Bild: Getty Images / Lauren de Cicca

Bis vor wenigen Jahren war Myanmar noch weitgehend vom Rest der Welt isoliert. Eine skrupellose Militärregierung, blutige Machtkämpfe, Missachtung von Menschenrechten – das waren lange Zeit die einzigen Informationen, die aus dem südostasiatischen Staat in die westliche Welt drangen.

Seit 2011 bewegt sich Myanmar von einer Militärdiktatur in Richtung Demokratie. Nun stehen die ersten freien Wahlen überhaupt an. Am 8. November dürfen rund 30 Millionen Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben.

Haben die Demokraten eine Chance? Ein Überblick.

Burma, Birma, Myanmar – was ist richtig?

Für das südostasiatische Land gibt es mehrere Bezeichnungen; keine ist die einzig richtige. Bis 1989 hieß die ehemalige britische Kolonie im Deutschen Birma, auf Englisch Burma. Dann wurde das Land von der Militärjunta in Union Myanmar umbenannt; angeblich, um die Kolonialvergangenheit abzuschütteln.

Die Opposition warf der Militärregierung damals vor, kein Recht zu der Namensänderung gehabt zu haben. Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi verwendete auf ihrer Europareise 2012 den alten Namen Burma und setzte damit ein politisches Zeichen.

Auch andere Staaten erkennen die Namensänderung nicht an. Die USA beispielsweise bleiben weiterhin bei der Bezeichnung Burma, als Zeichen der Missbilligung für das Militärregime. In Deutschland ist man sich nicht einig. So schreiben viele deutsche Medien weiterhin Burma. Nachrichtenagenturen haben sich auf den Namen Birma verständigt. Das Auswärtige Amt verwendet die Bezeichnung Myanmar.

Wer oder was wird gewählt?

Das Parlament setzt sich aus zwei Kammern zusammen, ähnlich wie in Großbritannien: dem Unterhaus und dem Oberhaus. Die Kammern werden nach dem Mehrheitswahlrecht gewählt (hier ist eine Erklärung). Am 8. November geben die Burmesen also ihre Stimme einem Kandidaten in ihrem Wahlkreis, der Gewinner zieht dann als Repräsentant ins Unterhaus ein. Der Präsident wird erst im Nachhinein bestimmt.

Neben vielen kleineren, ethnischen Parteien treten vor allem die zwei großen Parteien gegeneinander an: Die regierende "Unionspartei für Solidarität und Entwicklung" (USDP) und die Oppositionspartei "Nationale Liga für Demokratie" (NLD). Letztere gilt als Favorit.

Über Myanmar hinaus bekannt ist sie vor allem wegen der Vorsitzenden und Demokratie-Ikone Aung San Suu Kyi. Eine Klausel in der Verfassung verbietet ihr, sich als Präsidentin zu bewerben, weil ihr verstorbener Mann Ausländer war. Die Regelung wurde wohl eigens für sie geschaffen. Deshalb arbeitet Aung San Suu Kyi nach eigener Aussage an einem Plan, wie sie die Politik des Landes nach der Wahl trotzdem bestimmen kann.

Warum das Militär auch nach der Wahl noch große Macht haben wird

Schon bei den letzten, zumindest im Ansatz freien Wahlen 1990 hatte die NLD haushoch gewonnen, sie bekam rund 80 Prozent der Stimmen. Doch das Wahlergebnis wurde damals von der Militärjunta nicht anerkannt. Könnte das bei der kommenden Wahl wieder passieren?

"Unwahrscheinlich", glaubt Jasmin Lorch, Myanmar-Expertin am Giga-Institut in Hamburg. "25 Prozent der Sitze im Parlament werden nach der neuen Verfassung von 2008 vom Militär besetzt – diese Sitze stehen also gar nicht zur Wahl", erklärt sie. Das Militär könne durch diese Regelung sehr viel entscheiden und blockieren. Mit einem unmittelbaren Putsch sei deshalb nicht zu rechnen, auch wenn die NLD gewinnt. Und das sei "relativ wahrscheinlich", so Lorch.

Die Wahlen 2010 hatte die NLD boykottiert, da keine internationalen Beobachter zugelassen waren und es schon im Vorfeld der Wahl Unregelmäßigkeiten gegeben hatte. Bei den Nachwahlen 2012 gingen allerdings fast alle zur Wahl stehenden Sitze an die NLD.

So könnte es auch diesmal laufen. Ob die Partei allerdings die alleinige Regierungsmehrheit bilden kann, ist fraglich. Außer den Einschätzungen von Beobachtern gibt es keine zuverlässigen Prognosen oder Umfragen.

Hinweis: Ursprünglich stand in dem Text, 51 Millionen Menschen würden am 8. November wählen, das ist nicht richtig. Denn nur rund 30 Millionen Einwohner sind wahlberechtigt. Wir haben den Fehler korrigiert und entschuldigen uns dafür.