Bild: Simone van der Koelen
Wir haben die Antwort

Es ist nicht so, dass es an Möglichkeiten scheitert. Es gibt bereits verschiedene Verhütungsmethoden für Männer, für die kein Kondom notwendig ist und für die auch nicht die Samenleiter durchtrennt werden müssen. Doch die sind aus verschiedenen Gründen noch nicht auf dem Markt. Wir haben für euch sieben Methoden zusammengestellt – die einen mehr, die anderen weniger ernst gemeint.

1. Der Verfestiger

Sujoy Kumar Guha ist 78 Jahre alt und arbeitet schon sein halbes Leben an einer Erfindung: Risug. Dabei handelt es sich um ein Gel, das man in den Samenleiter spritzt. Es erhärtet sich innerhalb weniger Minuten und beschädigt alle Spermien auf ihrem Weg nach draußen. Eine weitere Injektion lässt das Gel wieder verschwinden.

Das Verfahren stand in Indien schon mehrmals vor der Marktzulassung, wurde aber wiederholt von der indischen Forschungsaufsicht gestoppt – offiziell wegen immer neuer Zweifeln an der Verträglichkeit. Inoffiziell aber teilte der indische Präsident dem Professor mit, dass es keine wissenschaftlichen Gründe für den Abbruch der Tests gab. Die Pharmalobby habe sein Projekt blockiert, sagt Guha. (The Wire)

Mittlerweile laufen die Tests wieder. Laut einem Bericht der Hindu Times könnte Risug in den nächsten fünf Jahren in Indien auf den Markt kommen. Außerdem arbeitet die US-amerikanische Parsemus-Stiftung an einem Ableger namens Vasalgel, das Samen aus dem Sperma aussiebt. Nach Versuchen mit Kaninchen und Affen steht Vasalgel vor ersten Tests mit Menschen.

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Doch selbst wenn die Methoden in den nächsten Jahren zugelassen werden, könnten sie den meisten Männern vorenthalten bleiben. Für Pharmakonzerne lohnt es sich nicht, die Gels zu produzieren, da sie nur ein Mal gespritzt werden. (taz) Ohne ihre Unterstützung könnten die kleinen NGOs nur eine begrenzte Menge des Gels anbieten.

2. Ist das auch Bio?

Vielversprechend klingt auch ein besonderer indonesischer Tee. Er enthält die Blätter der Justicia gendarussa, einer Heilpflanze, die eigentlich gegen Grippe helfen soll. Männliche Bewohner der Provinz Papua allerdings trinken den Tee schon seit langem, um damit zu verhüten.

Wissenschaftler der Airlangga University testeten in den vergangenen Jahren Pillen aus der Pflanze an Hunderten Männern. Bei 99 Prozent wirkte das Medikament, berichteten die Forscher in einem Interview.

In der Pflanze steckt ein Enzym, das Spermien unbeweglich macht. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen eine leichte Gewichtszunahme und mehr Lust auf Sex. Die Pille soll laut der Airlangga University demnächst auf den Markt kommen, zunächst aber nur in Indonesien. (USA Today)

3. Unter Beschuss

Ungewöhnlich klingt die Ultraschalltherapie. Bei der Methode werden die Hoden mit Ultraschallwellen beschossen, um sie zu erwärmen. Bereits zwei Grad mehr können reichen, um der Spermienproduktion vorübergehend zu schaden.

Die Therapie wurde 1977 erstmals an Katern getestet, vor einigen Jahren folgten Versuche an Ratten. Den einzigen Versuch an Menschen soll ein Doktor M. Fahim von der Universität Missouri durchgeführt haben. Bei genaueren Recherchen lassen sich jedoch weder die Forschungsergebnisse, noch ein Doktor M. Fahim finden.

Wolfgang Bühmann vom Berufsverband der Deutschen Urologen zweifelt nicht nur an der Methode, sondern hält sie möglicherweise auch für gefährlich: "Es wurde bisher einfach nicht erwiesen, dass das Gewebe im Samenleiter nicht dauerhaft verschlossen wird", sagt er.

Wenn etwas erfolgsversprechend aussieht, können Sie sicher sein, dass dem nachgegangen wird. Das ist hier offensichtlich nicht geschehen.
Wolfgang Bühmann


4. Die volle Ladung Testosteron

Weitere Hoffnung stecken Forscher in DMAU, eine Mischung aus den Wirkstoffen Dimethandrolon und Undecanoat. Letzteres nutzen Mediziner zur Behandlung von Testotsteronmangel.

Hierauf basiert die Idee von Testosteron-Pillen für die Verhütung: Die künstliche Zufuhr von Testosteron bremst die körpereigene Produktion des Hormons und verhindert so die Bildung von Spermien. Daneben enthält DMAU noch ein weiteres künstliches Hormon, das Männer vorübergehend unfruchtbar macht.

Bei einem ersten Test der University of Washington beobachteten die Forscher bei vielen der 83 Studienteilnehmer eine leichte Gewichtszunahme, der Cholesterienspiegel sank leicht. Neun Männer berichteten außerdem von einer verringerten Lust auf Sex. Verkraftbare Nebenwirkungen, sagen die Forscher.

Allerdings handelte es sich nur um eine Phase-I-Studie, in der es vor allem um die Verträglichkeit eines Medikaments geht. Die Wirkung wird erst in den nächsten Phasen untersucht. Viele Medikamente, die die erste Hürde nehmen, scheitern in den darauffolgenden Phasen.

5. Keine Angst vor Spritzen

Die WHO und die gemeinnützige Forschungsorganisation CONRAD untersuchten 2011 eine Hormonspritze, die 320 Versuchsteilnehmern alle acht Wochen verabreicht wurde. Auch sie verhinderte durch Testosteron die Produktion von Spermien.

Zu Nebenwirkungen wie Akne kamen bei einigen Teilnehmern eine gesteigerte Lust auf Sex, fast drei Prozent der Teilnehmer fühlten sich depressiv.  Einer der Teilnehmer nahm sich das Leben, seine Familie versicherte aber, dass es keinen Zusammenhang mit dem Versuch gab. Außerdem entwickelte einer eine schwere Depression. Obwohl viele Männer die Spritze trotzdem weiternehmen wollten, wurde das Experiment daraufhin abgebrochen.

Frauen könnten sich an dieser Stelle zurecht beschweren, da die Anti-Baby-Pille ähnliche Nebenwirkungen hat. Sie wurde allerdings in den Sechzigern zugelassen, als die Vorgaben für neue Medikamente noch völlig andere waren. (SPIEGEL ONLINE)

Doch es gibt noch Hoffnung für die Spritze für den Mann: Mit einer anderen Hormonmischung könnte sie verträglicher werden.

6. Die Verhütungsunterhose und gebadete Hoden

Noch skurriler als die Ultraschalltherapie ist eine französische Unterhose, die die Hoden an den Körper schiebt. Die 37 Grad Körperwärme soll der Spermaproduktion schaden. Um zu funktionieren, müsse man die Unterhose 15 Stunden am Tag tragen, berichtete der Entwickler der taz.

Ähnlich soll auch das sogenannte "Hodenbaden" funktionieren, bei dem der Mann seinen Hodensack in Wasser taucht, das auch mal deutlich über 40 Grad heiß sein darf.

Bei beiden Methoden fehlen bisher ordentliche wissenschaftliche Tests. Aus gutem Grund, sagt Bühmann: "Ganz einfache Frage: Würden Sie sich als Proband einer Studie anschließen, von der Ihnen niemand garantieren kann, dass zum Beispiel auch Ihre Testosteronproduktion nicht geschädigt wird?"

Es ist eine skurrile Idee, die Hoden zu verbrennen.
Urologe Bühmann

7. Der Staudamm

Clemens Bimek ist eigentlich gelernter Tischler, gleichzeitig aber auch der Erfinder eines Schalters, der den Spermienfluss verhindern soll.

Nötig ist eine Operation, bei dem ein Arzt je einen Schalter rechts und links an die Samenleiter klemmt. Später kann man sie unter dem Hodensack erspüren und je nach Bedarf umschalten.

Klingt erst mal unkompliziert, ist es aber nicht. Einige Mediziner sehen in dem Schalter eine Gefahr für die Gesundheit, weil der Körper das Material abstoßen oder das Sperma verdicken könnte. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Samenleiter vernarben. (SPIEGEL ONLINE)

Überprüft werden konnte das nicht, da der Erfinder bisher der einzige Träger seiner Erfindung ist. Auch wenn es viele Interessenten geben soll, möchte niemand das Projekt finanzieren. Es ist unwahrscheinlich, dass es sich durchsetzen kann.

Fazit

Einige Verhütungsmittel für den Mann sind nur Humbug. Andere haben noch einen langen Weg vor sich. Aber manche scheinen kurz vor dem Durchbruch zu stehen.

In ein paar Jahren könnte sich unser Verständnis von Verhütung also radikal verändern.

Bis dahin bleibt die Vasektomie – also das Abtrennen der Samenleiter – die sicherste Variante, wenn der Mann die Verhütung übernehmen will. Da sie aber nur schwer rückgängig zu machen ist, sollte man für den Fall der Fälle Sperma einfrieren und lagern lassen.

Mit bis zu 500 Euro für die Vasektomie, 500 Euro für das Einfrieren eines Ejakulats und jährlichen Lagerkosten von 500 Euro ist das extrem teuer. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten im Normalfall nicht.


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