Ehrlich. Denn wenn’s ans Zurückzahlen der Kohle fürs Festivalticket oder Katerfrühstück geht, dann ist sie da: die Möglichkeit, in 140 Zeichen herrlichen Blödsinn zu verzapfen. Ich meine den Verwendungszweck der Überweisung, dem besten Kommunikationsmittel – ever.

Die Klassiker der Betreffzeilen:

  • Black Jack und Nutten
  • Für sexuelle Gefälligkeiten
  • PENIS

Vergangenen Herbst ging das Foto eines Briefes rum, der vor den möglichen Folgen solcher Scherze warnte. In dem Brief drohte die Bank ihrem Kunden mit der Kündigung des Kontos, weil dort eine Summe mit dem Betreff "Waffenfähiges Plutonium" eingegangen war. ("Die Welt")

Zwar deutete der Betrag von 40,02 Euro in dem Zusammenhang auf einen Scherz hin, trotzdem müsse die Bank den Vorgang aus rechtlichen Gründen prüfen, hieß es in dem Schreiben.

Das klang für mich doch ein bisschen zu pedantisch, um wahr zu sein.

Gibt es wirklich Menschen, die Terroristen und illegale Waffenhändler für so dämlich halten und erwarten, sie würden bei ihren Geschäften auf eine ordentliche Buchführung achten?

Die Antwort bekam ich vor kurzem.

Ein Kumpel hatte meinen Laptop getunt, ich wollte ihm das Geld für ein paar Hardware-Teile überweisen. In die Betreffzeile schrieb ich: "Mac – den Witz mit dem waffenfähigen Plutonium verkneif ich mir – hihi."

Hätte ich mal lieber nicht gemacht.

Denn bald danach klingelte der Bankberater meines Freundes bei ihm durch und machte ihm klar, dass der Kredit für seine Firma in Gefahr sei – wegen eben dieser Überweisung, die eine ganze Sicherheitsmaschinerie in Gang gesetzt hatte.

Ein Witz, und schon ist der Kredit meines Kumpels in Gefahr? Die Antwort lautet: Ja.

"Im Grunde kann jeder in den Verwendungszweck eintragen, was er möchte", sagt Julia Topar, Sprecherin des Bundesverbandes deutscher Banken. Doch es gebe einige Begriffe, die sollte man sich lieber verkneifen. Eben alles, was man irgendwie mit illegalen Geschäften und Straftaten in Verbindung bringen könnte.

Der Grund ist erst einmal nachvollziehbar: Banken sind verpflichtet, Geldwäsche zu verhindern (wie gut das klappt, sei mal dahingestellt #PanamaPapers). Deswegen gibt es spezielle Software, die alle Überweisungen nach Schlüsselbegriffen wie "Bombe", "Schwarzgeld" oder eben "Plutonium" durchsucht. Auch die Namen von Leuten, die auf Sanktionslisten stehen, sind in den Programmen hinterlegt. Die Begriffslisten sind geheim.

Wird das Programm fündig, landet die Überweisung auf dem Schreibtisch des Geldwäschebeauftragten der Bank. "Im schlimmsten Fall kann es dazu kommen, dass die Polizei ermittelt", sagt Topar.

Solche Betreffzeilen seien aber sogar im Kommen: "Vor allem zur Karnevalszeit ist das ein weit verbreitetes Phänomen", erklärt Topar.

Natürlich sei es fraglich, ob Kriminelle tatsächlich auf die Idee kommen würden, ihre Überweisungsträger wahrheitsgetreu auszufüllen. Aber: "Das könnte ja auch eine Finte sein." Offenheit sei manchmal die beste Tarnung. Deswegen tun sich Banker so schwer, über die Scherze ihrer Kunden zu lachen.

Genaue Zahlen, wie viele vermeintlich gefährliche Überweisungen sich als witzig gemeinter Fake herausstellen, gibt es nicht. Dafür finden sich im Netz allerdings einige Videos und Rankings mit den "lustigsten Verwendungszwecken".

Manchmal steckt aber weder kriminelle noch humoristische Absicht hinter einer Überweisung, die einen Alarm auslöst. In Kalifornien geriet Anfang des Jahres ein Mann unter Terrorverdacht, der lediglich seinen Hundesitter bezahlen wollte. (SPIEGEL ONLINE)

Das Problem: Er packte "Dash", den Namen des Pitbull-Mischlings mit in den Verwendungszweck. Und "Dash" ähnelt "Daesh", die arabische Bezeichnung für die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). "Na super, habe ich mir gedacht. Sie stoppen den dümmsten Terroristen der Welt", sagte der Mann damals einem lokalen Fernsehsender.

Mein Freund konnte über den ganzen Trouble wegen der Plutonium-Überweisung übrigens lachen. Für seinen Kredit ging er aber zu einer anderen Bank.


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