Mesut Özils Rücktritt ist eine Schande für den DFB. Da ist der Falsche gegangen. Der DFB-Präsident Reinhard Grindel hätte zurücktreten müssen. 

Grindel ist für seinen Job eine Fehlbesetzung.

Jemand, der die deutsche Nationalmannschaft im Jahr 2018 repräsentiert, muss eines verstehen: Es gibt Menschen mit unterschiedlichen Wurzeln, Meinungen und Lebensentwürfen. Sie alle vertreten Deutschland.

Aber Grindel war noch nie Verfechter von "Multi-Kulti". Als CDU-Politiker hat er schon gefordert, junge Deutsche müssten sich für eine Nationalität entscheiden. Da hat er grundsätzlich was nicht verstanden.

Özil wollte nicht länger als Sündenbock für Grindels Inkompetenz herhalten, schrieb er. Recht hat er. 

Die Debatte hat schnell widerliche Züge angenommen – und der gesamte DFB hätte sich hinter Özil stellen müssen. 

Ob das Foto nun eine richtige Entscheidung war oder nicht, darum soll es hier nicht gehen. Es geht um die Debatte danach, und um die Reaktionen. Von Grindel wurde Özil öffentlich gedrängt, sich zum Foto zu äußern. Özil stand ganz alleine da. 

Er schrieb, er sei für Grindel Deutscher, wenn er gewinne, und der Migrant, wenn er verliere. Özils Zugehörigkeit wird von außen also an Bedingungen geknüpft, so empfindet er es. Warum geht es nicht in die Köpfe der Menschen, dass manche nicht nur eine Heimat haben?

Es ist eben nicht so einfach, sich allein zu einer zu bekennen, wenn man doch zwei Kulturen in sich trägt. Özil hat das immer wieder erklärt, während sich die Kommentarspalten mit rechtem Rumgehetze füllten.

Ja, Diskussionen sind wichtig. Auch Kontroversen. Aber der Ton muss stimmen, der Respekt muss vorhanden sein, eine gewisse Differenziertheit. Mit Kontroversen muss eine Gesellschaft – und auch ein Team – vernünftig umgehen können.

Nehmen wir Özils Rücktritt aus der Nationalmannschaft als Statement gegen Rassismus. 

Da bringt es auch nichts, wenn der DFB im Nachhinein sagt, dass sie mit Rassismus nichts zu tun haben. Als es darauf ankam, waren sie für Özil nicht da. 

Deutschland ist noch längst nicht so weit, wie es sein könnte und sollte. Das zeigt sich in solchen Fällen ganz deutlich und macht betroffen. Özil hatte keine andere Wahl, als zurückzutreten. Es wäre unter anderem Grindels Job gewesen, das zu verhindern.


Gerechtigkeit

Schwedin verhindert Abschiebung nach Afghanistan – indem sie einfach im Flieger stehen bleibt
Ihre zwei stärksten Zitate

Eine junge Schwedin hat einen Abschiebeflug nach Afghanistan verhindert. Elin Ersson war am Montagabend an Bord einer Maschine vom schwedischen Göteborg in die Türkei – von dort sollten zwei Insassen weiter in eine Maschine nach Kabul gesteckt werden. 

Aber Elin weigerte sich, sich hinzusetzen – so konnte die Maschine nicht abheben.

Die Schwedin hat ihre mutige Aktion mit einem Livevideo auf Facebook dokumentiert. Ein Flughafensprecher bestätigte später, dass tatsächlich ein 52-jähriger Afghane, der abgeschoben werden sollte, aus der Maschine gebracht wurde.