Bild: Pixabay/ Montage: bento
VW hat seine giftigen Abgase auch an Menschen getestet.

Ein Lobbyverein der deutschen Autoindustrie soll Menschen stundenlang Stickstoffdioxid ausgesetzt haben (bento). Die Forscher wollten herausfinden, ob und wie unbedenklich die Abgase von Dieselautos sind – und haben dafür einfach Tests an Menschen durchgeführt. 

Der Fall war in der Nacht zum Montag bekannt geworden. Zuvor hatte bereits ein anderer Skandal für Aufmerksamkeit gesorgt: In einem ähnlichen Test ließ VW die Abgase auch an Affen untersuchen (bento).

Tests an Menschen durchführen? Ist das rechtlich überhaupt möglich? Und welche Versuche hat es in jüngster Zeit gegeben? Die wichtigsten Antworten zum Thema:

1. Was ist rechtlich erlaubt?

Menschenversuche sind in Deutschland nicht verboten. Die wichtigste Regel: Versuche dürfen nicht gegen den Willen einer Person durchgeführt werden.

Speziell bei Arzneimitteln sind Menschenversuche sogar vorgeschrieben. Neue Wirkstoffe erproben Forscher zunächst an Tieren, danach an einer kleinen Gruppe gesunder Menschen. Stimmen dann Aufsichtsbehörde und Ethikkommissionen der Studie zu, werden die Arzneimittel auch an Patienten getestet. (SWR)

Die Maßstäbe, wie bei Menschenversuchen umzugehen ist, wurde vom Weltärztebund im Wesentlichen in der "Deklaration von Helsinki" festgeschrieben. Deutschland hält sich an diese Deklaration. Die wichtigsten Punkte:

Studien dürfen nur dann an Menschen durchgeführt werden, wenn ihre Wichtigkeit größer ist als die Risiken für den Einzelnen.
Bei den Versuchen dürfen Rechte und Gesundheit des Einzelnen nicht beeinträchtigt werden.
Die Menschenversuche dürfen nur von qualifizierten Ärzten und Forschern durchgeführt werden.
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2. Wie liefen die Abgas-Tests von VW genau ab?

25 junge und gesunde Testpersonen mussten Stickstoffdioxid einatmeten. Sie wurden an einem Institut des Uniklinikums Aachen über mehrere Stunden hinweg unterschiedlichen Konzentrationen des Stoffes ausgesetzt. Anschließend wurden die Testpersonen untersucht. Es konnten angeblich keine Wirkung festgestellt werden. 

Der Lobbyverein hinter der Studie wurde 2016 aufgelöst. VW war laut des Studienleiters damals federführend bei den Tests. (SPIEGEL ONLINE)

3. Welche Tests gab es in Deutschland in der jüngsten Vergangenheit?

Tests mit Medikamenten

  • 2016 entdeckte die Pharmazeutin Sylvia Wagner erschreckende Hinweise auf Medikamententests an Menschen. In Fach-Zeitschriften und Firmen-Archiven gab es Belege dafür, dass bis 1975 Versuchsreihen nicht zugelassener Medikamente an Kindern und Jugendlichen unternommen wurden. Besonders brisant: ohne Zustimmung der Eltern beziehungsweise an Kindern ohne Erziehungsberechtigte. 
  • Nach ihren Erkenntnissen wurden zwischen 1950 und 1975 Impfstoffe, Psychopharmaka und Libido hemmende Präparate an Kindern getestet.
  • Die Aufklärung über diese Fälle ist noch nicht abgeschlossen, vereinzelt kooperieren Pharmakonzerne mit Landesjugendämtern, um die Fälle aufzuklären.
  • Politiker haben angekündigt, Entschädigungsfonds einrichten zu wollen. (Westdeutsche Zeitung)


Tests von Technik

  • Als der weltgrößte Passagierjet A380 auf den Markt kam, mussten auch Menschen ihn auf seine Tauglichkeit testen. Hersteller Airbus musste prüfen, ob der Flieger schnell genug evakuiert werden kann. 853 Test-Passagiere und 18 Besatzungsmitglieder waren bei dem Versuch dabei.
  • Die Bilanz: In nur 80 Sekunden gelang die Evakuierung, dabei wurden 32 Menschen leicht verletzt, jemand brach sich ein Bein. 
  • Mögliche Verletzungen wurden vorher in Kauf genommen. Verletzungen bei den Testpersonen waren auch davor keine Seltenheit. Airbus bezeichnete den Versuch als "gelungen" und feierte die 80 Sekunden als Weltrekord.  (SPIEGEL ONLINE)

Menschentests kommen vor allem im technischen Bereich oder in der Medizin immer wieder vor. Über Risiken werden Probanden informiert, zum Beispiel wenn sie sich für klinische Studien zur Verfügung stellen. Heikel wird es immer dann, wenn die Teilnehmer die Risiken nicht abschätzen können oder sie unmündig sind.


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