Bild: dpa / Frank Rumpenhorst
Suhl, Kassel, Hamburg - in einigen Unterkünften gab es Trouble. Hier sind 4 Dinge, die der Staat jetzt besser machen muss.

Auffällig ist, dass Zwischenfälle fast ausnahmslos in Unterkünften stattfanden, die deutlich überbelegt waren oder deren Zustand als heruntergekommen beschrieben wurde. Vorschläge, wie man Konflikte künftig verhindern könnte, gibt es viele - über Nacht werden sich die meisten davon aber nicht umsetzen lassen:

1. Mehr Platz

Ursprünglich sollten jedem Flüchtling sieben Quadratmeter zustehen, in der Realität ist es oft viel weniger. "Das Hauptproblem ist nicht die Religion, sondern die beengten Lebensverhältnisse, das Nichtstun und die Perspektivlosigkeit, die viele Menschen über Wochen erleben", sagt die Grünen-Abgeordnete Luise Amtsberg.

Abhilfe soll das Flüchtlingspaket schaffen, das die Bundesregierung gerade beschlossen hat. Die Kommunen bekommen mehr Geld für Wohnungsbau und dürfen komplizierte Sanierungsklauseln künftig übergehen. Zum Beispiel muss eine ausrangierte Kaserne nicht mehr aufwendige Energienormen erfüllen, es genügt fürs Erste, wenn Dach, Fenster und Heizung in Schuss sind.

2. Stärkere psychologische Betreuung

Das fordern Diakonien und Fachverbände. Auch Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sieht Psychotherapien für Flüchtlinge als "besonderes Problem" - weniger wegen eines Mangels an Freiwilligen, sondern eher wegen der Sprachbarrieren. Sein Haus regt nun an, zu prüfen, ob sich unter den Flüchtlingen selbst psychologisch geschulte Menschen finden, die als Berater eingesetzt werden könnten.

3. Schutz vor sexuellem Missbrauch

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung regt besonderen Schutz für Frauen und Kinder in Flüchtlingsunterkünften an, etwa durch geschlechtergetrennte Schlafstätten und Duschräume. Ein Vorstoß, der für das Thema sexuelle Gewalt sensibilisiert - aber aufgrund der Platznot wohl erst einmal hintanstehen dürfte.

4. Bessere Kommunikation

Der Städte- und Gemeindebund fordert einen Leitfaden für jeden Flüchtling, um schon bei der Ankunft "klarzumachen, dass gewalttätige Übergriffe in den Unterkünften nicht toleriert werden". Ideal seien "zwei Seiten Papier in mehreren Sprachen, die erklären: Das darf man, das darf man nicht, das sind die Hausregeln", sagt ein Sprecher. Der Leiter eines Flüchtlingsheims in Niedersachsen hatte kürzlich einen anderen Vorschlag: "Die Flüchtlinge müssen sich von den Mitarbeitern ernst genommen fühlen", sagte er in einem Interview. "Ein freundliches Lächeln ersetzt den Ordnungsdienst."

Eine Version dieses Artikels ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.

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