Bild: Jörg Carstensen/ dpa
Wir haben mit Volker Beck von den Grünen gesprochen

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eit fast 30 Jahren setzt sich der Grünen-Politiker Volker Beck für die Ehe für alle ein. Am Freitag könnte das Gesetz überraschend doch noch kommen. Es wäre Becks größter Erfolg und ein grandioser Abgang – am letzten Sitzungstag, den er als Abgeordneter im Bundestag erlebt. Denn bei der kommenden Wahl tritt er nicht mehr an. 

Beck ging immer offen mit seiner Homosexualität um und hat sich wie kein anderer für LGBT-Rechte eingesetzt. 

Wir haben ihn gefragt, wie er feiert und was sich trotzdem noch tun muss:
Sie haben so lange für die Ehe für alle gekämpft. Am Freitag könnte sie endlich kommen. Sind Sie jetzt einfach nur erleichtert?

Ich freue mich vor allem für alle Lesben und Schwulen, dass es nach 29 Jahren Kampf endlich gelungen ist, gleiche Rechte für sie durchzusetzen. Vor allem ist das ein wichtiges Zeichen in Zeiten von wachsendem Rechtspopulismus und der Hetze gegen Minderheiten. 

Das straft alle Lügen, die glauben, dass man in der Demokratie nichts erreichen kann und alles von oben entschieden wird. Wir haben ganz unten angefangen, Argumente innerhalb der Grünen ausgetauscht, unser Anliegen in andere Parteien und Parlamente getragen. Dann kam irgendwann die eingetragene Lebenspartnerschaft und jetzt haben wir am Freitag hoffentlich endlich die Ehe für alle. 

Haben Sie schon gefeiert?

Ich bin noch nicht zum Feiern gekommen, weil ich zu tun hatte. Erst einmal muss man ja auch die Abstimmung am Freitag abwarten. Danach hoffen wir bei unserem traditionellen Regenbogenempfang – unseren Veranstaltungen, bei denen wir auf LGBT-Rechte aufmerksam machen – gemeinsam mit allen Weggefährten und Weggefährtinnen anstoßen zu können. 

(Bild: Kay Nietfeld/dpa)

Mich haben gestern unendlich viele positive Nachrichten per Mail, SMS, bei Facebook und bei Twitter erreicht, darüber habe ich mich wahnsinnig gefreut. Das sind so viele, da komme ich vor Freitag gar nicht zum Antworten. Das entschädigt auch für die Hasskommentare der letzten Jahre, die es auch schon zu dem Thema gab. 

Welche Art von Jubel erwarten Sie am Freitag? Wird es Autokorsos geben?

Mal sehen, was der Community da alles einfällt. Aber vor allem werden wir auf den diesjährigen CSDs die Gleichberechtigung bei der Ehe feiern. Das werden emotionale Momente.

Ist jetzt mit der Ehe für alle der letzte Schritt zur absoluten Gleichberechtigung getan? Oder welche Baustellen gibt es noch? 

Die zivilrechtliche Gleichstellung ist mit Öffnung der Ehe erreicht. Vorurteile und Benachteiligungen gibt es in der Gesellschaft aber trotzdem. Jetzt geht es weniger um neue Gesetze, aber vor allem um die Haltung in der Gesellschaft. 

Wir haben zwar das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, aber trotzdem gibt es immer noch an vielen Orten Diskriminierung von Minderheiten – zum Beispiel am Arbeitsplatz oder schon bei Bewerbungen.

Muss man Angela Merkel jetzt dafür feiern, dass sie den Weg für die Ehe für alle frei gemacht hat?

Sie wollte vor allem keine Schwäche zeigen. Wir Grünen haben auf dem Parteitag den Stein ins Rollen gebracht, SPD und FDP haben mit der Forderung nachgezogen, dass die Ehe für alle eine Voraussetzung für eine mögliche Regierungskoalition ist. Das war das Schach Matt für Frau Merkel.


Queer

Ja, sie dürfen! Was queere Menschen zur Ehe für alle sagen

Die Ehe für alle wird kommen. Am Mittwochmorgen hat der Rechtsausschuss des Bundestags mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linkspartei eine entsprechende Gesetzesvorlage beschlossen, am Freitag wird die tatsächliche Abstimmung stattfinden. Eine Mehrheit für die Ehe für alle gilt als sicher.

Jahrelang wurde die Entscheidung hinausgezögert, jetzt geht alles plötzlich ganz schnell.

Was sagen Queere dazu? Freuen sie sich, dass sie bald genauso behandelt werden wie heterosexuelle Paare? Oder fühlen sie sich als Spielball politischer Kalkulationen? Wir haben sie gefragt.