In den vergangenen Monaten hat sich die AfD zu einer Partei entwickelt, die Deutschlands politische Landschaft maßgeblich mitbestimmt. Neben Flüchtlingen und Migranten greifen die Rechtspopulisten vor allem Menschen mit muslimischem Hintergrund an. Mehrfach hat die AfD-Führung betont, dass sie den Islam nicht als Teil Deutschlands betrachtet.

Dabei gehören Millionen von Muslime schon längst zur deutschen Realität. Viele von ihnen betrachten sich als Deutsche. Eine Rückkehr in die Heimat schließen viele von ihnen aus - Deutschland und kein anderes Land ist ihre Heimat.

Wir haben junge Muslime gefragt: Was denkt ihr über die AfD und ihre Thesen? Mit welchen Gefühlen begegnen sie den Aufschwung der Rechtspopulisten?
Tara, 21, Studentin, Augsburg
Die AfD ist rassistisch, homophob und frauenfeindlich. Das ist keine falsche Beurteilung, das ist Fakt.
Tara, Studentin aus Augsburg
Die AfD spricht sich in ihrem Parteiprogramm gegen den „politischen Islam“ aus. Die AfD und ihre Anhänger unterscheiden aber nicht. Ich selbst bin nicht sehr religiös, doch das ist den meisten egal. Das Feindbild, das die AfD verbreitet, geht viel weiter.

Es ist nicht nur der Islam: Die AfD stellt die Zugehörigkeit von Millionen Migranten in Frage. Es geht um die Kulturen, aus denen die Menschen kommen oder die Haut- und Haarfarbe, wie man an der Boateng-Debatte deutlich erkennen konnte.

Deutschland ist der AfD nicht mehr deutsch genug. Ich bin entsetzt darüber, wie schnell meine Zugehörigkeit als Teil von Deutschland von einer Tatsache zur Frage wurde. Deutschland ist meine Heimat, und selbst wenn ich noch eine andere Kultur oder Sprache kennen oder eine andere Religion ausleben würde, würde sich daran nichts ändern.
Wer sind die neuen Rechten? Die Fotostrecke:
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Immer öfter entwickeln sich in meinem Bekanntenkreis Pläne, in die Türkei zurückzukehren oder auszuwandern. Viele Menschen können aber nicht wieder in die Heimat oder haben nichts mit der Heimat ihrer Eltern zu tun.

Auswandern kann nicht die Lösung für wachsenden Rassismus sein.

Aber wie sieht die Zukunft junger Muslime in einem Land aus, in dem die AfD in Parlamenten sitzt?

Als eine Art Protestpartei schürt die AfD Ängste und ist damit erfolgreich. Was mich stört, ist nicht nur, dass sie so viel Zulauf bekommt, sondern wie viele Menschen die AfD nicht als rassistisch wahrnehmen.

Viele meinen etwa, man solle vorsichtig sein und die Partei nicht zu früh verurteilen. Doch das ist meines Erachtens völlig falsch. Die AfD ist rassistisch, homophob und auch frauenfeindlich. Das ist keine falsche Beurteilung, sondern Fakt.
Farid, 30, Arzt, Berlin
Doch was tut man als Deutscher mit Migrationshintergrund gegen eine solche Art von Anfeindungen?
Farid, Arzt aus Berlin
Als ein in Berlin geborener und aufgewachsener Mensch mit iranischen Wurzeln hat man es zurzeit nicht gerade leicht in Deutschland. Ganz unabhängig davon, ob man ein gläubiger Muslim ist oder nicht: Das "arabische" Aussehen ist ausreichend für viele Menschen, über uns zu urteilen.

Die AfD gießt in Zeiten wie diesen dann natürlich mit Aussagen wie "Der Islam ist ein Fremdkörper" zusätzliches Öl ins Feuer und fördert damit den Fremdenhass.

Doch was tut man als Deutscher mit Migrationshintergrund gegen eine solche Art von Anfeindungen? Sich dem Druck beugen? Den eigenen Glauben leugnen?
Ich denke, dass man rechtspopulistischen Parteien den Wind aus den Segeln nehmen muss, indem genau wir – junge Deutsche mit Migrationshintergrund – uns bestmöglich in die Gesellschaft integrieren und die Rechten somit eines Besseren belehren.

Ein Blick in meinen eigenen Freundeskreis, der überwiegend aus Migranten und auch gläubigen Muslimen besteht, führt mir immer wieder vor Augen, dass wir uns auf einem sehr guten Weg befinden. Die meisten meiner Freunde und Bekannten haben nämlich bereits einen erfolgreichen Universitätsabschluss sowie einen gefestigten und angesehenen Stand in der heutigen Gesellschaft.
Wenn Menschen sich ein Feindbild geschaffen haben, helfen Fakten leider nicht mehr.
Nasreen, Studentin aus Frankfurt
Nasreen, 24, Studentin, Frankfurt
Sehr oft muss ich wirklich über die AfD schmunzeln. Vor allem wenn Aussagen wie „Muslime gehören zu Deutschland, aber der Islam nicht“ geäußert werden. Wie soll das denn gehen? Eine Aussage, die völlig absurd ist. Die jüngsten Äußerungen von AfD-Vize Alexander Gauland über den Nationalspieler Jérôme Boateng machen ein weiteres Mal deutlich, in welche Richtung sich die Partei bewegt:

Im Kern geht es ihnen gar nicht um den Islam oder um Muslime. Unter dem Deckmantel der sogenannten Islamkritik geht es um die Idee eines anderen Deutschlands.

Deshalb empfinde ich es als wichtig, dass mit ihnen nicht ein Islamdiskurs geführt wird, sondern ein Diskurs über das Grundgesetz.
Bild: Getty Images / Carsten Koall
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Wenn Menschen sich ein Feindbild geschaffen haben, helfen Fakten leider nicht mehr.
Nasreen, Studentin aus Frankfurt
Ich bin weniger wütend oder verletzt, sondern verspüre viel mehr ein Gefühl der Machtlosigkeit. Wenn Menschen sich ein Feindbild geschaffen haben, helfen Fakten leider nicht mehr. Einerseits möchte man gerne einen Diskurs mit ihnen führen, andererseits weiß man gar nicht, wo man anfangen soll.

Genau diese Menschen, die behaupten, Muslime dürfe man nicht kritisieren, blenden komplett aus, dass dies in jeder abendlichen Talkshow gemacht wird und sich in jeder Buchhandlung Bücher von Islamkritikern stapeln.

Abgesehen davon ignorieren sie die Lebenswirklichkeiten von Millionen von Muslimen, die in den unterschiedlichsten Berufen hart arbeiten, ihre Steuern zahlen und gesetzeskonform und friedlich mit ihren Nachbarn zusammenleben. Sie führen eben ein ganz normales Leben. Die Religion steht ihnen nicht im Weg.

Was wir momentan in Deutschland erleben, ist auch keine Islamisierung, sondern eine Entchristianisierung.

Kein Muslim würde seinen christlichen Nachbarn den Weg in die Kirche oder Weihnachten verbieten. Das Erschreckende ist für mich, dass die Behauptungen der geistigen Brandstifter immer mehr in unserer Gesellschaft Fuß fassen und damit die Zahl von islamfeindlichen Übergriffen sowie Anschlägen auf Flüchtlingsheime tagtäglich steigen.

Salim, 21, Blogger, Berlin
Wer soll sich hier in was integrieren?

Ich habe mittlerweile eingesehen, dass man es gewissen Leuten niemals wird recht machen können. Es ist wieder Zeit zu bekennen – das heißt für mich als Muslim, dass meine Religion, mit all ihren Dogmen, kleinen und großen Ritualen, der Gemeinschaft und den jenseitigen Konsequenzen unseres Lebens, an die ich glaube, mir Zuflucht bietet in stürmischen Zeiten.

Meine Religion ist etwas, in das mir niemand reinzureden hat.

Wir sind alle gefragt, konkret zu handeln. Statistiken machen deutlich: In Orten mit einem besonders geringen Anteil an Muslimen verzeichnet die AfD paradoxerweise in besonderem Maße politische Erfolge. Es braucht also vor allem echte und ehrliche Begegnungen mit Muslimen.

Es ist auch wichtig zu verstehen, wie Vorurteile funktionieren. Ein Vorurteil verfälscht die Erfahrung. Es vereinfacht: Eine Gruppe aus Individuen zu einer gesichtslosen Masse. Dadurch fällt es dem Menschen leichter, mit gutem Gewissen zu hassen. Zum Glück ist es aber nie zu spät, weitere – in diesem Fall echte – Erfahrungen zu sammeln.
Miriam, 23, Studentin, Stuttgart
Islamfeindliche Bilder werden nämlich schon seit Jahren durch die Medien projiziert.
Miriam, Studentin, Stuttgart
Es fällt mir schwer, objektiv über die AfD zu urteilen. Klar fühle ich mich als junge Muslimin persönlich angegriffen, wenn verkündet wird, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Dann frage ich mich immer wieder, wann dieser Diskurs über den Islam begonnen hat und wie der sich so krass hochschaukeln konnte. Ich denke, die AfD war nur noch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Islamfeindliche Bilder werden nämlich schon seit Jahren durch die Medien projiziert. Es ist immer dasselbe: Der gefährliche Muslim, der schon als Terrorist betrachtet wird, sobald er nur fünfmal am Tag betet. Dann denke ich mir jedes Mal: Wir leben in einem Rechtsstaat, und die Religionsfreiheit ist demnach gegeben.

Was die AfD macht, ist nicht gesetzeskonform und wird früher oder später als verfassungswidrig eingestuft.

Ich habe palästinensische Wurzeln. Viele Menschen erkennen oft jedoch nicht, dass ich ursprünglich aus dem Nahen Osten stamme. Sie sind immer wieder erstaunt, wenn sie von meiner Herkunft erfahren. „Aber eine Muslimin bist du ja nicht, oder?“, fragen sie dann.

Viele Menschen meinen ernsthaft zu wissen, wie eine Muslimin auszusehen hat. Doch sobald sie dem Stereotyp nicht entspricht, wundert man sich, dass sie – dieses arabische, türkische oder afghanische Mädchen – tatsächlich studiert, westlich geprägt ist, oft kein Kopftuch trägt, aber dennoch eine Muslimin ist.
Ich muss zugeben: Wirklich bedroht fühle ich mich von der AfD nicht. Ich habe überwiegend deutsche Freunde, und die sind genau so entsetzt vom Wahlprogramm wie ich. Ich glaube, die Bürger, die sich zur AfD bekennen, sind unzufriedene, verzweifelte Menschen, die gerne auf Minderheiten herumtrampeln, um ihr Gewissen zu beruhigen.

Doch früher oder später, sobald sie sich einmal gründlich mit dem Wahlprogramm befasst haben, werden sie merken, dass sich ihre Probleme nicht lösen lassen, indem man Minderheiten zum Sündenbock macht.

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