"Wenn Sie dieses Video sehen, bin ich entweder tot oder in einer sehr, sehr, sehr schlimmen Lage."

Die Geschichte von Sheikha Latifa erinnert an einen Spionagethriller, wie ihn Hollywood nicht irrer erfinden könnte: Eine schöne Prinzessin, eingesperrt in einem goldenen Palast, ein übermächtiger Vater, der sie gefangen halten will und ein ehemaliger französischer Spion, der der Frau schließlich zur Flucht verhilft. Mit einem Jetski.

Allerdings gibt es in der Geschichte von Sheikha Latifa kein Ende à la Hollywood. Sie ist viel mehr ein trauriges Zeugnis davon, wie viele junge Frauen im Nahen Osten noch immer in Unfreiheit leben. Bis hinauf in die Herrscherhäuser.

Sheikha Latifa ist die Tochter von Mohammad bin Raschid al-Maktoum, dem Emir von Dubai. 

Die 33-Jährige hatte sich ein Leben in Freiheit erhofft, wurde aber nach eigenen Aussagen von ihrem Vater unterdrückt. Vor einem knappen Jahr scheiterte ihre Flucht – dann verschwand sie plötzlich aus der Öffentlichkeit. Menschenrechtler befürchteten, ihr Vater könne sie geschnappt und getötet haben. Seit dem mutmaßlichen Auftragsmord am saudischen Journalisten Jamal Khashoggi keine allzu abseitige Befürchtung.

Nun hat die Fürstenfamilie von Dubai nach zehn Monaten Schweigen ein Lebenszeichen von Sheikha veröffentlicht. Es wirft allerdings neue Fragen auf.

Die wichtigsten Antworten zum Fall – und wie es weitergeht:

1 Wer ist Sheikha Latifa und wieso wollte sie fliehen?

Die Frau ist eines der 14 Kinder von Mohammad bin Raschid al-Maktoum, dem Herrscher des Emirats Dubai. Sie galt die vergangenen zehn Monate als verschollen. 

Dubai bildet gemeinsam mit sechs weiteren Fürstentümern die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Das reiche Land lebt von Öl und Tourismus, Gastarbeiter halten die Wirtschaft aufrecht. Die Emire herrschen über ihre Länder und bilden zugleich die Spitze der VAE-Regierung.

Nach außen geben sich die Herrscher modern und weltoffen. Maktoum Senior inszeniert sich auf Instagram als liebender Vater und Pferdeflüsterer:

Kritiker werfen den Emiraten immer wieder Menschenrechtsverletzungen und Folter vor. Ähnlich wie auch im Nachbarland Saudi-Arabien wird die Opposition unterdrückt und das Netz zensiert. Frauenrechte spielen im Land keine große Rolle. (Amnesty International)

Sheikha Latifa wollte nach eigenen Angaben vor diesem System – und den Bevormundungen ihres Vaters – davonlaufen. Das schildert Sheikha Latifa in einem Video, dass sie kurz vor ihrer Flucht aufgenommen hat. 

Das Video wurde Anfang März 2018 veröffenticht und seither mehr als zwei Millionen Mal gesehen. Sie atmet darin erleichtert auf, als sie von ihrem Vorhaben berichtet: "Ich werde bald gehen. Ich weiß nicht, ob es gelingt, aber ich bin 99 Prozent sicher."

Das Video sollte nur veröffentlicht werden, falls ihre Flucht scheitert. Sheikha Latifa sagt:

„Wenn Sie dieses Video sehen, bin ich entweder tot oder in einer sehr, sehr, sehr schlimmen Lage.“

Schon 2000 hatte sie das erste Mal zu fliehen versucht. In ihrem Video erzählt sie, dass sie damals als 16-Jährige an der Landesgrenze gestoppt wurde – und anschliessend für drei Jahre und vier Monate gefangen gehalten worden sei. 

2 Wie verlief die neue Flucht von Sheikha Latifa?

Laut der BBC-Doku "Escape from Dubai: The Mystery of the Missing Princess" hatte Latifa ihre Flucht sieben Jahre lang mithilfe ihrer finnischen Kampfsportlehrerin Tina Jauhianien und dem ehemaligen französischen Doppelagenten Hervé Jaubert geplant.

Mit Jauberts Hilfe reiste Latifa in den benachbarten Oman, fuhr mit einem Jetski aufs offene Meer und bestieg dort dessen Jacht "Nostromo". Mit der wollten beide nach Indien segeln – von wo aus Latifa in die USA fliegen wollte, um dort politisches Asyl zu beantragen.

Wenige Kilometer vor der indischen Küste stürmten aber bewaffnete Truppen, die arabisch sprachen, das Boot – und brachten Latifa zurück nach Dubai. Hervé Jaubert und Tiina Jauhiainen wurden zunächst festgenommen, später wieder freigelassen. Es ist unklar, ob Raschid al-Maktoum persönlich hinter dem Angriff steckte. Und ob dafür internationales Seerecht gebrochen wurde. 

Der Übergriff ereignete sich laut Zeugen am 5. März, seither hatte es kein Lebenszeichen mehr von der Prinzessin gegeben. Bis jetzt.

3 Was ist nun über den Verbleib von Sheikha Latifa bekannt?

Die staatliche Nachrichtenagentur der VAE hat Fotos von Sheikha Latifa veröffentlicht, die von Mitte Dezember sein sollen. Man sieht darauf eine junge Frau im Kapuzenpulli. Latifa lacht auf den Bildern nicht, sie blickt auch nicht in die Kamera. Stattdessen schaut sie ins Leere.

Sheikha Latifa sitzt links, neben ihr sitzt Mary Robinson.

(Bild: WAM)

Auf den Fotos ist sie in Begleitung von Mary Robinson, der ehemaligen UN-Hochkommissarin für Menschenrechte und einstigen Präsidentin Irlands. 

Robinson sagte der BBC, sie war von der Familie gebeten worden, Latifa zu besuchen – und nimmt das Herrscherhaus in Schutz. Demnach sei Latifa "eine aufgewühlte junge Frau in einer ernsten medizinischen Situation". Das Video und die Flucht bereue sie, an den Vorwürfen an ihren Vater sei nichts dran. Weil Latifa eine psychische Störung habe, schütze sie die Familie angeblich vor der Öffentlichkeit: 

„Dies ist jetzt eine Familienangelegenheit, und ihre Familie kümmert sich liebevoll um sie.“

4 Wie glaubwürdig sind die Fotos?

Menschenrechtler zweifeln an, ob es Latifa wirklich gut geht – und können nicht verstehen, wieso Robinson das Herrscherhaus unterstützt.  

  • Kenneth Roth von Human Rights Watch twittert: 

"Ein kurzes Interview in Anwesenheit der Familie, die sie entführt haben soll, und nach wer weiß welchen Behandlungen sie innerhalb der vergangenen 9 Monate in Gewahrsam erfahren hat, reicht in keinster Weise aus, um den Geisteszustand oder die Wünsche von Prinzession Latifa einzuschätzen."

  • Und die Menschenrechtsaktivistin Radha Stirling twitterte unter dem Hashtag #FreeLatifa:

"Die Länder im Nahen Osten müssen verstehen, dass persönliche Freiheiten und politische Reformen der einzige Weg sind, das Image ihrer Regierungen zu verbessern und dass Kritiker verstummen zu lassen nichts bewirkt, außer deren Kritik zu beweisen und zu verstärken."

Wie es Latifa wirklich geht, können am Ende nur die sagen, die sie nach ihrer gescheiterten Flucht getroffen haben. Die ehemaligen UN-Hochkommissarin Mary Robinson reagierte mittlerweile auf die Kritik an ihrem Besuch. (The Independent)

In einem Statement sagte sie, sie sei auf Wunsch der Mutter von Latifa gekommen. Sie habe nie ein Urteil über Latifas Zustand fällen wollen, sondern nur eine Einschätzung abgegeben. Sie habe Latifa beim Besuch als "liebenswerte junge Frau mit vielfältigen Interessen" kennengelernt. Aber, sagt Robinson weiter, "ihre Verletzlichkeit war offensichtlich".


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