Vier Möglichkeiten, wie du im Alltag den Wald schützen kannst

Der Regenwald in Brasilien brennt. In Sibirien, Kanada und Alaska vernichteten Feuer im Juli und August große Waldflächen und beschleunigten das Auftauen der Permafrostböden (ZEIT). Und auch in Deutschland sterben immer mehr Bäume ab. 

Der Klimawandel macht den Wäldern zu schaffen. Zusätzlich ist der Wald durch die einseitige Bepflanzung aus Fichten und Kiefern geschwächt. Ein Viertel der deutschen Wälder besteht aus Monokulturen (SPIEGEL). Ein leichtes Ziel für Borkenkäfer und andere Schädlinge. 110.000 Hektar Wald sind den Dürren der vergangenen Jahre schon zum Opfer gefallen (ZEIT). Wenn wir noch eine Chance gegen den Klimawandel haben wollen, brauchen wir gesunde Mischwälder. 

Was kann der Einzelne da schon machen? Wir haben vier Wege herausgesucht, mit denen man den Wald schützen kann – und eine Fachfrau um ihre Einschätzung gebeten:

  • Loretta Leinen ist studierte Forstwissenschaftlerin und setzt sich bei der "Naturwald Akademie" für die Information und Beratung von Bürgern, Waldbesitzerinnen und Politikern zum Thema Naturwald ein. Die folgenden Punkte haben wir nach ihrer Einschätzung sortiert – angefangen mit dem wichtigsten:

Weniger Fleisch essen

Unsere Essgewohnheiten tragen stark zur weltweiten Entwaldung bei: 80 Prozent der jährlich gerodeten Wälder fallen dem Anbau von Nahrungsmitteln wie Soja, Palmöl und Kakao zum Opfer. 70 Prozent des Flächenverlustes wird durch unseren Fleischkonsum und den damit einhergehenden Anbau von Futtermitteln ausgelöst. Ein Drittel unserer benötigten Flächen für den Lebensmittelanbau liegen außerhalb von Deutschland und mehr als die Hälfte davon in Südamerika (WWF). Durch den Verzicht hilfst du vor allem dem Regenwald. Wenn du Fleisch essen willst, dann kaufe bewusst – und möglichst regional. Beim Crowdbutchering von Start-Ups wie "Kaufnekuh" oder "besserfleisch" wird die Kuh zum Beispiel erst geschlachtet, wenn alle Teile von ihr verkauft wurden.

2 Weniger Papier verbrauchen

Durchschnittlich verbraucht jeder Deutsche etwa 250 kg Papier pro Jahr (Bundesministerium für Umwelt), damit sind wir einer der größten Papierverbraucher der Welt. Fast ein Viertel des Zellstoffes wird aus Brasilien importiert und stammt häufig von Plantagen, für die Regenwald gerodet wurde (WWF). "Papier sollte auf das Nötigste reduziert werden. Wenn man es braucht, sollte man auf Recycling-Produkte zurückgreifen. In Deutschland gibt es hervorragende Aufarbeitung von Papier", sagt Loretta. 

Hilfreiche Schritte: 

  • Muss das wirklich gedruckt werden? Die Frage kann man sich selbst stellen – oder auch mal der Firma, in der man arbeitet. 
  • "Werbung verboten"-Schild am Briefkasten anbringen oder sich gleich in die Robinsonliste eintragen. Sie schützt nicht nur vor nervigen Werbeprospekten sondern auch vor Spam via E-Mail oder Telefon.
  • Ob in öffentlichen Badezimmern oder in der Küche: Haushaltspapier wird oft gedankenlos benutzt und weggeworfen. Dabei ließe es sich in der Küche oft durch Lappen und Trockentuch ersetzen. Und auch unterwegs ließe sich die Umwelt mit Falttechniken schützen: 

Papier lässt sich aber nicht gänzlich aus dem Alltag verbannen. Beim Kauf von Papier kann man zur Orientierung auf den Blauen Engel achten. Er zeichnet Papierprodukte aus, die zu 100 Prozent aus Altpapier bestehen. Für sie musste kein einziger Baum gefällt werden. Trotzdem sollte man auch Recyclingpapier sparsam verwenden. "Die Lebensdauer von Papier ist sehr kurz. Auch mit einem Recyclingprozess ist das enthaltene CO2 innerhalb von einem Jahr wieder in der Atmosphäre", sagt Loretta. Achtung: Der Blaue Engel zeichnet neben Papier auch andere Artikel aus. Aber das Siegel sagt bei anderen Produktgruppen nichts über deren Umweltfreundlichkeit aus – es bekommen einfach die Produkte, die im Vergleich zur Konkurrenz umweltfreundlicher sind.

Möbel richtig kaufen

Der Kauf von Holzmöbeln kann sinnvoll sein, wenn man einige Dinge beachtet: "Bei Holz ist es wichtig, dass es lange verwendet wird. Das CO2 wird im Holz gebunden und gelangt so nicht in die Atmosphäre", sagt Loretta. Möbel sollten langfristig angeschafft werden. Statt zum nächsten Möbelhaus zu gehen, könntest du deine Einrichtung auch secondhand kaufen. Achte dabei immer auf eine hohe Qualität und kaufe keine Tropenhölzer.   

"Wenn man nach dem Naturlandsiegel kauft, hat man die schonendste Bewirtschaftung", sagt Loretta. Es wurde 1995 von mehreren Umweltschutzverbänden entwickelt und will eine ökologische Waldbewirtschaftung gewährleisten. Bisher sind nur wenige Waldbetriebe zertifiziert und die Siegel werden nur in Deutschland vergeben. "Ansonsten kann man auf FSC und PEFC achten. Aber da ist Vorsicht geboten. Das sind Siegel der Holzwirtschaft und die zertifizierten Wälder werden trotzdem stark bewirtschaftet", sagt Loretta. Am Forest Stewardship Council (FSC) gab es in den letzten Jahren wegen dieser Bewirtschaftung wachsende Kritik (taz). NGOs wie der WWF, NABU und BUND raten trotz der Kritik, weiterhin beim Holzkauf auf das Siegel zu achten, da es international die strengsten Richtlinien hat. Das PEFC-Siegel gilt wegen seiner schlechten Kontrollen und Einsatz von Pestiziden bei den meisten Umweltorganisationen als nicht ausreichend (NABU).

Selber Bäume pflanzen

Wer gerne selbst das Ergebnis seiner Unterstützung sehen will, kann nach Initiativen und Projekten in der Umgebung suchen. In ganz Deutschland finden sich Bürger und Bürgerinnen zusammen, die sich für die Rettung und Renaturierung von Wäldern einsetzen. Auf der Seite von "Bundesbürgerinitiative-Waldschutz“ werden solche Projekte, Vereine und Organisationen aus allen Bundesländern gesammelt. Die Naturführerin Susanne Ecker von der Bundesbürgerinitiative-Waldschutz (BBIWS) sagt: "Zuerst sollte man einfach mal in den Wald vor der eigenen Tür gehen und ihn kennenlernen. Wir Menschen schützen nur das, was wir kennen und lieben." Aber gerade im vergangenen Jahr zeichnet sich ab, dass der Wald den Menschen etwas bedeutet. "Wir merken seit Beginn der "Fridays For Future" Proteste ein erhöhtes Interesse. Gerade junge Leute fragen seitdem nach dem Zustand der Bäume."



Gerechtigkeit

Die EU hat jetzt ein eigenes Heimatministerium – und es hat mit Europa nur wenig zu tun
Danke für nichts, Ursula von der Leyen!

Die neue EU-Kommission steht. Und sie wird wieder ein bisschen mehr Festung sein als zuvor. Am Dienstag hat die designierte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen ihr Team vorgestellt. Insgesamt 27 Politikerinnen und Politiker gehören der neuen EU-Kommission an, einige davon sollen in neu geschaffenen Superressorts als geschäftsführende Vizepräsidenten die Aufgaben der Zukunft stemmen. (EU-Kommission)

Eine der großen Zukunftsfragen für Europa ist zweifelsohne: Migration und Flucht. Allerdings wird es keinen Posten geben, der sich ausschließlich damit beschäftigt, wie sonst üblich. Stattdessen wird die Migration als Bedrohung verhandelt, im neu geschaffenen Ressort "zum Schutze dessen, was Europa ausmacht". 

Die neue Stelle heißt "Protecting our European Way of Life" – die Europäische Union hat damit ihr eigenes Heimatministerium bekommen.

Das Ressort führt der konservative Grieche Margaritis Schinas. Was genau soll das sein, Schutz des "European Way of Life"? Schinas selbst erklärt auf Twitter, es gehe um Migration, Sicherheit, Beschäftigung und Erziehung. Große Themen, deren Bezug zu einander nicht immer sofort klar ist.