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Nach dem Brexit hoffen jetzt die Rechtsextremen in Frankreich. Bei der Präsidentschaftswahl Ende April und Anfang Mai will Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National gewinnen. Sie will den Frexit, den Austritt Frankreichs aus der Europäischen Union. In aktuellen Umfragen führt Le Pen, zumindest in der ersten Runde.

Steht die Zukunft Europas auf dem Spiel? Wann gewählt wird und worum es geht, erklären wir hier:

Wer wird gewählt?

Zunächst wählen alle Franzosen am 23. April und am 7. Mai den Staatspräsidenten, also den Nachfolger von Francois Hollande. Im Prinzip könnte die Wahl auch an einem Tag stattfinden. Um zu gewinnen, muss ein Kandidat aber die absolute Mehrheit auf sich vereinen, mehr als die Hälfte aller Stimmen. Das hat bisher noch kein Kandidat geschafft. Weil auch dieses Mal eine Stichwahl wahrscheinlich ist, gibt es gleich zwei Termine. Die beiden Bewerber mit den meisten Stimmen in der ersten Runde treten erneut gegeneinander an. (Französische Botschaft)

Außerdem wählen die Franzosen am 11. und 18. Juni die 577 Abgeordneten der Nationalversammlung – das französische Parlament. Aber auch hier muss ein Abgeordneter zunächst die absolute Mehrheit in seinem Wahlkreis erreichen. Im zweiten Wahlgang reicht dann eine einfache Mehrheit. (BpB)

Welche Wahl ist wichtiger?

Das kommt darauf an. In Frankreich ist der Präsident der Oberbefehlshaber des Militärs und er vertritt Frankreich auf internationaler Ebene. Die Sicherheits- und Außenpolitik des Landes bestimmt er maßgeblich mit.

Wie viel Macht er tatsächlich ausüben kann, hängt davon ab, ob er eine Mehrheit im Parlament hinter sich hat. Meistens ist das der Fall. Der Staatspräsident ernennt aus der stärksten Fraktion im Parlament den Premierminister. Gehören alle dem gleichen politischen Lager an, läuft es – der Präsident kann "seinem" Premierminister aber jederzeit das Vertrauen entziehen. (BpB)

Wer steht zur Wahl?
(Bild: dpa/Michel Euler)

Marine Le Pen, Front National (FN)

Ihr Gesicht kennt man längst auch außerhalb Frankreichs: Die Anwältin Marine Le Pen kandidiert für den rechtsextremen Front National. Bei der Präsidentschaftswahl vor fünf Jahren wurde sie mit 17,9 Prozent der Stimmen Dritte. Le Pen will unter anderem die Einwanderung beschränken, sie fordert den Austritt Frankreichs aus der Europäischen Union – den Frexit – und aus dem Euro.

Auch den Austritt aus der Nato zieht sie in Erwägung. Wie auch die AfD oder Trump spricht sie die sogenannten Globalisierungsverlierer oder "Vergessenen" an. Sie ist Chefin der neuen rechten Fraktion "Europa der Nationen und der Freiheit" (ENF) im Europäischen Parlament, zu der unter anderem auch der AfD-Abgeordnete Marcus Pretzell gehört. (Spon)

(Bild: dpa/Michel Euler)

Emmanuel Macron, unabhängig, Kopf der Bewegung "En Marche"

Mit 39 Jahren ist Macron der jüngste Kandidat. Er gilt als Hoffnungsträger für all jene, die gegen die Abschottungspolitik des Front National sind. Details seines Programms sind noch offen, Freiwillige arbeiten gerade noch daran. Macron war Wirtschaftsminister, ist dann zurückgetreten, und ist eigentlich Teil der Elite, die er jetzt kritisiert. Zuletzt sahen Umfragen ihn hinter Le Pen, aus einer möglichen Stichwahl könnte er aber als Sieger hervorgehen. Er setzt auf die große Gruppe der Nichtwähler – und das sind vor allem junge Menschen. (Zeit Online)

(Bild: dpa/Christophe Ena)

François Fillon, Les Républicains

Der 62-Jährige gewann im November überraschend die Vorwahlen der Konservativen, der Partei Les Républicains. Er schubste damit auch den ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy aus dem Rennen. Fillon war von 2007 bis 2012 Premierminister und vertritt eine wirtschaftsliberale Politik. Er will im öffentlichen Dienst sparen: Eine halbe Million Jobs sollen gekürzt, die Arbeitszeiten verlängert werden. Wichtig ist Fillon ein starkes Bündnis mit den USA und eine gute Beziehung zu Russland. (Zeit Online)

Dem früheren Ministerpräsidenten Fillon wird allerdings vorgeworfen, seine Ehefrau Penelope zum Schein als Assistentin im Parlament angestellt und mit Hunderttausenden Euro aus der Staatskasse entlohnt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn – seine Chancen auf einen Wahlsieg sinken. (SPIEGEL ONLINE)

(Bild: dpa/Francois Mori)

Benoît Hamon, Parti Socialiste (PS)

Hamon wurde über eine Vorwahl zum Kandidaten der Französischen Sozialisten ernannt. Er setzte sich überraschend gegen den eigentlichen Favoriren Manuel Valls durch. Er gehört zum linken Flügel der Partei und will die geschwächte Linke wiederbeleben. Er setzt dabei vor allem auf Arbeitsthemen und Umweltschutz. So fordert er beispielsweise ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle und eine 32-Stunden-Woche. (Deutsche Welle)

(Bild: dpa/Christophe Petit Tesson)

Jean-Luc Mélenchon, La France insoumise (FI)

Der 65-Jährige sieht sich als wahrer Vertreter der französischen Linken. Er will die Europäische Union demokratischer machen und einen höheren Mindestlohn einführen. Mélenchon trat bereits 2012 zur Präsidentschaftswahl an und wurde damals mit rund elf Prozent der Stimmen Vierter. (Tagesschau)

Wer führt in den Umfragen?

Wie immer sind Umfragen nicht unbedingt ein Abbild der Wirklichkeit – was zuletzt bei der US-Wahl sehr deutlich wurde. Trotzdem ein paar Zahlen:

François Fillon wird einer Umfrage zufolge die Stichwahl um das höchste Staatsamt nicht erreichen. Stattdessen würden der parteiunabhängige Kandidat Emmanuel Macron und Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National in die entscheidende Wahlrunde am 7. Mai gehen. (Übersicht über die aktuellen Umfragen auf Wikipedia)

Auf Fillon kämen demnach im ersten Wahlgang am 23. April zwischen 18 und 20 Prozent der Stimmen, auf Macron zwischen 21 bis 22 und auf Le Pen 25 Prozent. Die Stichwahl würde dann Macron für sich entscheiden können. (SPIEGEL ONLINE)

Wer wählt?

Von den rund 66 Millionen Einwohnern Frankreichs gelten 45 Millionen als wahlberechtigt. Die Wahlbeteiligung bei der Präsidentschaftswahl im Jahr 2012 lag bei über 80 Prozent – nur 2007 gingen bisher mehr Menschen in Frankreich zur Wahl.

Was bedeutet die Wahl für Europa und Deutschland?

Gleich drei wichtige Mitgliedstaaten der EU wählen in diesem Jahr: die Niederlande, Frankreich und Deutschland. In allen drei Staaten haben zuletzt Rechtspopulisten Zuspruch bekommen. Sollte Marine Le Pen in Frankreich gewinnen, wäre das ein Schlag ins Gesicht der EU. Für Deutschland ist Frankreich bis heute der wichtigste proeuropäische Partner der Bundesrepublik.

Gleichzeitig wird das Ergebnis auch eine erste Antwort darauf geben, ob sich die Erfolge von Trump in den USA und den Europa-Gegnern in Großbritannien in anderen Ländern wiederholen lassen. Die Rechtspopulisten sehen sich selbst gerne als Teil eines weltweiten Trends. Gleichzeitig gibt es in vielen Ländern Demonstrationen und Bewegungen, die sich gegen den Rechtstrend stellen – wie zum Beispiel Pulse of Europe.


Gerechtigkeit

Das passiert, wenn man Trudeau und Trump die gleiche Frage stellt

Am Montagabend trafen sich Staatsmänner, die zwar Nachbarn sind – aber in ihrer Politik sehr verschieden. Der kanadische Premier Justin Trudeau war zu Besuch im Weißen Haus bei US-Präsident Donald Trump (bento). Es ging um die Beziehungen der beiden Länder, um Frauenrechte, um Handelsfragen. Und um den richtigen Umgang mit Flüchtlingen.

Die USA lassen gerade eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen und möchte die Einreise von Menschen aus dem Nahen Osten am liebsten verbieten. Kanada hingegen nimmt seit Jahren syrische Flüchtlinge auf und hat ein weltoffenes Einbürgerungsprogramm.

Die Haltung beider Länder bringen Trudeau wie Trump in ihren Antworten auf eine simple Frage genau auf den Punkt – ihr könnt sie im Video sehen.