Bild: Federico Gambarini/dpa, Montage: bento

Die Grünen als stärkste Kraft mit 28,73 Prozent, mit Abstand gefolgt von der SPD mit 14,99 Prozent und der CDU mit 12,74 Prozent: Das ist keine Utopie, sondern das wäre Realität – zumindest, wenn in Deutschland nur unter 18-Jährige wählen dürften (U18). Für die anstehende Europawahl gaben 100.000 Jugendliche in Deutschland ihre Stimme ab – zur Übung. Koordiniert wurden die Probe-U-18-Wahlen vom Deutschen Bundesjugendring. 

Bravo, liebe GroKo. Die Jugend hat hier ganz deutlich gezeigt, was sie von euch hält: fast nichts. Kein Wunder.

Kolumne: Gestern ihr, morgen wir

Klimaschutz, Artikel 13, Gleichberechtigung: Ständig muss man die Verantwortlichen daran erinnern, nicht nur "Alte-Leute-Poltik" zu machen. Madeleine Hofmann bleibt geduldig: In ihrer Kolumne "Gestern ihr, morgen wir" macht sie darauf aufmerksam, wo diese jungen Leute mal wieder vergessen wurden – und was getan werden muss, um endlich für Generationengerechtigkeit zu sorgen. 

Seit Monaten gehen Tausende Schülerinnen und Schüler freitags auf die Straße, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren. Sie haben sogar Vorschläge parat, wie es die Regierung besser machen könnte. Sie werden dabei unterstützt von Hunderten Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen. Umfragen des ZDF zeigen, dass für Jungwählende (gemeint sind alle zwischen 18 und 30 Jahren) derzeit die wichtigsten Probleme Umweltschutz, Energiewende und Klima sind. 

Aber den Regierenden ist das: ziemlich egal.

Die GroKo-Politiker machen weiter Symbolpolitik für den Weltuntergang. Sie loben die demonstrierenden Schülerinnen und Schüler, doch an ihrer Klimapolitik ändern sie: nichts. Wen kümmern schon die Warnungen der Experten und das Geschreie derjenigen, die zum Teil sowieso noch nicht wählen dürfen? 

Beim Sondergipfel der EU im rumänischen Sibiu wollte die Kanzlerin mit den Aktivistinnen und Aktivisten von "Fridays For Future" nichts am Hut haben (ZDF). Emmanuel Macrons Vorhaben, den Klimawandel zum Kernthema der EU-Politik zu machen, fand sie ganz fein, aber nicht fein genug, um mitzumachen (TAZ). Zumindest, bis ihr die nächste große internationale Bühne geboten wurde: Beim Petersberger Klimadialog wenige Tage später wollte Merkel Macron dann doch unterstützen. Käme natürlich auf die Umsetzung an, aber prinzipiell findet sie offenbar Treibhausgasneutralität für Deutschland bis 2050 ganz okay (Tagesspiegel). Jubel bitte, die "Klimakanzlerin" hat gesprochen. Sie hat ein Ziel! Das zu erreichen ist allerdings erstmal das Problem der Anderen.

Also derjenigen, die den Stillstand der Kanzlerin und ihrer Truppe ausbaden müssen. Merkel wird in absehbarer Zeit keine Kanzlerin mehr sein, irgendwann in den kommmenden Jahren in Rente gehen. Und 2050, wenn die Treibhausneutralität angeblich erreicht sein soll – da dürften dann für Merkel vermutlich auch die besten Rentnerinnenjahre vorbei sein. Sie wäre dann immerhin fast 100 Jahre alt (Bundeskanzlerin.de). Der Zustand des Planeten? Dann definitiv nicht mehr ihr Problem.

📖 Macht Platz!

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Es ist traurig, das Bild, das unsere Gesellschaft heute abgibt: Kinder schwänzen Schule, weil ihnen sonst niemand zuhört. Die Erwachsenen haben aufgehört, sich um die nachfolgenden Generationen zu kümmern; viele Politikerinnen und Politiker verweigern den Jungen eine aussichtsreiche Zukunft, streben stattdessen nach Profit, Selbstdarstellung und längst vergangenen Zeiten – ohne offene Grenzen, erneuerbare Energien und am besten wohl auch noch ohne Internet. Für sie reicht die Zukunft nur bis zur nächsten Wahl – deshalb interessiert sie eher nicht, was gut für diejenigen ist, die ihnen nur wenige Stimmen bringen. 

Damit muss jetzt Schluss sein!

Für uns über 18-Jährige heißt es: zusammenstehen. Die Zukunftsverweigerer mögen die Stimmen der nicht volljährigen Kinder und Jugendlichen ignorieren. Aber vor denen ihrer älteren Geschwister und Eltern können sie sich nicht drücken: Die machen ihr Kreuz auf dem Wahlzettel. 

Wir, die wählen gehen dürfen, sind es den vielen Minderjährigen schuldig, für ihre Zukunft mitzustreiten, den Verweigerern, die sich in der Politik breitgemacht haben, in den Weg zu stellen. Das Mindeste, was wir tun können, ist, unsere Stimme denjenigen mit Ideen und Plänen für eine nachhaltige, demokratische Zukunft zu geben: Auch schon am kommenden Wochenende – bei der Europawahl. 

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