1. Die AfD ist nicht unbesiegbar.

Seit sich die Partei im vergangenen Jahr auf die Flüchtlingsfrage konzentriert, fährt sie bei allen Wahlen und Umfragen große Erfolge ein. Auch in Berlin sieht das auf den ersten Blick so aus. AfD-Spitzenkandidat Georg Pazderski jubelt: "Von Null auf Zweistellig, das hat es seit 66 Jahren nicht mehr in Berlin gegeben." ("Der Tagesspiegel" I)

Mag sein. Tatsache ist aber auch: Mit 14 Prozent der Wählerstimmen ist die Partei hinter den eigenen Erwartungen von "soliden 15 Prozent" zurückgeblieben. Und das bei einer höheren Wahlbeteiligung als in den Vorjahren. Berlin ging zur Urne, um Rechtspopulismus eine Absage zu erteilen. (Hier das Wahlergebnis bei bento)

2. Die Berliner haben keinen Bock mehr auf Schwarz-Rot.

Auch wenn die SPD stärkste Kraft ist – im Vergleich zur Vorwahl haben sie mehr als fünf Prozentpunkte eingebüßt. Genauso viel wie der Koalitionspartner CDU. Deren Generalsekretär Peter Tauber zerknirscht: "Für uns ist das Ergebnis nicht erfreulich, wir hätten uns ein besseres Ergebnis erhofft." (SPIEGEL ONLINE I)

Die Berliner haben damit gezeigt, dass ihnen die Politik der Großen Koalition nicht mehr gefällt. Verwaltungschaos, Dauerpfusch am Flughafen-Bau und viel zu teure Wohnungen sind die drei Hauptpunkte, die SPD und CDU nicht in den Griff bekommen haben. SPD-Mann Michael Müller kann also nicht länger mit seinem CDU-Kollegen Frank Henkel zusammenarbeiten:

3. Aber die Berliner haben noch Bock auf Politik.

Die Abgeordnetenwahl hatte eine sehr hohe Wahlbeteiligung: 67,3 Prozent, etwa sieben Prozent mehr als 2011 (SPIEGEL ONLINE II). Bereits bis zum Mittag waren ein Viertel der insgesamt knapp 2,5 Millionen Wahlberechtigten an der Urne ("Der Tagesspiegel" II).

Und die Berliner zelebrierten das: Auf Instagram und Twitter zeigten sie Warteschlangen vor den Wahllokalen oder beantragte Wahlbriefe. Bei allen war der Aufruf deutlich geworden:

Geht wählen, überlasst den Populisten nicht das Feld
Im Slider – So warben die Berliner für den Wahlsonntag:
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Anmerkung: In einer ersten Version des Textes standen noch die Prozente der Hochrechnungen. Dies wurde aktualisiert.

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Berlin-Wahl 2016: SPD ist Wahlgewinner, AfD zweistellig

Berlin hat ein neues Abgeordnetenhaus gewählt – und das Ergebnis wirkt auf den ersten Blick so unübersichtlich wie die Stadt selbst. Laut den Hochrechnungen bleibt die SPD stärkste Kraft – und ihr Spitzenkandidat Michael Müller damit Regierender Bürgermeister. Die CDU verliert deutlich, AfD und Linkspartei legen zu. (wahlrecht.de)

Die Wahlbeteiligung war mit 67 Prozent deutlich höher als bei der Wahl 2011. Damals gingen 60,2 Prozent der Wähler zur Urne (SPIEGEL ONLINE).