Und warum es sogar richtig gefährlich sein kann.

Ich trage Kopftuch. Bin ich nun eine arme türkische Mutti, die an den Herd gefesselt ist? Oder eine Scheich-Braut, die nur zum Shoppen eingeflogen ist? Oder bin ich in Wahrheit ganz anders?

Es passiert mir immer wieder, dass Menschen mich nur aufgrund meiner Kleidung in Schubladen stecken oder meinen, mich zu kennen. Dabei kann man Menschen zwar auf die Klamotten gucken, nicht aber in den Kopf. Das zeigt sich nicht nur anhand der Reaktionen, die ich auf meine Kleidung erhalte.

Meinung

Was Du hier liest oder guckst, ist die Meinung eines Autors oder einer Autorin. So ein Kommentar muss nicht der Meinung der gesamten Redaktion entsprechen. Wir finden es wichtig, verschiedene Meinungen abzubilden. Mehr darüber, wie wir arbeiten, in den häufig gestellten Fragen.

Es wird Zeit, dass wir andere nicht mehr danach beurteilen, was sie anziehen. Sondern an ihren Handlungen und an ihrer Haltung. 

Im Video erzähle ich, warum mich die "Kleider machen Leute"-Denke nervt – und wann sie sogar richtig gefährlich werden kann.


Gerechtigkeit

CO2-Handel zwischen Menschen: Was ich meinen Freunden schulden würde, wenn wir ehrlich wären

Sourou ist noch nie geflogen. Er fährt fast nie in den Urlaub. Niemand in seiner Familie hat ein Auto. Sourou besitzt kaum Dinge, die er nicht benutzt. Seine Wäsche wäscht er mit der Hand. Sourou ist 31 Jahre alt und lebt in Alédjo, einem Dorf im Westen von Benin in Westafrika.

Ich bin in meinem Leben schon oft geflogen, wenn auch seit vier Jahren nicht mehr. Ich fahre mehrmals im Jahr in den Urlaub. Meine Eltern haben zwei Autos. Obwohl ich mich bemühe, wenig zu kaufen, miste ich immer wieder Dinge aus, die ich nicht mehr brauche. Meine Wäsche wäscht die Waschmaschine. Ich bin 26 Jahre alt und lebe in München.

Als Sourou 23 war und ich 18, waren wir in einer Beziehung, während ich ein freiwilliges soziales Jahr in Benin gemacht habe. Inzwischen haben wir nur noch ab und zu Kontakt. Wenn ich über die Klimakrise nachdenke, denke ich auch an Sourou. Und an Lakaza, Kénnèthe, Awali und andere, die ich in dieser Zeit kennengelernt habe.