David Häußer (31) – Verantwortlicher von "Refugees Solidarity Mainz"

David ist Student und engagiert sich bei der Initiative "Refugees Solidarity Mainz" (RSM). Die Gruppe will Organisationen, die sich für Geflüchtete engagieren und Menschen, die sich für ehrenamtliche Arbeit interessieren, zusammenbringen. 2015 sind in Rheinland-Pfalz 52.846 Menschen registriert worden. Davon haben nur 19.697 Menschen einen Asylantrag gestellt. Etwa die Hälfte der Asylanträge im vergangenen Jahr stellten Menschen vom Balkan. Also aus Ländern wie Albanien, Serbien oder Mazedonien.

Es gibt viele Bundesländer, in denen die Lage noch schlimmer ist, als hier in Rheinland-Pfalz. Trotzdem könnte es in vielerlei Hinsicht auch besser sein: Die Politik fordert zum Beispiel die ganze Zeit eine Willkommenskultur für Geflüchtete. Dabei ist diese Kultur schon längst da – aber eben nur in der Zivilgesellschaft. Es gibt in Mainz Hunderte Menschen, die sich engagieren, die Sprachkurse geben und bei Behördengängen helfen, die Hausaufgabenbetreuung machen.
Die Lage in Ausländerbehörden und bei Sozialträgern ist hingegen katastrophal. Da kann man nicht von Willkommenskultur sprechen: Es gibt viele strukturelle Probleme, in vielen Bereichen gibt es beispielsweise zu wenig Personal. Ich warne davor, noch mehr Stellen abzubauen. Ohne das Engagement der Zivilgesellschaft würde vieles also komplett zusammenbrechen.

Wenn ich Ministerpräsident wäre, würde ich sofort einen einen offenen Dialog organisieren – und zwar mit allen, die an der Front arbeiten. Also mit Organisationen, die sich für Geflüchtete einsetzen, und auch mit Sozialarbeitern. Das sind die wahren Experten, weil sie aus der Praxis kommen – und genau deswegen müssten die auch mal auf großer Bühne reden.
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