Bild: Jannis Große / Bento
40 Parteien treten an.

Am 26. Mai 2019 ist Europawahl. Jede und jeder Wahlberechtigte hat eine Stimme, die er oder sie einer der 40 zur Wahl stehenden Parteien geben kann. Aber wir kennen das Problem aus der Eisdiele: Viel Auswahl macht die Entscheidung nicht unbedingt leichter. Bei der Europawahl sollte man die Entscheidung aber besser nicht dem Bauchgefühl überlassen.

Der Wahl-O-Mat soll bei der Entscheidung helfen.

Das Onlinetool der Bundeszentrale für politische Bildung wird seit 2002 vor Landtagswahlen und Bundestagswahlen angeboten und wurde bisher über 71 Millionen Mal genutzt. Der Wahl-O-Mat stellt Fragen zu politischen Thesen. Aus den Antworten berechnet er, wie deine Entscheidungen mit der Haltung verschiedener Parteien übereinstimmt. Für die Europawahl 2019 steht der Wahl-O-Mat seit dem 3. Mai zur Verfügung. Hier kannst du ihn ausprobieren.

Der Wahl-O-Mat für die Europawahl 2019

Zur Europawahl werden 38 Thesen aufgestellt, die mit "stimme zu", "neutral" und "stimme nicht zu" beantwortet werden können. Thematisch drehen sich die Thesen um die Rolle von Europa, die Demokratieentwicklung innerhalb der EU und um Bestrebungen Themen wie Umweltschutz, Mindestlohn oder die gleichgeschlechtliche Ehe in allen Mitgliedsstaaten umzusetzen. 

Die Fragen wurden von einer Redaktion von 18 bis 26-jährigen ausgewählt (taz). Wer den Wahl-O-Mat macht und sich die Begründungen der Parteien durchliest, hat also ziemlich solide erste Hinweise, wer sich wie für die Interessen von jungen Menschen und für die Zukunft der EU einsetzt.

Du solltest den Wahl-O-Mat machen, wenn du zum Beispiel  wissen willst, welche Parteien dafür sind, dass

  • sich die EU für höhere Ziele zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes einsetzt.
  • private Seenotrettung im Mittelmeer von der EU unterstützt wird.
  • Plastikverpackungen in der EU besteuert werden.
  • die gleichgeschlechtliche Ehe in allen Mitgliedstaaten eingeführt wird.
  • Jugendlich ab 16 Jahren bei der Europawahl wählen dürfen.
  • keine dauerhaften Grenzkontrollen der Mitgliedsstaaten durchgeführt werden können.

Wer alle Thesen beantwortet hat, kann Themen gewichten, die einem wichtig sind. Danach hat man die Möglichkeit acht Parteien auszuwählen, mit denen man seine Positionen vergleichen will. Das Ergebnis zeigt die ausgewählten Parteien und eine Prozentzahl der übereinstimmenden Antworten. Man kann sich zu jeder Frage die Antworten und die Begründung der ausgewählten Parteien anschauen.

Interessant kann es auch sein, sich die Positionen der kleineren, unbekannteren Parteien anzuschauen und sich nicht nur auf die Parteien zu beschränken, die in den letzten Legislaturperioden im Bundestag vertreten waren.

Kritik

Der Wahl-O-Mat basiert auf den Wahlprogrammen der 40 Parteien und vereinfacht die Thesen auf Ja-Nein-Fragen. Das wird seit vielen Jahren kritisiert, da es die Themen unterkomplex darstellt und dazu führen kann, dass rechte und linke Parteien die gleiche Antwort aus ganz unterschiedlichen Motiven geben.

Auch die Reduktion auf nur 8 Parteien beim Ergebnis ist umständlich, da man jedes Mal einen Schritt zurück gehen muss, um seine Antworten mit mehr als 8 der 40 Parteien zu vergleichen.

Andere Entscheidungshelfer

Neben dem Wahl-O-Mat gibt es auch den WahlSwiper. Er überträgt das Prinzip Tinder auf die Europawahl. Es werden Fragen zur Europapolitik gestellt. Die Antwortmöglichkeiten: Nein – nach links wischen – und ja – nach rechts wischen. Hier kann man jede Frage doppelt gewichten, um Themenschwerpunkte bei der Auswertung festzulegen und Fragen überspringen.

Das Ergebnis ist eine Übersicht von nur 31 Parteien mit Prozentzahl der übereinstimmenden Antworten. Ein Klick auf die Partei ermöglicht die Anworten bei jeder Frage zu vergleichen. Außerdem kann man seine Antworten mit den Antworten der Parteien vergleichen und die Begründungen der Parteien lesen.

Den Wahlswiper gibt es momentan für sieben Länder, sechs weitere sollen noch folgen. In allen Versionen sollen 85 Prozent der Fragen gleich sein. Die Unterschiede hängen an den verschiednen Wahlsystemen in den EU-Ländern. Einige Fragen sind die gleichen wie beim Wahl-O-Mat. 

Entwickelt wurde der WahlSwiper von einer Digitalagentur – zu Werbezwecken, um die Agentur bekannter zu machen. Die Daten würden aber alle anonym erhoben. (taz)

Die Wahlentscheidung

Nachdem man eine erste Tendenz durch den Wahl-O-Mat  oder WahlSwiper zu ermittelt hat, gilt es natürlich, ein bisschen weiter zu recherchieren: Bei der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg findest du eine Übersicht über alle Wahlprogramme der Parteien für die Europawahl 2019.


Grün

Unter Klimawandel-Leugnern: Wo sich ihre Argumente verbreiten und sie Unterstützer finden

Der bekannteste Leugner des menschengemachten Klimawandels ist wahrscheinlich US-Präsident Donald Trump. Wenn es Kältewellen in den USA gibt, wundert er sich, was denn mit der globalen Erwärmung geschehen sei. Kürzlich erst ernannte er einen erklärten Skeptiker als Leiter einer Konferenz zum Klimawandel.

In der deutschen Politik herrscht dagegen weitgehender Konsens darüber, dass sich die Erde wegen menschengemachter Einflüsse erwärmt – hauptsächlich bei der Frage, wie man darauf reagieren sollte, wird sich gestritten. Von den im Bundestag vertretenen Parteien leugnen nur große Teile der AfD den menschengemachten Klimawandel – und setzen im Europawahlkampf gezielt darauf. (SPIEGEL ONLINE

Doch auch in Deutschland verbreiten sich die Theorien und Thesen der Klimawandel-Leugner – hauptsächlich im Internet. In Blogs veröffentlichen Skeptiker und Hobby-Wissenschaftler ihre Gedanken – und auf Facebook werden ihre Beiträge geteilt und Diskussionen angestoßen. 

Unter Klimawandel-Leugnern

Ich will wissen, wie die Szene agiert, welche Argumente sie nutzt – und wie sich ihre Thesen verbreiten. Ich erstelle ein neues Facebook-Profil, trete in die Gruppen der Klimawandelleugner ein und like Seiten, in denen an der Erderwärmung gezweifelt wird.

Eine der Gruppen heißt "Klima-Wahrheiten". Es soll um "Fakten zum heiß umstrittenen Thema Klima" gehen. Alle Teilnehmer sollten ein Grundverständnis über "meteorologische und pyhsikalische Gesetzmäßigkeiten" mitbringen, heißt es in den Gruppen-Regeln. Um aufgenommen zu werden, muss ich die Frage beantworten, was der Klimawandel für mich bedeute. Ich schreibe, dass ich einmal ein Meteorologie-Studium angefangen hätte, es aber wegen "zu viel Indoktrination" abgebrochen hätte. Das wird sie ja wohl von mir überzeugen. Wenige Stunden später wird meine Beitrittsanfrage akzeptiert. Geschafft!

Mein Feed ist jetzt voll von Artikeln und Videos, die mir weismachen wollen, dass es keinen menschengemachten Klimawandel gibt. Dazu gesellen sich immer wieder auch Postings, die sich mit anderen Verschwörungstheorien wie Chemtrails auseinandersetzen. 

Die Argumente der Klimawandel-Skeptiker wiederholen sich: CO2 sei ja lebensnotwendig, da könne es ja überhaupt nicht schädlich sein. Manche Nutzer argumentieren wie Donald Trump, in dem sie keinen Unterschied zwischen Wetter und Klima machen: Wenn es gerade in bestimmten Regionen kalte Winter gibt – wie könne es dann sein, dass die Erde immer wärmer wird? Wie bei vielen Verschwörungstheorien wird an den "gesunden Menschenverstand" appelliert.

Immer wieder werden auch Grafiken und Diagramme gezeigt, die zeigen sollen, dass es doch in Wahrheit gar keine Erderwärmung gibt. Besonders beliebt ist eine Grafik, laut der es vor wenigen Jahrtausenden viel höhere Temperaturen gegeben haben soll als heutzutage.