Junge Menschen sind im deutschen Bundestag deutlich unterrepräsentiert. Im neuen Parlament sind nur zwölf von 709 Politikern zu Beginn der Legislaturperiode unter 30. Es sind fast alles Männer: 6 von der AfD, 2 von der CDU, 2 von der FDP und einer von der Linken. 

Nur die CDU hat mit Ronja Kemmer eine Frau unter 30 im Bundestag.

Zwei von den Jungen sind jünger als 25: Roman Müller-Böhm, 24, FDP, aus Oberhausen und Philipp Amthor, 24, CDU, aus Anklam/Vorpommern-Greifswald.

In unserer Serie "Und was ist mit uns?" haben wir in den vergangenen Wochen die jeweils jüngsten Kandidaten der größeren Parteien in Baden-Württemberg gefragt, warum sie sich engagieren und was sie erreichen wollen. Hier bewerten sie ihr Ergebnis und wagen einen Blick in die Zukunft:

(Bild: Jochen Detscher)
Tobias B. Bacherle

Der 22-Jährige Grüne hatte es im traditionell konservativen Kreis Böblingen besonders schwer. Mit den Resultaten seines Wahlkampfs ist er trotzdem zufrieden. Jetzt zieht es ihn zurück an die Uni. 

"Das Ergebnis ist für uns gut. Wir haben es geschafft, über den Umfragen zu liegen. Cool ist, dass ich in einigen Bezirken mehr Erst- als Zweitstimmen bekommen habe. Jetzt endet die Zeit der schlaflosen Nächte erst mal. Manchmal war es schwierig, weil ich das Gefühl hatte, mir den Arsch aufzureißen, aber von Einzelnen in der Partei keine Rückendeckung zu bekommen. Trotzdem: Wahlveranstaltungen wie die mit Omid Nouripur haben mir gezeigt, wofür ich das alles mache. Ich habe erkannt, dass mein Studium der Politikwissenschaften und der Sprachen des Nahen Ostens genau das ist, worauf ich Bock habe. Bei den Grünen werde ich mich auch weiter engagieren."

(Bild: dpa)
Leon Hahn

Der Juso-Landeschef (26) wollte im Wahlkampf mit Chatbots und Denkzetteln punkten. Das Debakel der SPD konnte er mit 18 Prozent der Erststimmen im Bodenseekreis nicht schmälern.

"Das Ergebnis ist eine Katastrophe und die SPD muss sich jetzt einer grundsätzlichen Diskussion über die Aufstellung der Partei stellen. Da werden auch wir Jusos ein gehöriges Wort mitreden. Mit dem Ergebnis gerechnet habe ich nicht. Das zeigt, dass die SPD im Moment nicht die Sprache der Menschen im Land spricht. Ich gönne mir jetzt ein paar Tage Ruhe und danach arbeiten wir alle zusammen daran, die Partei wieder groß zu machen. Das Beste, was mir im Wahlkampf passiert ist, sind das Vertrauen und der Rückhalt von allen Leuten hier. Doch es war schlimm zu sehen, wie die AfD mit Hass und Hetze Wahlkampf betrieben hat und dass solche Leute jetzt im Bundestag sitzen."

(Bild: dpa)
Markus Frohnmaier

Der 26-Jährige von der AfD hat es geschafft. Er ist über die Landesliste in den Bundestag eingezogen und will sich dort bemerkbar machen – indem er die etablierten Parteien aufmischt.

"Der Tag nach der Wahl war ziemlich verrückt. Ich hatte fast keine ruhige Minute, weil ich die meiste Zeit von zwei Kamerateams von ABC News und Arte begleitet werde und dann auch noch unsere Parteivorsitzende erklärt, nicht für die Fraktion zur Verfügung zu stehen. Dass sie das zu einem solchen Zeitpunkt macht, hat viele überrascht. Mit dem Wahlergebnis bin ich ziemlich zufrieden. Wir haben auf Bundesebene einen großartigen Erfolg eingefahren und ich habe in Böblingen mehr als elf Prozent geholt. Es war ein hektischer Wahlkampf, aber der Umgang unter den Kandidaten war sehr anständig und inhaltsbezogen. Im Bundestag werden wir nun hart in der Sache auftreten."

Dennis Nusser

Acht Prozent der Zweitstimmen – so viel wollte der FDP-Kandidat in Heidelberg mindestens holen. 12,7 Prozent sind es am Ende geworden. Jetzt will der 21-jährige erst mal eines: Abstand.

"Wir waren alle etwas hibbelig in den Tagen vor der Wahl, doch das Feedback am Stand war gut. Das hat sich im Ergebnis niedergeschlagen. Ich sehe das als Vertrauensbeweis. Der Wahlkampf war anstrengend, aber immer fair. Zu einer Veranstaltung bin ich zusammen mit meinen Konkurrentinnen von den Grünen und der Linken im Zug gefahren. Trotz großer politischer Differenzen haben wir uns gut verstanden. Diese Woche helfe ich beim Abhängen der Plakate, danach will ich vielleicht für eine Woche mit dem Zelt nach Dänemark. Und dann heißt es: Nach der Wahl ist vor der Wahl. Ich bin ein politischer Mensch. Ich will mitgestalten."

Lorena Müllner

Die 19-Jährige trat in Calw für die Linke an, um für eine gerechtere Politik zu kämpfen. Sie holte 4,5 Prozent der Erst- und 5,1 Prozent der Zweitstimmen. Nun will sie weiterkämpfen.

"Das Ergebnis der AfD schockiert mich, über das der Linken freue ich mich sehr. In meinem Wahlkreis habe ich fast überall Stimmen dazu gewonnen. Toll war, dass ich junge Menschen überzeugen konnte bei uns einzutreten. Ich habe aber am Stand auch rassistische und völkische Sätze gehört. Forderungen wie „Afrikaner muss man zwangssterilisieren“. Das macht mich sprachlos. Von den nächsten Jahren erhoffe ich mir, dass wir als Linke noch stärker werden und dass der eine oder andere AfD-Wähler nicht begeistert sein wird von deren parlamentarischer Arbeit. Um es mit Christian Lindner zu sagen: „Während andere debattieren, steht die AfD am Büffet."

(Bild: Ben Schieler)
Alice Dorison

Die Nummer 46 der CDU-Landesliste hat in Tübingen erfolgreich Wahlkampf für die Direktkandidatin Annette Widmann-Mauz gemacht. Doch das Ergebnis stimmt die 22-Jährige nachdenklich.

"Das Positive an der Wahl ist, dass Angela Merkel Bundeskanzlerin bleibt und die CDU in Tübingen mit deutlichem Vorsprung stärkste Kraft ist. Ich hatte den Eindruck, dass wir in den vergangenen Tagen noch einige Menschen von uns überzeugen konnten. Vor allem der Haustürwahlkampf war erkenntnisreich. Die meisten Bürger haben sich gefreut, dass wir vorbeikommen. Es gab nur ganz wenige negative Erfahrungen. Trotzdem haben wir zehn Prozent verloren und sind natürlich enttäuscht. Ich bin gespannt, was mit der AfD auf uns zukommt. Der Ton von Alexander Gauland ist für mich unverständlich, aber mit der Wut seiner Wähler müssen wir uns auseinandersetzen."


Haha

Warum J.K. Rowlings Newsfeed plötzlich voller Otter-Bilder ist
Ja, auch Harry Otter ist dabei.

Joanne K. Rowling hat die britische Politik satt: Die Brexit-Verhandlungen stocken, Großbritannien streitet sich mit der Europäischen Union um die Austrittsbedingungen.

Ihren Unmut hat die Schöpferin von Harry Potter nun auf Twitter geäußert und ihre Follower gebeten, ihr zur Aufmunterung doch Otter-Fotos zu schicken: